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Suche nach Überlebenden : Mexiko dankt seinen neuen Helden

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Erschöpft nach stundenlangem Einsatz: Bei ihrer Suche nach Überlebenden bringen sich die Helfer in Mexiko-Stadt oft selbst in Gefahr. Bild: Reuters

In Mexiko-Stadt suchen die Rettungskräfte in den Trümmern unermüdlich nach Überlebenden – und hören 24 Stunden nach dem Beben tatsächlich ein Lebenszeichen. Doch ihre Suche ist ein Wettlauf gegen die Zeit und sehr gefährlich.

          Für die Helfer in Mexiko zählt jede Sekunde: Nach dem schweren Erdbeben in Mexiko werden noch immer zahlreiche Menschen unter den Trümmern vermutet. Viele können nur tot geborgen werden, immer wieder werden aber auch Überlebende gerettet. So gelang es den Suchenden, einen Mann 24 Stunden nach dem Beben aus einem teilweise eingestürzten Gebäude in Mexiko-Stadt zu befreien.

          Vor einem anderen eingestürzten Gebäude hält ein Helfer ein Pappschild mit dem Wort „Ruhe“ hoch. Er und die anderen Rettungskräfte wollen es nicht verpassen, sollte sich ein Überlebender durch Klopfgeräusche in den Trümmern bemerkbar machen. Die Bergungseinheit konnte unter anderem Kontakt zu einem verschütteten Mädchen aufnehmen, seit Stunden versucht man, sie zu retten. Nachricht vom Erfolg gab es noch nicht. Aber wie lange kann man so etwas als Opfer überhaupt überstehen?

          „Es ist erstaunlich, wie viel Menschen aushalten können“

          „Das ist abhängig von der Witterung und von der Trümmerstruktur, von den Hohlräumen, in denen sich die noch Lebenden befinden“, sagt dazu Daniela Lesmann, die Leiterin der Hilfsorganisation I.S.A.R. (Abkürzung für International Search-and-Rescue; ausgesprochen „Isar“) in Duisburg, die auf die Rettung Verschütteter – gerade von Erdbebenopfern – spezialisiert ist.

          Grob gilt demnach „72 Stunden plus minus einige Stunden“. „Es ist sehr erstaunlich, wie viel Menschen aushalten können. Ohne zu essen kann man einige Tage überleben. Ohne Wasser wird es nach 72 Stunden, je nach Witterung, sehr sehr schwierig.“ In Mexiko-Stadt werden am Donnerstag Temperaturen bis 24 Grad und gegen Abend Regenschauer erwartet. Das macht es auch für die Helfer immer schwerer ihre unermüdliche Suche fortzusetzen. Ihr Einsatz macht sie aber schon jetzt zu Mexikos neuen Helden.

          Nach Erdbeben : Verzweifelte Suche nach Überlebenden in Mexiko

          Bei der Suche nach Verschütteten arbeite man mit Tieren, erläutert Expertin Lesmann. Rettungshunde weisen auf Überlebende hin. Danach werde mit Klopfzeichen die genaue Lage der Verschütteten näher eingekreist. „Und dann ist es wichtig, dass ich als Opfer mich auf diese Klopfzeichen hin bemerkbar mache. Wir haben technische Geräte, die den Schall so verstärken, dass schon kleinste Geräusche, etwa auch das Kratzen mit dem Fingernagel über den Beton, hörbar sind. Kleinste Laute, die man dann noch von sich geben kann, können helfen.“

          Dann werde vorsichtig ein Loch gebuddelt. Als Opfer müsse man sich dann so ruhig wie möglich verhalten, was natürlich enorm schwer sei.

          Die Organisation I.S.A.R. Germany wurde 2003 in Duisburg gegründet. In ihr sind Spezialisten verschiedener Hilfsorganisationen und aus dem Bundesverband Rettungshunde zusammengeschlossen.

          Mindestens 50 Gebäude sind bei dem Beben der Stärke 7,1 in Mexiko-Stadt in sich zusammengebrochen, und alle helfen, wo sie können. Menschen tragen Wassercontainer, Ärzte behandeln auf den Straßen, richten gebrochene Knochen und versorgen blutende Wunden. Auf den Tragen liegen viele Menschen, Pappe über dem Kopf schützt sie notdürftig vor der Sonne. An vielen Orten der Stadt warten die Menschen darauf, von ihren vermissten Angehörigen zu hören. Viele umarmen sich, trösten sich.

          Erdbeben in Mexiko : Mädchen in eingestürzter Schule eingeschlossen

          Für die Angehörigen sind es bange Stunden der Ungewissheit. „Niemand kann sich meinen Schmerz vorstellen“, sagte Adriana Fargo, während sie hilflos den Bergungsbemühungen zuschaute. Seit dem Einsturz hat sie keine Nachricht mehr von ihrer siebenjährigen Tochter.

          Die Zahl der Opfer könnte weiter steigen

          Auch Präsident Enrique Peña Nieto verfolgte vor Ort die Bergungsversuche. Er warnte, dass die Zahl der Opfer weiter steigen könnte. Bislang gab es 230 Opfer. Unterdessen wurde erste Kritik an der Bauweise der Schule, in der mindestens 21 Schüler und fünf Lehrer starben. Ihr fehle ein besonderer Bebenschutz, hieß es. Allein in Mexiko-Stadt ordneten die Behörden die Prüfung von 600 Gebäuden an, die bei dem Beben Schäden davongetragen haben. Aus zahlreichen Ländern, darunter auch Deutschland, wurden Helfer geschickt.

          Deshalb fällt auch für knapp 14 Millionen Schüler in Mexiko vorerst der Unterricht aus. Das teilte Bildungsminister Aurelio Nuño am Mittwoch bei Twitter mit Blick auf notwendige Untersuchungen auf mögliche Schäden mit – mehrere Schulen wurden schwer beschädigt. „Die Sicherheit der Kinder, Jugendlichen und Lehrer hat Priorität“, betonte der Minister. In insgesamt neun Bundesstaaten sowie in der Hauptstadt Mexiko-Stadt sei der Schulunterricht daher vorerst ausgesetzt worden, sagte Nuño.

          Bild: F.A.Z.-Karte

          Quelle: jant./dpa/AFP

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