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Erdbeben in Mexiko : Diese Sedimente wackeln wie ein Pudding

  • -Aktualisiert am

Rettungseinsatz in Mexiko Bild: GUZMAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Das Erdbeben in Mexiko hat trotz verschärfter Bauvorschriften verheerende Auswirkungen. Denn Mexiko-Stadt steht auf einem wackeligen Fundament. Und den Menschen blieben nur 15 Sekunden, um ihre Häuser zu verlassen.

          Das Erdbeben in Mexiko vom Dienstag, bei dem allein in Mexiko-Stadt und in den benachbarten Bundesstaaten Morelos und Puebla mehr als 200 Menschen ums Leben kamen, traf das Land nicht unvorbereitet. Anfang September richtete ein Beben der Magnitude 8,2 entlang der Pazifikküste Mexikos am Golf von Tehuantepec ebenfalls schwere Schäden an. Und das Beben vom Dienstag ereignete sich auf den Tag genau 32 Jahre nach der schwersten Erdbebenkatastrophe, die Mexiko seit der Ankunft spanischer Eroberer erlebt hatte. Am 19. September 1985 kamen in Mexiko-Stadt mehr als 10.000 Menschen ums Leben, als ein Beben der Magnitude 8,1 die Pazifikküste im westlich der Hauptstadt gelegenen Bundesstaat Michoacan erschütterte. Die seismischen Wellen dieses Erdbebens waren damals so stark, dass viele Hochhäuser, aber auch Brücken und andere Bauwerke in der Hauptstadt zusammenstürzten und Tausende Menschen unter den Trümmern begraben wurden.

          Die mexikanische Regierung nahm die Katastrophe damals zum Anlass, die Bauvorschriften im ganzen Land erheblich zu verschärfen und ihre Einhaltung durchzusetzen. Gleichzeitig begannen mexikanische Wissenschaftler mit dem Aufbau eines Erdbebenfrühwarnsystems. Dieses Netz ist seit 1991 in Betrieb. Zunächst gab es Warnmeldungen nur für den Einzugsbereich der Hauptstadt heraus, mittlerweile wurde das Netz Sasmex aber auf viele weitere Landesteile ausgedehnt. Es funktionierte auch am Dienstag und gab der Bevölkerung von Mexiko-Stadt etwa 15 Sekunden Zeit, bevor die zerstörerischen seismischen Wellen die Stadt erreichten.

          Starkes Erdbeben : Staubwolken über Mexikostadt

          Auf den Aufzeichnungen der Überwachungskameras an der Plaza de la Constitución, dem vom Nationalpalast und der Metropolitan-Kathedrale umsäumten Zócalo-Platz mitten in Mexiko-Stadt, sieht man Hunderte von Menschen, die nach dem Ertönen des Sirenensignals aus den umliegenden Häusern und Geschäften auf den Platz laufen. Wenige Sekunden später zeigen die Kameras, wie Erdbebenwellen den Zócalo erschüttern.

          Die Hauptstadt liegt in einem fast kreisrunden Becken

          Trotz der verschärften Bauvorschriften führen Beben immer wieder zu erheblichen Zerstörungen in Mexiko-Stadt. Das liegt am geologischen Umfeld. Die mexikanische Hauptstadt liegt auf mehr als 2200 Metern Höhe in einem fast kreisrunden Becken, das rundum von Höhenzügen mit mehr als 3000 Metern Höhe umgeben ist. Dieses Becken war über Jahrtausende mit einem flachen See gefüllt. Die Azteken gründeten auf einer Insel in diesem Lago de Texcoco im Jahr 1325 die Hauptstadt ihres damaligen Reiches, Tenochitlan. Nach der Eroberung des Aztekenreiches durch Hernán Cortés im Jahr 1521 begannen die Spanier damit, den See allmählich trockenzulegen. Obwohl es ihnen gelang, das Wasser weitgehend ablaufen zu lassen, blieb eine mit Wasser getränkte dicke Sedimentschicht zurück. Auf dieser Baugrundlage wächst die Millionenstadt auch heute noch.

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          Werden diese weichen und nassen Sedimente aber von Erdbebenwellen durchgeschüttelt, verlieren sie ihre Stabilität. Die Sedimente beginnen wie ein Pudding zu wackeln und verstärken dabei oft die Amplituden der Erdbebenwellen. Beide Effekte zusammen führen oft zum Einsturz von Gebäuden mit flacher Gründung. Die meisten älteren Gebäude in Mexiko-Stadt gehören aber in diese Kategorie und stürzen deshalb bei seismischen Erschütterungen leicht zusammen. Die schlechte Baugrundlage ist auch der Grund dafür, dass es in Mexiko-Stadt zu erheblichen Schäden kommt, wenn die Erde in Hunderten Kilometern Entfernung an der mexikanischen Pazifikküste bebt.

          Dutzende Häuser zerstört : Zahlreiche Tote nach Erdbeben in Mexiko

          Das Beben vom Dienstag lag aber nicht an der Küste, sondern in einer Gegend in Zentralmexiko, in der sich sonst nur ganz selten Erdstöße ereignen. Es fand in einer Tiefe von etwa 60 Kilometern statt. In den ersten zwölf Stunden nach dem Hauptbeben gab es in der Gegend so gut wie keine spürbaren Nachbeben. Dagegen halten selbst knapp zwei Wochen nach dem Beben der Stärke 8,2 im Golf von Tehuantepec dort die Nachbeben noch immer an.

          Auf der Erdbebenkarte des Nationalen Seismischen Dienstes von Mexiko erscheint deshalb die Region an der Küste von Oaxaca als dicker Fleck mit vielen Punkten, die jeweils das Epizentrum eines Beben anzeigen. In der Gegend südlich der Stadt Puebla, in der das Epizentrum des Beben vom Dienstag lag, gab es dagegen zunächst nur einen einzigen Punkt auf der Karte, später gab es nur vereinzelte schwache Nachbeben. Das ist nach Meinung vieler Seismologen sehr ungewöhnlich, denn normalerweise kommt es nach jedem schweren Beben zu Hunderten von Nachbeben.

          Quelle: F.A.Z.

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