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Havarierter Frachter : Polizei ermittelt gegen Kapitän der „Glory Amsterdam“

  • Aktualisiert am

Das Schiff hatte sich am Wochenende aufgrund des Sturms „Herwart“ losgerissen und auf einer Sandbank gestrandet. Bild: dpa

Mit der Ankunft der „Glory Amsterdam“ in Wilhelmshaven geht die Ursachenforschung los. Warum lief das Schiff vor Langeoog auf Grund? Auch der Rettungseinsatz wird unter die Lupe genommen.

          Nach der Havarie des Frachters „Glory Amsterdam“ ermittelt die Wasserschutzpolizei gegen den Kapitän. Es bestehe ein Anfangsverdacht, dass wegen der fehlenden Kooperationsbereitschaft der Schiffsführung des Havaristen die ersten Bergungsversuche gescheitert sei und das Schiff daher auf einer Sandbank vor Langeoog gestrandet sei, teilte die Wasserschutzpolizei am Freitag mit. Die Ermittlungen wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs richten sich gegen den 48 Jahre alten chinesischen Kapitän des Schiffes.

          In den kommenden Tagen wird das Schiff im Binnenhafen von Wilhelmshaven von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung inspiziert. „Diese Untersuchung wird voraussichtlich wenige Tage in Anspruch nehmen“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes prüft auch mögliche Konsequenzen für die Reederei und die Mannschaft. Die defekte Ruderanlage soll in Bremerhaven repariert werden.

          Das Schiff hatte sich am Wochenende aufgrund des Sturms „Herwart“ vor Anker liegend losgerissen und war rund zwei Kilometer vor der ostfriesischen Insel Langeoog auf einer Sandbank gestrandet. Die Ruderanlage war ausgefallen. Versuche des Rettungsschleppers „Nordic“, das Schiff wegzuschleppen, scheiterten, weil die Schlepptrossen mehrfach brachen. Die Bergung gelang erst am Donnerstag, nachdem zwei andere Schlepper eine Leinenverbindung zu dem Frachter herstellen konnten und das Ballastwasser abgepumpt worden war. Die lange Dauer der Bergung war vom Langeooger Inselbürgermeister Uwe Garrels (parteilos) kritisiert worden. Das Rettungskonzept des Havariekommandos habe nicht funktioniert.

          Eine Sprecherin des Havariekommandos sagte, es werde auch eine interne Aufarbeitung des Rettungseinsatzes geben. Sie sprach aber auch von Kommunikationsproblemen mit der Crew der „Glory Amsterdam“, die unter der Flagge von Panama fährt.

          Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hatte dem Havariekommando Dank für den Einsatz ausgesprochen. Bei der Untersuchung der Havarie müsse unter anderem auch die Ausbildung des Kapitäns und der Mannschaft überprüft werden. Denkbar sei, ein spezielles Notschleppgeschirr auch für Schiffe dieser Größenklasse verpflichtend zu machen. „Die Havarie ist eine Warnung“, sagte Wenzel. Die Verkehrssicherheit auf See müsse auf den Prüfstand, um Schäden für die Inseln und die Küsten sicher vermeiden zu können.

          Gestrandeter Frachter : „Glory Amsterdam“ ist wieder frei

          Auch die Bürgermeister der ostfriesischen Inseln fordern vom Bundesverkehrsministerium mehr Sicherheit für die Küsten. „Der hochsensible Naturraum Wattenmeer und die touristisch bedeutsame Küstenregion dürfen nicht mehr durch eine Billig-Schifffahrt gefährdet werden“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Bürgermeister. Sie wiesen auch auf zusätzliche Risiken wegen der vor den Inseln Borkum und Wangerooge liegenden Windparks hin. Bei einer Havarie in diesem Bereich wäre das Risiko einer Kollision und dem Austritt von Öl und Treibstoff immens höher gewesen, mahnen die Bürgermeister.

          Quelle: dpa

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