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Geisterfahrer auf der A5 Polizei geht nicht von Selbstmordversuch aus

Die Polizei kann nach dem schweren Unfall auf der A5 bei Offenburg keine Selbstmordabsicht des Geisterfahrers erkennen. Trotzdem stellt sich die Frage, wie solche Taten in Zukunft verhindert werden können – und wer für auftretende Schäden haftet.

© dpa Vergrößern Ein Motorblock wurde beim Aufprall aus einem Wagen geschleudert.

Am Tag nach dem Unfall eines Geisterfahrers auf der Autobahn 5 bei Offenburg in Baden hat die Polizei am Montag eine Ermittlungsgruppe aus zehn Beamten gebildet. Sie soll klären, wie es zu dem Unfall kommen konnte, bei dem der 20 Jahre alte Geisterfahrer und fünf weitere Personen ums Leben kamen. Ein Sprecher der Polizei in Offenburg sagte am Montag, die Untersuchungen am Unfallort seien abgeschlossen, nun durchleuchte man das Leben und das Umfeld des Zwanzigjährigen, um herauszufinden, warum er auf der Autobahn in der falschen Richtung unterwegs war. Zunächst werde auch untersucht, ob der Geisterfahrer unter Alkohol- oder Rauschgifteinfluss stand.

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„Es gibt eine Vorgeschichte. Und dieser müssen wir jetzt nachgehen“, sagte der Leiter der Polizeidirektion Offenburg Reinhard Renter am Montag. Einen Abschiedsbrief habe der Falschfahrer nicht hinterlassen. „So einfach hat er es uns nicht gemacht.“ Selbstmörderische Absicht sei bislang nicht zu erkennen. Fest steht nur, dass der junge Mann den Abend und die Morgenstunden in verschiedenen Lokalen verbracht hat.  Ein Abschlussbericht könne wohl aber erst im kommenden Jahr vorgelegt werden. Bei Folgeunfällen am Sonntag auf der A 5 waren auch mehrere Personen verletzt wurden, unter ihnen eine 37 Jahre alte Frau, die auf dem Standstreifen hielt, um zu helfen, als ein weiteres Fahrzeug in die Unfallstelle fuhr.

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In Deutschland gab es in den vergangenen Wochen mehrere Geisterfahrer-Unfälle mit Todesopfern. Allein im Oktober kamen dabei mindestens 13 Personen ums Leben. Fünf Tote waren die Bilanz eines Unfalls vor vier Wochen, als ein 24 Jahre alter Mann seinen Wagen auf der Autobahn 46 im Sauerland in Suizidabsicht gegen ein Auto mit vier Insassen lenkte. Solche Häufungen sind selten. Nach Angaben des ADAC werden pro Jahr etwa 2800 Falschfahrer gemeldet, 2000 von ihnen auf Autobahnen. Dabei kommen durchschnittlich 20 Personen ums Leben. Jeder zweite Unfall ereignet sich im Dunkeln.

Wer haftet für die Folgen?

Wer für den Schaden des Geisterfahrerunfalls aufkommt, ist noch nicht klar. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die polizeilichen Ermittlungen. Lag dem Unfall ein fahrlässiges Fehlverhalten des Verursachers zugrunde, trägt seine Autohaftpflichtversicherung die Kosten für Personenschäden und Sachschäden. Das umfasst die Behandlungs-, Rehabilitations- und Pflegekosten der Unfallopfer sowie notwendige Reparaturen oder den Wert des Autos. Kann das Opfer nicht mehr arbeiten, zahlt der Versicherer ihm einen Schadenersatz für die Erwerbsunfähigkeit. Auch wenn der Fahrer alkoholisiert war, greift seine Haftpflichtpolice.

Anders sieht es aus, wenn der Geisterfahrer in Selbstmordabsicht handelt. Vorsatz ist von der Haftpflichtversicherung nicht gedeckt. In diesem Fall wird als erstes eine mögliche Vollkaskoversicherung der Unfallopfer gezogen. Besteht eine solche (freiwillige) Deckung nicht, springt wie bei Fahrerflucht oder der Insolvenz eines Versicherungsunternehmens die Verkehrsopferhilfe ein. Das ist ein staatlicher Entschädigungsfonds, der aus Beiträgen aller deutschen Autoversicherer gespeist wird.

Sechs Tote auf A5 bei Offenburg © dpa Bilderstrecke 

Anders sieht es bei Folgeunfällen aus. Wenn Fahrer im Nebel ein Ausweichmanöver ausführen müssen, um nicht in die Unfallstelle hineinzufahren, kommt nicht automatisch die Haftpflichtversicherung des Geisterfahrers auf. Statt dessen müssen zunächst die näheren Umstände geklärt werden. Hatten die ausweichenden Autos keinen ausreichenden Sicherheitsabstand oder fuhren zu schnell, gelten sie für die Folgeunfälle als Verursacher und müssen ihre Versicherung in Anspruch nehmen.

Wie können Geisterfahrten verhindert werden?

Der Unfall hat wieder die Debatte befeuert, wie sich Geisterfahrten verhindern lassen. Dabei wurde am Montag vor allem Österreich als Vorbild genannt. Dort ging die Zahl der Geisterfahrten in den vergangenen Jahren stark zurück. 2011 war kein Toter mehr zu beklagen. Doch werden Erwartungen an eine Patentlösung von den Fachleuten gedämpft. Die Ursachen für den Rückgang zu eruieren sei schwierig, heißt es bei der Autobahn-Betreibergesellschaft Asfinag. Geisterfahrten entstünden aus vielen verschiedenen Ursachen. Man setze daher auf einzelne Maßnahmen, sagt Alexandra Vucsina-Valla von der Asfinag. Die Führung in die Auffahrten sei mit Piktogrammen und Wegweisungen verbessert worden. Ergänzt werde das durch die Geisterfahrerwarntafeln. Die gelben Schilder mit der gebietend entgegengestreckten schwarzen Hand wurden auch in Bayern eingeführt.

„Zuletzt und nur im Ausnahmefall werden auch mechanische Zufahrtsperren wie Krallen eingesetzt“, sagt Vucsina-Valla. Diese Maßnahme wird auch beim Automobilclub ÖAMTC skeptisch gesehen. Es gebe nur wenige „Krallen“, „aber ohne Effekt“, sagt Markus Schneider vom ÖAMTC. Eine generelle Einführung wäre auch viel zu teuer, und besondere Gefahrenstellen gebe es eigentlich nicht; die Geisterfahrerei sei ein „heterogenes Phänomen“. Fraglich sei auch die Haftung, wenn die Krallen einen Unfall verursachten oder (etwa bei Stau oder Umleitung) Reifen beschädigten, wenn keine Falschfahrt vorliege. Der ADAC gab zu bedenken, dass es in Deutschland etwa 2500 Anschlussstellen, Autobahnkreuze, Autobahndreiecke und zudem noch Parkplätze gebe. Nicht zuletzt könnten Krallen, die das Auffahren in falscher Richtung unmöglich machen, Rettungsfahrzeuge behindern.

Quelle: DPA

 
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