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Bali-Vulkan kurz vor Ausbruch : Bis zu 1000 Erschütterungen am Tag

  • -Aktualisiert am

Der Rauch des Vulkans auf Bali zeugt von dessen zunehmender Aktivität. Bild: dpa

Der Gunung Agung auf Bali ist erwacht – und könnte jederzeit ausbrechen. Die Erdbeben haben sich rapide vermehrt, der Vulkan speit Asche, die Menschen fliehen. Jetzt versucht die Regierung, eine Katastrophe zu vermeiden.

          Wer an den Hängen des höchsten Berges der indonesischen Insel Bali Regenwasser oder Tau in Palmblättern sammelt und damit seine Mitmenschen bespritzt, begeht eine gute Tat. So jedenfalls sehen es hinduistische Zeremonien vor, die im Besaki-Tempel am Berg Agung bei jeder Pilgerfahrt zu den Pflichten der Gläubigen gehören. Zur Zeit hält sich aber niemand mehr in dem Tempel auf. Statt Wasser fangen die Palmwedel lediglich schwarze Asche ein.

          Der Vulkan Gunung Agung scheint nämlich kurz vor einem schweren Ausbruch zu stehen. Seit Mitte September tremoren jeden Tag Hunderte Erdbeben unter dem Berg, und in den vergangenen Tagen spie der 3142 Meter hohe Feuerberg mehrmals große Aschemengen kilometerhoch in die Atmosphäre, was unter anderem den Flugverkehr in der Gegend stark beeinträchtigte. So bleibt der internationale Flughafen von Bali vorerst geschlossen. Davon betroffen sind mehr als 400 Flüge.

          Ein eindeutiges Warnzeichen

          Die jüngste Ausbruchphase begann am 18. September. Nach Jahren der Ruhe am Vulkan stieg plötzlich die Zahl der Erdbeben unter Gunung Agung gewaltig an. Innerhalb von nur fünf Tagen nahm die Zahl der Beben von weniger als fünf pro Tag auf fast 1000 Erschütterung täglich zu. Für Vulkanologen ist eine derartig rasche Zunahme seismischer Ereignisse ein eindeutiges Warnzeichen. Diese Erdbeben entstehen nämlich, weil Magma unter dem Vulkan in Bewegung geraten ist.

          Für Doktor Surono, dem Direktor des Vulkanologischen Dienstes von Indonesien, stand sofort fest, dass er eine Katastrophe wie im Februar 1963 unter allen Umständen vermeiden wollte. Damals war Gunung Agung ebenfalls nach langem Schlummer erwacht. Nach einigen kleineren Eruptionen empfahl Suronos Vorgänger der Bezirksregierung in Bali damals, ein großes Gebiet um den Berg zu evakuieren. Die Behörden zögerten allerdings, diese Empfehlung umzusetzen, unter anderem weil für den 17. März 1963 ein großes religiöses Fest in den hinduistischen Tempelanlagen an den Hängen des Vulkans geplant war.

          Höchste Alarmstufe auf Bali : Ausbruch steht bevor

          Das Fest war bereits im Gange, als Gunung Agung dann wie vermutet in der schwersten Vulkaneruption in Indonesien seit 80 Jahren ausbrach. Aschewolken und vulkanische Gase wurden damals bis in die Stratosphäre geschleudert. In den pyroklastischen Strömen aus heißer Asche, die mit rasanten Geschwindigkeiten die Berghängen hinabrasten, kamen Hunderte Menschen ums Leben. Als der Berg sich Anfang Januar 1964 endlich wieder beruhigte, lag die Zahl der Toten bei fast 1200. Etwa ein Zehntel der Fläche der Insel war unter einer dicken Ascheschicht begraben, darunter fruchtbarstes Ackerland. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis sich die Wirtschaft von dieser Eruption erholte.

          In den vergangenen Wochen haben die Behörden in Bali allerdings schnell auf die Warnungen der Vulkanforscher reagiert. Bereits Ende September hatten mehr als 120.000 Menschen die Gegend unmittelbar um den Vulkan verlassen müssen. Als es im Oktober unter Gunung Agung kurzzeitig etwas ruhiger wurde, kehrten viele Einwohner in ihre Häuser zurück, nur um vor wenigen Tagen abermals in Sicherheit gebracht zu werden. Das gefährdete Gebiet umfasst fast den gesamten Osten der Insel. Die Inselhauptstadt Denpasar mit ihren knapp 800.000 Einwohnern liegt allerdings etwa 50 Kilometer südwestlich des Vulkans und damit außerhalb der Gefahrenzone.

          Zusammen mit seinem Schwestervulkan Gunung Batur ist Gunung Agung, zu deutsch „hoher Berg“, einer der aktivsten Vulkane Indonesiens. Insgesamt gibt es in dem aus zahllosen Inseln bestehenden südostasiatischen Land fast 130 Feuerberge. Beinahe 80 von ihnen waren in den vergangenen 400 Jahren aktiv. Agung und Batur gehören zu den 66 Vulkanen, die von den Mitarbeitern des Vulkanologischen Dienstes kontinuierlich überwacht werden.

          Die vielen tektonischen Erdbeben und die vielen Vulkane in Indonesien sind ein Produkt der rastlosen Drift großer Platten auf der Erdoberfläche. Das Land ist die Kollisionszone mehrerer dieser Platten, wobei die australische Platte von Süden kommend mit großer Wucht gegen Fragmente der eurasischen Platte drückt. Dabei taucht die australische Platte unter Indonesien in den Erdmantel. Bei dieser Subduktion entstehen die Tiefseegräben vor Java und Sumatra, in denen einige der schwersten Beben auf der Erde ihren Ursprung haben. Der indonesische Archipel liegt nördlich und östlich dieser Gräben und besteht im wesentlich aus vulkanischen Gesteinen, die bei den mit der Kollision zusammenhängenden Eruptionen an die Erdoberfläche traten.

          Kilometerhohe Rauchsäulen hat der Vulkan gespien – und Bali verhüllt.
          Kilometerhohe Rauchsäulen hat der Vulkan gespien – und Bali verhüllt. : Bild: dpa

          Dazu gehörten auch zwei der schwersten Vulkanausbrüche der vergangenen zwei Jahrhunderte. Im Jahr 1815 brach der Tambora auf der Insel Flores östlich von Bali aus. Der Feuerberg spie derart viel Asche und Schwefeldioxid in die Atmosphäre, dass es in den folgenden Jahren weder in Europa noch in Nordamerika je richtig Sommer wurde. Im Jahre 1883 sprengte sich der Vulkan Krakatau in einer gewaltigen Eruption selbst in die Luft – übrig blieb nur eine kleine Insel in der Sunda-Straße, die Java von Sumatra trennt. In ihr wächst zur Zeit in neuer Vulkan heran, der Anak Krakatau, das „Kind“ des ehemaligen kegelförmigen Vulkans.

          Quelle: F.A.Z.

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