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Aktualisiert: 16.02.2016, 18:08 Uhr

Zugunglück von Bad Aibling Staatsanwalt ermittelt gegen Fahrdienstleiter

Das Zugunglück in Bad Aibling ist durch menschliches Versagen verursacht worden. Gegen den Fahrdienstleiter wird ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Bei dem Zusammenprall zweier Regionalzüge waren vor einer Woche elf Menschen gestorben.

von , Bad AIbling
© dpa Ein Wagen des verunglückten Zuges ist auch eine Woche nach dem Unglück noch nicht abtransportiert worden.

Was schon am Abend der Katastrophe vermutet worden war, hat sich am Dienstag bewahrheitet: Der Zusammenstoß der beiden Züge bei Bad Aibling in Oberbayern vor einer Woche geht auf menschliches Versagen zurück. Polizei und Staatsanwaltschaft gaben in Bad Aibling bekannt, gegen den Fahrdienstleiter werde wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.

Rüdiger Köhn Folgen:

Der 39 Jahre alte Mann hat demnach am Montag in Vernehmungen gestanden, er habe ein Sondersignal gegeben, das zu dem Unglück führte. Bei dem Frontalzusammenstoß waren elf Fahrgäste ums Leben gekommen, mehr als 80 wurden zum Teil schwer verletzt. Schon am Montag hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mitgeteilt, die Ermittler hätten kein technisches Versagen an den automatischen Zugbeeinflussungssystemen und an den Fahrzeugen festgestellt.

„Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen“, sagte der Traunsteiner Oberstaatsanwalt Jürgen Branz in Bad Aibling. „Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen“, fügte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese hinzu.Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Zug, der von Holzkirchen Richtung Rosenheim fuhr, drei bis vier Minuten Verspätung. Vor der eingleisigen Strecke bekam er nach Auskunft der Ermittler ein Sondersignal aus dem Stellwerk am Bahnhof Bad Aibling, das ihm die Einfahrt in diesen Abschnitt ermöglichte.

Der Fahrdienstleiter wollte die Aussage zunächst verweigern

Oberstaatsanwalt Branz sagte: „Es gab ein Sondersignal, das es nicht hätte geben dürfen.“ Das Sondersignal bestehe aus drei leuchtenden weißen Punkten, die einem Lokomotivführer anzeigten, das er das Signal passieren dürfe, auch wenn es auf Rot steht.

Für gewöhnlich sorgen technische Vorrichtungen und Signale dafür, dass hier immer nur ein Zug einfahren darf. Da der Zug in der Gegenrichtung aber auf demselben Gleis unterwegs war, kam es zu dem Zusammenstoß. Unter den Toten waren auch die beiden Lokomotivführer.

© reuters Zugunglück in Bad Aibling: Staatsanwalt macht Fahrdienstleiter verantwortlich

Der Fahrdienstleiter hatte sich nach Angaben der Ermittler zunächst auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen. Schließlich schilderte er dann doch im Beisein zweier Verteidiger, was sich am frühen Morgen des 9. Februar ereignete, knapp zwei Stunden, nachdem er seinen Dienst angetreten hatte.

Alkohol oder Drogen waren nicht im Spiel

Die Ermittler halten es für unwahrscheinlich, dass der verheiratete Mann den Zusammenstoß absichtlich herbeiführte. „Es gibt keine Hinweise auf irgendeine Vorsatztat“, sagte der Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp. Der Mann sei auch nicht betrunken gewesen und habe nach bisherigem Wissen nicht unter dem Einfluss von Drogen oder Medikamenten gestanden.

Die erste Atemalkoholprobe sei ihm noch am Abend nach der Katastrophe von der Bahnpolizei abgenommen worden und habe einen Wert von 0,0 ergeben. Der Mann habe seine Ausbildung 1997 abgeschlossen, sei mithin seit fast 20 Jahren im Dienst.

Infografik / Karte / Zugunglück in Oberbayern © dpa Vergrößern

Untersuchungshaft wurde nicht angeordnet. „Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt“, sagte Giese. Es gehe um eine fahrlässige Tat und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Der Fahrdienstleiter, dem es nach Angaben der Ermittler schlecht geht, wurde in Absprache mit den Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht.

„Bilder sind nur schwer zu verkraften“

Als der Mann seinen Fehler bemerkte, habe er einen Notruf an die Lokomotivführer abgesetzt. „Aber der ging ins Leere“, sagte Oberstaatsanwalt Branz. Auch nach der Aussage des Fahrdienstleiters gehen die Ermittlungen weiter. „Wir sind bis heute dabei, ein riesiges Puzzle zusammenzusetzen. Dann klären wir: Wo stehen wir, wo steht der Beschuldigte?“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Giese. Für Samstag ist eine Simulationsfahrt zweier Züge auf der Strecke geplant. Die Ermittler versprechen sich davon wertvolle Erkenntnisse. Der Zusammenstoß soll aber nicht nachgestellt werden.

Die Wiederherstellung der stark beschädigten Bahnstrecke dauert derweil an. Auf einer Länge von bis zu 120 Metern müssen Schienen und Schwellen teils erneuert werden. Es ist noch nicht klar, wann die Unglücksstrecke wieder freigegeben werden kann. Erst dann können die Unglücksfahrten simuliert werden.

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Die Meridian-Züge zwischen Holzkirchen und Rosenheim, die am 9. Februar nahe dem Kurort Bad Aibling zusammenstießen, werden privat von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) betrieben, einer Tochter der französischen Transdev mit deutschem Sitz in Berlin. Die Infrastruktur wie Gleise und Signalanlagen stellt die Deutsche Bahn.

Auch wenn das Unglück irgendwann aufgeklärt ist, wird es Ermittler und Helfer, unter ihnen viele Ehrenamtliche, noch lange beschäftigen. Polizeipräsident Kopp sagte am Dienstag: „Die Bilder in den Köpfen meiner Kolleginnen und Kollegen sind nur schwer zu verkraften.“

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