Home
http://www.faz.net/-gup-74qq3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Feuer in Behindertenwerkstatt „Eine tiefe Trostlosigkeit im Herzen“

14 Menschen sind bei einem Brand in einem Behindertenheim in Titisee-Neustadt umgekommen. An der Trauerfeier fünf Tage nach dem Unglück nahmen auch Bundespräsident Gauck und Ministerpräsident Kretschmann teil.

© dpa Vergrößern Auf Halbmast geflaggt: Fünf Tage nach dem verheerenden Brand in einem Behindertenheim wurde in einer Trauerfeier, an der mehr als 1000 Menschen teilnahmen, der Getöteten gedacht.

Fünf Tage nach dem Feuerdrama in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald ist mit einer Trauerfeier den Toten gedacht worden. An einem ökumenischen Gottesdienst im katholischen Münster St. Jakobus in Titisee-Neustadt nahm auch Bundespräsident Joachim Gauck, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) teil.

„Wir können nicht so recht fassen, was sich da in den Räumen der Caritas-Werkstätte abspielte. Wir können nicht begreifen, was geschehen ist“, sagte Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch in seiner Predigt. „Wir sind alle im Schockzustand. Der Schmerz und die Trauer vereinen uns“, sagte der katholische Pfarrer Johannes Herrmann.

Zollitsch leitete gemeinsam mit Badens evangelischem Landesbischof Ulrich Fischer den Gottesdienst. „Wir spüren schmerzlich eine tiefe Trostlosigkeit im Herzen. Sorgen quälen uns“, sagte Fischer.

„Mit dem Schmerz nicht alleine lassen“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat den Hinterbliebenen weitere Unterstützung zugesichert. „Wir dürfen und werden Menschen, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, nicht alleine lassen“, sagte Kretschmann.

Laut Ermittlern hat ein Gasofen den Brand in Titisee-Neustadt ausgelöst, bei dem am Montag 14 Menschen getötet worden waren. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters Vergrößern Feuer in Behindertenwerkstatt: Gasofen löste Brandkatastrophe aus

„Wir werden sie in ihrer Trauer und ihrem Schmerz nicht alleine lassen“, fügte der Ministerpräsident hinzu. Dies gelte für die behinderten Menschen und ihre Betreuer, für Angehörige und die Rettungskräfte. Ganz Deutschland trauere mit ihnen und werde weiter solidarisch sein. „Begreifen können wir das alles nicht“, sagte Kretschmann. „Aber wir können hoffen, glauben, beten und einander beistehen.“

Hilfe für Behinderte müsse weiter einen hohen Stellenwert haben und dürfe angesichts der Feuertragödie vom Montag mit 14 Toten und 14 Verletzten nicht infrage gestellt werden. „Es sind Menschen, deren unsere besonders Fürsorgepflicht gilt. Unser Mitgefühl und unsere Hilfe muss und wird über den Tag hinausgehen“, sagte Kretschmann.

„Die Welt bewohnbarer und schöner machen“

Bundespräsident Gauck sagte nach dem Ende der Trauerfeier: „„Es ist ein schwerer Weg, den wir zu beschreiten haben. Wir sollten ihn gemeinsam gehen“. Er spüre nach dem Brand mit 14 Toten eine große Solidarität und einen Zusammenhalt. Als Staatsoberhaupt sei er dankbar dafür. Er empfinde dies als Segen und als Stärke. „Es ist eine Kraft, die uns in der Trauer trägt.“

Zudem betonte Gauck die Bedeutung von Behinderteneinrichtungen. Sie seien ein wichtiges Netzwerk für bedürfte Menschen und ein Signal für die Gesellschaft. „Jeder von uns sollte sich fragen, wie er die Welt bewohnbarer und schöner machen kann.“

Ihm sei es wichtig gewesen, nach den schrecklichen Ereignissen persönlich Trost zu spenden, sagte Gauck. Der Bundespräsident hatte sich in der öffentlichen Trauerfeier nicht geäußert. Er hatte auf ein persönliches Gespräch mit Betroffenen ohne Kameras und Mikrofone nach Abschluss des Gottesdienstes Wert gelegt.

Mehr zum Thema

Bei dem Feuer waren 14 Menschen gestorben. 14 weitere Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern waren überwiegend Behinderte. Eine Gasverpuffung hatte den Brand ausgelöst.

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Länderfinanzausgleich Söder will Bundesländer unter Finanzaufsicht stellen

Wie viel Geld müssen die reichen Bundesländer für die armen zahlen? Der Streit wird heftiger. Bayerns Finanzminister Söder fordert mehr Aufsicht über verschuldete Bundesländer - ähnlich wie in der Eurozone. Mehr

17.08.2014, 10:55 Uhr | Wirtschaft
Kampagne in Washington Polizei fühlt sich von Twitter behindert

Nach Amokläufen oder Anschlägen gibt es in den sozialen Netzwerken schnell viele Informationen. Für Ermittler kann das zum Problem werden. Deshalb richtet sich die Polizei von Washington mit einer Bitte an die Bevölkerung: Erst nachdenken, dann twittern. Mehr

15.08.2014, 17:45 Uhr | Gesellschaft
Russland Tod in Moskau

In Russland versterben todkranke Patienten unter unvorstellbaren Qualen. Lindernde Schmerzmittel werden als Drogen kriminalisiert. Eine Erfahrungsgeschichte. Mehr

12.08.2014, 06:51 Uhr | Feuilleton

Shakira Als Diebin entlarvt

Immer Ärger mit der Musik: Shakira soll in einem ihrer Lieder abgekupfert haben und Taylor Swifts neues Video soll Vorurteile gegen Schwarze schüren – der Smalltalk. Mehr 9

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden