Home
http://www.faz.net/-gup-72tm0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

„Costa“-Unglück Eine Kette von Irrtümern und Mängeln

Chaos auf der „Costa Concordia“ vor dem Kentern: Fehler, Mängel, ungenügende Kommunikation und zu zögerliches Handeln an Bord sollen das Unglück begünstigt haben. Auch die Reederei steht in der Kritik.

© REUTERS Vergrößern Wer nun Schuld am Kentern der „Costa Concordia“ trägt, muss erst abschließend geklärt werden. Indes baden Touristen in der Sonne vor schauriger Kulisse.

Eine Kette von Unterlassungen, Irrtümern und Mängeln hat einem Bericht zufolge zum Kentern des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ geführt. Vor allem habe es an Bord sprachliche Verwirrung gegeben. So habe der indonesische Steuermann zweimal die Anweisungen des Kapitäns Francesco Schettino über die auszuführenden Manöver nicht verstanden. Das berichteten die Zeitung „La Repubblica“ und andere Medien am Donnerstag unter Berufung auf einen etwa 270 Seiten starken Gutachter-Bericht, der nicht offiziell veröffentlicht worden ist. Dieser werfe vor allem auch auf die Reederei Costa Crociere ein kritisches Licht, heißt es. Bei dem Unglück vor der italienischen Küste starben am 13. Januar 32 Menschen, unter ihnen 12 Deutsche.

Dass der Schiffbruch vor der toskanischen Insel Giglio so folgenschwer sein konnte, werde der „Repubblica“ zufolge auch auf verletzte Sicherheitsnormen und eine ungenügend vorbereitete Crew zurückgeführt. „Das hätte die Reederei Costa Crociere verhindern können und müssen“, schreibt die Zeitung. Der in der Unglücksnacht des 13. Januar diensthabende „Costa“-Krisenmanager Roberto Ferrarini, der über Funk in Kontakt mit der „Costa Concordia“ war, „scheint nicht wirklich die Hand am Puls der Gegebenheiten des Schiffes zu haben“, heiße es in dem Gutachten weiter.

Auch sei der Strom-Hilfsgenerator an Bord nicht eingesetzt worden. Das Gutachten verweise es so in den Bereich der Fabel, dass es nur um den schwer beschuldigten Kapitän gehe. Die Reederei dagegen hatte wiederholt den Kapitän allein für die Havarie verantwortlich gemacht, weil er für die Routenplanung zuständig sei und das Schiff eigenmächtig zu nahe an die Insel herangefahren habe.

Mehr zum Thema

Costa Crociere wies auch am Donnerstag in einer Mitteilung alle Vorwürfe als gegenstandslos zurück. Das Gutachten müsse offen diskutiert werden. Die Informationspflicht bei Unfällen obliege dem Kapitän. Aus den Akten gehe auch zweifelsfrei hervor, dass die Kommunikation durch den Kapitän an das Costa-Krisenmanagement „insgesamt nicht rechtzeitig, nicht vollständig und auf konfuse Art und Weise erfolgte, so dass der Ernst der Lage nicht eindeutig eingeschätzt werden konnte.“ Die Behauptung, die Mitarbeiter seien auf Notfälle nicht vorbereitet gewesen, entbehre jeder Grundlage.

Was sich aus der Analyse der Black Box ergeben habe, soll am 15. Oktober beim zweiten Beweissicherungstermin offiziell mitgeteilt werden. Dem Kapitän werden unter anderem Havarie und Verlassen des Schiffes noch während der Evakuierung zur Last gelegt. Das Schiff hatte einen Felsen gerammt und war dann mit 4200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord gekentert. Gegen mehrere Offiziere und Vertreter der Reederei, darunter Ferrarini, wird ermittelt. Der 290-Meter-Koloss wird gegenwärtig darauf vorbereitet, bis 2013 abgeschleppt zu werden.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flusskreuzfahrt in Burma Fast zu schön, um wahr zu sein

Luxus auf dem Wasser, Anmut an Land: eine Bootsfahrt auf dem Irrawaddy von Mandalay nach Bagan durch Herz und Seele Burmas. Mehr Von Freddy Langer

12.12.2014, 14:19 Uhr | Reise
Bergung geht in letzte Phase

Das im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio verunglückte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia wird seit Montag angehoben. Schwimmt der Koloss, soll er zum Abwracken nach Genua gebracht werden. Mehr

14.07.2014, 14:47 Uhr | Gesellschaft
Schiffsunglück in Afrika Offenbar mehr als 200 Vermisste

Auf einem der größten Seen Afrikas ist ein Schiff untergegangen. Die Behörden von Tansania befürchten viele Todesopfer. Mehr als 200 Menschen sollen vermisst werden. Mehr

15.12.2014, 05:25 Uhr | Gesellschaft
Costa Concordia auf dem Weg nach Genua

Unter Sirenengeheul wurde das geborgene Kreuzfahrtschiff vor Giglio verabschiedet. Nun soll das Wrack, das dreimal so lang ist wie ein Fußballfeld, am Sonntag in Genua ankommen und dort verschrottet werden. Mehr

23.07.2014, 14:18 Uhr | Gesellschaft
Gehalt als Motivationszulage Wie löchrig ist der Mindestlohn?

Ein Mann kämpft um seinen Job. Wegen des Mindestlohns droht er ihn zu verlieren. Viele andere Arbeitnehmer klagen bei den Gewerkschaften über Umgehungsversuche. Kommt eine Welle von Tricksereien gegen die neue Lohnuntergrenze? Mehr

14.12.2014, 11:15 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.09.2012, 15:45 Uhr

Fußballstar in Bronze Ronaldo errichtet sich eigenes Denkmal

Ronaldo verewigt sich in Bronze, Madonna veröffentlicht vorzeitig sechs Songs ihres neuen Albums und Schüler finden eine alte Flaschenpost von Kardinal Reinhard Marx – der Smalltalk. Mehr 5

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden