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Concorde-Prozess Fahrlässig, aber nicht schuldhaft

 ·  Ein französisches Berufungsgericht hat die Fluglinie Continental von der strafrechtlichen Verantwortung für die Concorde-Katastrophe freigesprochen. Bei dem Unglück waren vor zwölf Jahren 113 Menschen ums Leben gekommen.

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© dapd Vergrößern Noch während des Starts in Paris entzündete sich der Treibstofftank der Concorde.

Fahrlässigkeit, Schlamperei, Pflichtunterlassung - aber keine strafrechtliche Verurteilung. Das ist das Ergebnis des Berufungsprozesses nach dem Absturz der Concorde vor mehr als zwölf Jahren, bei dem nahe Paris 113 Menschen umkamen. Das Berufungsgericht von Versailles sprach die Fluggesellschaft Continental Airlines, zwei ihrer Mitarbeiter sowie einen früheren hohen Beamten der Flugbehörde DGAC von jeder strafrechtlichen Verantwortung frei. Zivilrechtlich wurde Continental dazu verurteilt, der Air France eine Million Euro Schadenersatz zu zahlen.

Das Gericht folgte in weiten Teilen der Einschätzung des erstinstanzlichen Gerichts, nach dem eine 40 Zentimeter lange Titan-Lamelle einer Continental-Maschine das Unglück verursacht hatte. Flugzeugmechaniker John Taylor hatte sie schlampig und regelwidrig an einer DC-10 von Continental angebracht. Das hatte am 25. Juli 2000 fatale Konsequenzen: Vier Minuten nachdem das Metallteil von der DC-10 abgefallen war, fuhr die startende Concorde darüber. Das Teil zerriss einen Reifen, die herumfliegenden Teile führten zur Explosion eines Kerosintanks. Zwei Minuten nach dem Start der schon brennenden Concorde stürzte die Maschine in ein Hotel. Unter den Todesopfern waren 97 Deutsche.

Das Gericht der ersten Instanz hatte Taylor vor zwei Jahren zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Diese Strafe hob das Berufungsgericht nun auf, denn dem Mechaniker seien die Risiken seiner Vorgehensweise nicht ausreichend bewusst gewesen. Er sowie sein direkter Vorgesetzter Stanley Ford hätten zwar nachlässig gearbeitet, doch daraus lasse sich weder für sie noch für den Arbeitgeber Continental eine strafrechtliche Schuld ableiten.

Harsche Kritik hatte das Gericht jedoch für die Behörden übrig, die für die Concorde verantwortlich waren. Es sei „inakzeptabel“ gewesen, dass der Concorde nicht das Zertifikat der Flugtauglichkeit entzogen worden sei. Dabei gab es genügend Warnungen: Zahlreiche Beinahe-Unfälle, angefangen bei einem Vorfall mit geplatzten Reifen 1979, hätten schwere Risiken aufgezeigt. Die Fluguntersuchungsbehörde BEA forderte aber so gut wie keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen.

Auch politischen Druck habe es gegeben, denn die Concorde war für Frankreich und Großbritannien, die beiden Hersteller-Nationen, ein Prestigeprojekt. Doch mit den Jahren erwies sich die Maschine als wirtschaftlicher Misserfolg. Ihre Unterhaltung wurde immer teurer. Aus „rein finanziellen Gründen“ wurde die Ausrüstung mit stärkeren Reifen aufgegeben, meint das Gericht. Auch die einst geplante Verstärkung der Kerosintanks wurde nie realisiert. „Die Maschine hätte nie fliegen dürfen. Doch die französischen Politiker waren zu stolz, sich das einzugestehen“, sagte der Verteidiger von Continental, Oliver Metzner.

Die Kritik traf auch den bei der DGAC für die Sicherheit zuständigen Beamten Claude Frantzen. Der 75 Jahre alte Franzose handelte nach Ansicht des Berufungsgerichts zwischen 1979 und 1994 mehrfach nachlässig, indem er die Sicherheitsbedenken beiseite schob. Der Staatsanwalt hatte zwar eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten gefordert, doch auch hier reichte es nicht für eine strafrechtliche Schuld. Selbst wenn Frantzen den Entzug der Flugtauglichkeits-Lizenz gefordert hätte, sei es nicht bewiesen, dass die Generaldirektion seiner Behörde ihm gefolgt wäre.

Die Aufarbeitung des Concorde-Absturzes ist noch nicht beendet. In einem abgetrennten Verfahren wird das Berufungsgericht Anfang kommenden Jahres über den Concorde-Chefingenieur Jacques Herubel urteilen.

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