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Schiffsunglück vor Libyen : Hilfsorganisationen befürchten 400 tote Flüchtlinge

  • Aktualisiert am

Die Flüchtlinge waren von der libyschen auf dem Weg zur italienischen Küste. Diese Aufnahme stammt vom November 2014. Bild: AFP

Neun Leichen sind geborgen, 400 Menschen werden noch vermisst. Zwei Hilfsorganisationen befürchten, dass sie im Mittelmeer auf dem Weg nach Italien ertrunken sind.

          Nach einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste befürchten Hilfsorganisationen, dass etwa 400 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind. Dies gehe aus Schilderungen von Überlebenden hervor, die in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria angekommen seien, erklärte unter anderem die Organisation Save the Children am Dienstag. Unter den Opfern seien vermutlich auch Kinder.

          Die italienische Küstenwache hatte am Montag 144 Flüchtlinge von einem Boot gerettet, das vor der Küste Libyens gekentert war. Neun Leichen konnten geborgen werden. Eine große Rettungsaktion wurde eingeleitet, aber weitere Vermisste nicht gefunden. Die Überlebenden der Tragödie waren in Italien an Land gebracht und von Mitarbeitern der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und Save the Children befragt worden.

          Eine Bestätigung von der Küstenwache zur Zahl der Opfer gab es zunächst nicht. Es wäre eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer, seit im Oktober 2013 mehr als 360 Menschen vor der italienischen Insel Lampedusa ertranken. Das Unglück hatte damals eine große Diskussion um die Flüchtlingspolitik Europas ausgelöst.

          Mittelmeer vor Lybien : 400 Flüchtlinge vermisst

          Überfall durch Schmuggler

          Derzeit kommen Tausende Migranten vor allem aus Afrika südlich der Sahara und aus Syrien in Italien an. Viele Boote starten in Libyen. Seit Freitag hat die Küstenwache etwa 8500 Menschen gerettet. Viele Auffanglager in Italien sind vollkommen überfüllt. Rom pocht seit langem auf mehr Hilfe aus Europa, um die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen.

          Bild: DPA

          Das italienische Rettungsprogramm für Flüchtlinge „Mare Nostrum“ war vergangenes Jahr ausgelaufen und wurde durch die EU-Grenzschutzmission „Triton“ abgelöst. Menschenrechtler und Hilfsorganisationen sehen darin aber mehr eine Abschreckungsmaßnahme als ein Rettungsprogramm für Menschen in Not.

          Die EU-Grenzschutzagentur Frontex erklärte derweil am Dienstag, dass etwa 60 Seemeilen vor der libyschen Küste Schmuggler ein Flüchtlingsboot gewaltsam in ihren Besitz gebracht und dabei auch geschossen hätten. Ein Schleppboot der italienischen Küstenwache und ein isländisches Schiff hätten rund 250 Migranten aus Seenot gerettet und wollten das Schiff, mit dem sie nach Europa zu gelangen versuchten, in Schlepptau nehmen. Zu diesem Zeitpunkt sei ein Schnellboot mit mutmaßlichen Schmugglern aufgetaucht, die in die Luft schossen und mit dem leeren Boot der Flüchtlinge entkamen.

          Frontex-Direktor Fabrice Leggeri wertete den Zwischenfall vom Montag als Anzeichen, dass für die in Libyen aktiven Menschenschmuggler die Boote knapp werden. Es handele sich um den zweiten Zwischenfall dieser Art seit Jahresbeginn.

          Quelle: coeh./dpa

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