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Hochwasser in Bad Schandau Leben mit der wiederkehrenden Katastrophe

 ·  Versunkene Pensionen, Läden und Cafés: Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz ist stets die erste deutsche Stadt, die das Elbhochwasser trifft. Die Einwohner haben sich fast schon an die Flut gewöhnt.

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© Lüdecke, Matthias Vergrößern Noch nicht der Höchststand: Am Mittwochnachmittag durchspülte die Elbe die Erdgeschosse der Kurstadt.

Mario Albrecht steht an der Poststraße oberhalb des Bad Schandauer Marktes und beobachtet sein Haus. „Bis gestern Abend haben wir noch Möbel nach oben gebracht“, sagt er. Dann war das Wasser da. Gut 50 Meter hat die Elbe ihn jetzt schon von seinem Haus getrennt, das dreistöckige Gebäude steht bis zur ersten Etage unter Wasser. „Wenigstens scheint die Sonne“, sagt der Einundfünfzigjährige und macht ein Foto. Es ist das erste Mal seit zehn Tagen, dass es nicht mehr regnet.

Blauer Himmel, die Bäume in saftigem Grün und dazu die hellen Sandsteinfelsen - normalerweise beginnt in Bad Schandau im Juni die Hochsaison. Viele Hotels und Pensionen waren seit Wochen ausgebucht, doch am Montag mussten die Betreiber ihren Urlaubern absagen und Gäste nach Hause oder in höher gelegene Unterkünfte schicken. Die Stadt wurde geschlossen, seit Dienstag ist das Zentrum nur noch im Boot erreichbar. An der Elbstraße, die zu Markt und Fluss hinunterführt, ist am Mittwochmorgen schon auf halber Höhe Schluss. Zwei Boote des Technischen Hilfswerks liegen im Wasser, das ein paar Häuser weiter schon an der Unterkante zum ersten Obergeschoss steht. „Wir können nicht fahren“, sagt einer der Männer. „Die Strömung ist zu stark.“

Baumstämme, Strohballen, Tische und ein Gastank

Die sonst gemächlich dahin fließende Elbe schießt in enormem Tempo an der Stadt vorbei. Und sie reißt gnadenlos mit, was an ihrem Oberlauf nicht festgemacht war: Baumstämme und Strohballen rauschen flussabwärts, ein Tisch mit vier Beinen nach oben jagt ihnen hinterher, dicht gefolgt von einem großen, weißen Gastank. Der rammt die Anlegestelle für Elbdampfer, die, vom Ufer aus längst unerreichbar, schief aus dem Wasser ragt, dreht sich einmal um sich selbst und schwimmt dann weiter.

Von der Schlossbastei, einem Aussichtspunkt hoch über dem Kurort, verfolgen einige Schandauer gebannt die Lage. „Jetzt macht der am Bahnhof vorbei“, kommentiert ein Mann den Weg des Tanks. Der ist, wie sich später herausstellt, einer von mehreren Gasbehältern, die der Fluss von einem Betriebsgelände im tschechischen Aussig (Ústí nad Labem) mitgerissen hat. Sie sollen leer sein, immerhin, aber THW und Bundeswehr versuchen elbabwärts mit Hubschraubern, die Behälter ans Ufer zu schwemmen. Die Gefahr für Brücken und Häuser, die im Wasser stehen, ist einfach zu groß.

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© Lüdecke, Matthias Vergrößern Das Zentrum von Bad Schandau steht unter Wasser.

Hier oben steht auch René Hille und blickt resigniert auf seine Stadt. Der Siebenunddreißigjährige arbeitet in der örtlichen Tourismuszentrale am Markt, der längst unter Wasser steht. Pensionen, Läden, Cafés, Kirche, Rathaus, das Fünf-Sterne-Hotel-Elbresidenz - alles ist versunken. Am Dienstagabend erreichte die Flut sein Haus, mit Frau und zwei Kindern zog er zu Freunden, die weit oberhalb des Tals im Trockenen wohnen. Jetzt will er nach der „Albrechtsburg“ sehen, einem Apartmenthaus, das er mit seiner Frau betreibt. Es liegt an der Kirnitzschtalstraße, und weil das Zentrum dicht ist, nutzt er einen alten Hochwasserweg über den Berg.

Schmale Sandsteinstufen und eine Metallgittertreppe führen erst steil hinauf, und dann in Serpentinen hinab. Der Regen der vergangenen Wochen hat den Hang aufgeweicht, der Weg ist schlammig und glitschig. Ein Steg führt vom Hang auf einen Balkon des Hauses, in der oberen Etage sind die Betten gemacht, fertig zum Empfang von Urlaubern. „Am Sonnabend musste ich alle 20 Gäste heimschicken“, sagt Hille. Das Landeshochwasserzentrum hatte eine Flutwarnung herausgegeben, und es gibt niemanden in der Stadt, der das nicht ernst nähme.

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