Home
http://www.faz.net/-gup-75f15
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Fünf Tote in Moskau Defektes Bremssystem möglicherweise Ursache für Flugzeugunglück

Die Ermittler vermuten, dass ein defektes Bremssystem das Unglück auslöste: In Moskau schoss eine Tupolew 204 ohne Passagiere über die Landebahn hinaus und zerbrach in mehrere Teile. Fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

© dpa Vergrößern Die Tupolew 204 durchbrach eine Absperrung und schoss auf die nahegelegene Autobahn, fing Feuer und zerbrach in drei Teile.

Die Ursache für das Flugzeugunglück am Moskauer Flughafen Wnukowo mit mehreren Toten ist möglicherweise gefunden: Die Ermittler gingen am Sonntag davon aus, dass das Bremssystem nicht korrekt funktionierte und die Maschine deshalb am Samstag bei der Landung über die Piste hinausschoss. Bei dem Unglück der Maschine ohne Passagiere starben neuen Angaben zufolge fünf der acht Besatzungsmitglieder.

Das Flugzeug vom Typ Tupolew 204 durchbrach eine Absperrung und schoss auf die nahegelegene Autobahn. Die Maschine fing bei dem Unglück Feuer und zerbrach in drei Teile. Auf im Internet gezeigten Handyvideos waren große Trümmerteile zu sehen, die über die Autobahn flogen und Autos trafen, deren Fahrer nur mit Mühe die Spur hielten. Die Autobahn Richtung Kiew und der Flughafen mussten vorübergehend geschlossen werden.

© reuters, Reuters Vergrößern Russisches Passagierflugzeug zerschellt bei Landung

„Das Flugzeug landete im richtigen Landebereich, konnte dann aber aus irgendeinem Grund nicht anhalten“, sagte der Chef der Flugverkehrsbehörde, Alexander Neradko, im Fernsehen. Einem Vertreter des Ermittlerteams zufolge nutzten die Piloten „alle im Flugzeug befindlichen Bremssysteme“. Der wahrscheinlichste Grund dafür, dass die Maschine dann nicht stoppen konnte, seien „eine kaputte Schubumkehr oder defekte Bremsen“, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den Vertreter. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler vom Flugschreiber, der am Samstagabend gefunden wurde.

Die Schubumkehr wird nach dem Aufsetzen des Flugzeugs eingesetzt, um die mechanischen Bremsen zu unterstützen. Dabei wird der Luftstrom im Triebwerk durch Klappen in die Gegenrichtung gelenkt, wodurch eine Kraft entgegen der Fahrtrichtung entsteht. So wird die Maschine gebremst.

Tu-204 plane crash near the Vnukovo airport outside Moscow © dpa Vergrößern Die Feuerwehr birgt das abgerissene Cockpit der Maschine.

Die aus Pardubice in Tschechien kommende Maschine war nach Angaben eines tschechischen Flughafenmitarbeiters auf einem Leerflug zurück nach Moskau. An Bord der 210 Sitze zählenden Maschine der russischen Fluglinie Red Wings waren acht Besatzungsmitglieder. Eine Flugbegleiterin starb am Sonntag an ihren Verletzungen, wodurch die Zahl der Todesopfer auf fünf stieg. Die drei anderen verletzten Crewmitglieder waren am Sonntag außer Lebensgefahr.

Zunächst waren schlechte Wetterbedingungen sowie ein möglicher Pilotenfehler als Ursachen für das Unglück in Erwägung gezogen worden, das schlossen die Ermittler nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Sonntag aber aus. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte starker Wind mit Schneefall.

Tu-204 plane crash near the Vnukovo airport outside Moscow © dpa Vergrößern Eine kaputte Schubumkehr oder defekte Bremsen werden inzwischen als Unglücksursache angenommen.

Der russische Finanzmagnat Alexander Lebedew, dem die Fluglinie Red Wings gehört, erklärte, der vier Jahre alte Jet sei erst Ende November sorgfältig überprüft worden. Möglicherweise habe eine anfängliche Weigerung der Fluglotsen, die Maschine landen zu lassen, zu dem Unglück beigetragen, twitterte er. Das Flugzeug habe deshalb mehrere Kreise über Wnukowo ziehen müssen. „Jede Maschine hat ihr Limit, auch wenn sie neu ist.“

Russische Medien berichteten indes, bereits vor dem Unfall hätten sich die Behörden besorgt über das Bremssystem des Flugzeugtyps gezeigt. Demnach schrieb die staatliche Aufsichtsbehörde am Freitag einen Brief an den Hersteller und verwies auf möglicherweise defekte Bremsen, nachdem eine Maschine vom Typ Tupolew 204 in der vergangenen Woche Probleme bei der Landung hatte.

Quelle: AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flugzeugunglück Air-Asia-Absturz bleibt ein Rätsel

Ist die verunglückte Air-Asia-Maschine unkontrolliert nach oben gestiegen? Haben Messinstrumente falsche Daten geliefert? Täglich gibt es neue Informationen vom Absturz von Flug QZ8501. Nicht immer passen sie zusammen. Mehr

21.01.2015, 12:16 Uhr | Gesellschaft
Indonesien Flugschreiber von AirAsia-Flugzeug geborgen

Taucher der indonesischen Marine haben einen Flugschreiber der abgestürzten AirAsia-Maschine geborgen. Die Ermittler hoffen nun auf Hinweise, warum das Flugzeug Ende Dezember ins Meer stürzte. Mehr

12.01.2015, 07:22 Uhr | Gesellschaft
Absturz der Air-Asia-Maschine Keine Hinweise auf Anschlag

Die Air-Asia-Maschine, die Ende vergangenen Jahres vor der Küste Indonesiens abstürzte, wurde nicht Ziel eines Anschlags. Das gaben die Ermittler nach Auswertung des Stimmrekorders bekannt. Mehr

19.01.2015, 12:04 Uhr | Gesellschaft
Amerika Kleinflugzeug stürzt in Wohnhaus

Im Westen der Vereinigten Staaten ist ein Flugzeug abgestürzt. Die Maschine stürzte in Gaithersburg (Bundesstaat Maryland) auf ein Wohnhaus. Drei Besatzungsmitglieder und drei Anwohner kamen ums Leben Mehr

09.12.2014, 07:55 Uhr | Gesellschaft
Zwischen Sumatra und Borneo Flugschreiber der AirAsia-Maschine geborgen

Taucher der indonesischen Marine haben einen Flugschreiber der abgestürzten AirAsia-Maschine geborgen. Die Ermittler hoffen nun auf Hinweise, warum das Flugzeug Ende Dezember ins Meer stürzte. Mehr

12.01.2015, 08:16 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.12.2012, 15:02 Uhr

Vorwürfe gegen Bill Cosby Jay Leno schlägt sich auf die Seite der Opfer

Entertainer Jay Leno wirbt für mehr Opfer-Verständnis, die Frau von Patrick Dempsey reicht die Scheidung ein und Königin Elisabeth ist nun die älteste Monarchin der Welt – der Smalltalk. Mehr 6

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden