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Brände in Kalifornien : „Mutter Natur entscheidet, wann wir löschen können“

  • -Aktualisiert am

Raub der Flammen: Vergeblich versuchen Feuerwehrleute in Ventura, Häuser vor den Bränden zu schützen. Bild: AP

Schon wieder brennen Wald und Wiesen in Kalifornien. Fast 30.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Starker Wind behindert die Löscharbeiten.

          Nach den verheerenden Flächenbränden, die im Norden Kaliforniens vor zwei Monaten 44 Menschen töteten und fast 9000 Häuser zerstörten, wird der amerikanische Bundesstaat nun schon wieder vom Feuer heimgesucht. Bis Mittwochmorgen verwandelte das „Thomas Fire“ im Bezirk Ventura nordwestlich von Los Angeles mehr als 220 Quadratkilometer Canyons und Hügel in verkohltes Terrain. Fast 30.000 Menschen verließen ihre Häuser, um sich vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Wegen Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern in der Stunde konnten die Löschflugzeuge stundenlang nicht aufsteigen.

          Schon am Dienstagabend hatte das „Thomas Fire“, das am Montag etwa 45 Kilometer von der Küste entfernt ausgebrochen war, den Pazifik erreicht. „Die Chancen, das Feuer einzudämmen, stehen nicht gut. Mutter Natur entscheidet, wann wir löschen können“, sagte Mark Lorenzen, der Feuerwehrchef des Bezirks Ventura. Nach einem trockenen Sommer und drei niederschlagsarmen Monaten trieben die sogenannten Santa-Ana-Winde die Funken an die Küste. Auf dem Weg zum Pazifik nahmen die Winde durch die Canyons weiter Fahrt auf. „Das Feuer ist äußerst gefährlich und breitet sich schnell aus. Anwohner müssen sich bereithalten und Evakuierungsaufforderungen umgehend folgen“, mahnte der kalifornische Gouverneur Jerry Brown, der am Dienstag den Notstand ausrief.

          Obwohl mehr als 1100 Feuerwehrleute im Einsatz waren, brannten nach ersten Schätzungen einige Hundert Gebäude nieder. Schulen blieben vorerst geschlossen. Die Trinkwasserversorgung war nach Stromausfällen unterbrochen. Auch Hydranten wurden zeitweise von der Wasserversorgung abgeschnitten, als die Pumpen ausfielen.

          Neben dem Thomas-Feuer, das am Montagabend unter bislang ungeklärten Umständen in der Nähe des Thomas-Aquinas-College in Santa Paula ausgebrochen war, breiteten sich in Südkalifornien weitere Brände aus. Bei Sylmar im San Fernando Valley verbrachten Tausende Bewohner die Nacht zu Mittwoch in Notunterkünften. Insgesamt mussten während des „Creek Fire“ fast 150000 Menschen an den Ausläufern des Angeles National Forest ihre Häuser verlassen. Schulen und der Freeway 210 blieben geschlossen. Mindestens 30 Gebäude brannten nieder. Zwei Feuerwehrleute wurden verletzt. Wie der Nationale Wetterdienst meldete, werden die Fallwinde voraussichtlich erst am Donnerstag abnehmen.

          Ein Wohnhaus in Ventura steht vollständig in Flammen.
          Ein Wohnhaus in Ventura steht vollständig in Flammen. : Bild: dpa

          Auch in Santa Clarita im Bezirk Los Angeles rückten am Dienstag fast 500 Feuerwehrleute aus, um Flammen westlich des Freeway 5 zu löschen. Das „Rye Fire“ breitete sich dennoch innerhalb weniger Stunden auf mehr als 20 Quadratkilometern aus. Da der Brand auch die Stromversorgung kappte, blieb die Notrufnummer des Sheriffs stundenlang unerreichbar. Am Mittwochmorgen flogen zudem mehrere Löschhubschrauber in Los Angeles’ Stadtteil Brentwood, wo Einsatzkräfte ein etwa 4000 Quadratmeter großes Feuer am Mullholland Drive zu löschen versuchten. Einige Abschnitte der Autobahn Interstate 405, die meistbefahrene Straße der Vereinigten Staaten, wurden gesperrt.

          Für das Jahr 2017 zählte die kalifornische Wald- und Feuerschutzbehörde CalFire bislang mehr als 6700 Brände. Sie breiteten sich über eine Fläche von insgesamt 2200 Quadratkilometer aus. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres registrierte CalFire nur etwa 4700 Brände, die fast 970 Quadratkilometer heimsuchten. Meteorologen schreiben den Anstieg einem ungewöhnlich niederschlagsreichen Winter zu, der auf den Hügeln des Pazifikstaates üppige Vegetation begünstigte. Der heiße, trockene Sommer habe die Gräser und Büsche anschließend in Zunder verwandelt. Die Wald- und Feuerschutzbehörde verwies zudem auf mehr als 100 Millionen Bäume, die während der Dürre in Kalifornien in den Jahren 2012 bis 2017 und durch Borkenkäfer starben.

          Quelle: F.A.Z.

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