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Folgen von Hurrikan „Harvey“ : In der Kommandozentrale des Wiederaufbaus

  • -Aktualisiert am

Folgen des Hurrikans „Harvey“ in Katy, Texas Bild: AFP

Erst das Gebet, dann die Hilfe: Der Wirbelsturm „Harvey“ hat Texas in den Ausnahmezustand versetzt. Eine Kirchengemeinde vor den Toren von Houston versorgt die vielen Flutopfer – und sieht in all dem Elend auch viel Gutes. Ein Besuch.

          Fünfzig Meilen vor Houston ist sie plötzlich im fahlen Nachthimmel über Texas zu sehen – die gigantische Wolke, der die Meteorologen den Namen Harvey gegeben haben. Seit dem Wochenende hat der Sturm an der texanischen Golfküste mit Überschwemmungen biblischen Ausmaßes schwere Verwüstungen angerichtet. Und schon ist auch das Wasser zu sehen. Links und rechts der Interstate10 zwischen San Antonio und Houston sind die Zufahrtsstraßen überschwemmt. Im Mondlicht schimmert das Wasser, als führe man über eine lange Brücke. Nur die Stoppschilder, die bis zum Hals im Wasser stehen, weisen darauf hin, dass man an Land ist.

          Im Süden von Texas gibt es kein anderes Thema. Im Shuttle vom Flughafen zur Autovermietung diskutiert ein junges Paar aus Houston, das wegen der Flughafenschließung zwei Tage in Las Vegas gestrandet war und nun aus Sorge um die daheimgebliebenen Kinder ins drei Autostunden entfernte San Antonio flog, wie man am besten in die Stadt kommt; fast alle Zufahrtsstraßen sind gesperrt, die Interstate10 ist nur bis Katy passierbar.

          Man wünscht sich gegenseitig Glück

          „Die Mautstraßen sollten Sie vermeiden“, sagt ein weiterer Passagier. „Die führen durch Senken – da kann man leicht stecken bleiben.“ Auch an den Tankstellen entlang der I-10, die fast alle nur noch Premium-Benzin und Diesel haben, tauscht man Informationen über gesperrte Zugänge und offene Schleichwege. Überall entlang der Strecke zwischen San Antonio und Houston weisen blinkende Baustellenschilder darauf hin, dass Straßen gesperrt sind: „High Water“. Im Dunkeln ist der Versuch, dennoch zu den Lieben oder den zurückgelassenen Haustieren durchzukommen, noch gefährlicher als bei Tageslicht. Man wünscht sich gegenseitig Glück.

          Aufnahmen von der ISS : Hurrikan „Harvey“ aus dem All betrachtet

          Im Radio wird der erste Tag gefeiert, an dem man seit dem überfallartigen Einbruch des Sturms am Freitag die Sonne gesehen hat. „Manche konnten sich mit der Hilfe von Drohnen ein Bild machen“, sagt die Reporterin, „aber noch ist keine Entwarnung angesagt.“ Man diskutiert, wie hilfreich Facebook als Koordinationsplattform für Rettungseinsätze ist. „Liebe Leute, bitte teilt Rettungsgesuche nicht einfach – geht sicher, dass es sich um einen aktuellen Notruf handelt, dem noch nicht nachgekommen wurde, sonst verschwenden die Helfer ihre Zeit.“

          In Katy, einer Vorstadt von Houston, die wegen der vielen Zuzüge auf mehr als 15.000 Einwohner angeschwollen ist, herrscht um elf Uhr abends gespenstische Stille. Der Bürgermeister hat eine Ausgangssperre von Abend- bis Morgendämmerung verhängt, um Plünderungen einen Riegel vorzuschieben, die sich andernorts bereits ereigneten. Die Stadt Houston hat ein Ausgehverbot zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh erlassen.

          An der Katyland Road, gleich hinter der Highschool, stehen auf dem Parkplatz vor einem modernen Gebäude ein paar Trucks mit Booten im Schlepptau. Das ist die Powerhouse Church, die seit Samstag die Rettungsarbeiten in der Gegend organisiert. „Jetzt ist die National Guard im Einsatz“, sagt Pastor Brandon Sanders, „aber wir helfen uns alle gegenseitig. Muss sein. Dies ist eine Jahrtausendflut.“

          Sanders, ein gedrungener Mann mit rotblondem Bart, war selbst von den Wassermassen in seinem Haus eingeschlossen. „Ich betete zu Gott, dass es aufhört zu regnen, und dann machte ich einen Plan B.“ Mit Hilfe der Facebook-Seite der Kirche und übers Telefon begann er, die Rettung zu koordinieren. „Das Wasser stand bei mir an der Tür, auch unser leitender Pastor Roberts war eingeschlossen. Wir begannen mit zwei weiteren Kirchenmitgliedern, übers Telefon Hilfe zu organisieren, und riefen Leute mit großen Trucks und mit Booten an.“

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