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China : Erdbeben in Sichuan lässt böse Erinnerungen wach werden

Ein Bus wurde von einem durch das Erdbeben gelösten Felsbrocken getroffen. Bild: AFP

2008 richtete ein Erdbeben in Sichuan verheerende Schäden an. Schuld war auch menschliches Versagen. Das aktuelle Beben erinnert daran. Ein Fall für Pekings Propagandabehörde.

          In der südwestchinesischen Provinz Sichuan lässt ein starkes Erdbeben Straßen verschütten und Häuser einstürzen, die eine bisher unbekannte Zahl von Menschen unter sich begraben: Was sich am gestrigen Dienstagabend in China ereignet hat, lässt Erinnerungen wach werden an das Jahr 2008 – unter anderem bei Pekings Propagandabehörde.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          „Die Verwendung von Fotos oder Videos, die zu einer Panik führen könnten, ist verboten“, hieß es in einem Rundschreiben der Zensoren an Chinas Medien vom Dienstag, das auf der amerikanischen Seite „China Digital Times“ veröffentlicht wurde. Die Journalisten sollten auf „Änderungen in der im Internet veröffentlichten Meinung“ achten und „unverzüglich gefährliche Informationen löschen“.

          Das Erdbeben 2008 galt als Tiefpunkt der Ein-Parteien-Landschaft

          Schätzungsweise 70.000 Menschen wurden vor neun Jahren durch das Erdbeben der Stärke 8,0 in Sichuan getötet. Hunderttausende Menschen wurden damals verletzt, Millionen obdachlos; die chinesische Wirtschaft nahm einen Schaden von geschätzt weit über 100 Milliarden Dollar. Weil viele Häuser und Schulen wegen der mangelnden Kontrolle korrupter Beamter instabil gebaut worden waren und die Kommunistische Partei die Zahl der Todesopfer geheim zu halten versuchte, löste die nicht nur durch die Natur, sondern auch durch menschliches Versagen verursachte Katastrophe fast eine Staatskrise aus.

          Bis heute gilt vielen Chinesen das Erdbeben von Sichuan als Tiefpunkt der autokratischen Ein-Parteien-Herrschaft in ihrem Land, deren Nachteile im Mai 2008 so sichtbar zutage traten wie seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens knapp zwanzig Jahre zuvor nicht mehr.

          Mindestens 19 Menschen starben, 247 wurden verletzt

          Das ist der Hintergrund für die große Aufmerksamkeit, die dem Erdbeben in dem Kreis Jiuzhaigou in Sichuan in der chinesischen Öffentlichkeit zu Teil wird. Am Dienstag um 21.19 Uhr erschütterte das Beben von der Stärke 7,0 die abgelegene Bergregion. Bis zum Mittwochabend chinesischer Zeit zählte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, die als einzige unter den chinesischen Medien Statistiken über Opfer aufstellen darf, 19 Tote, darunter acht Touristen, zwei Ortsansässige und neun noch nicht identifizierte Menschen. Die Zahl der Verletzten wurde mit 247 angegeben. Die Provinzregierung teilte mit, dass 45.000 Touristen aus dem Erbebengebiet evakuiert worden seien, das nahe eines beliebten Naturschutzgebietes liegt.

          Suche nach Überlebenden : Bis zu hundert Tote bei Erdbeben in China befürchtet

          Am Mittwoch traf ein zweites Erdbeben von der Stärke 6,6 auch noch die autonome nordwestliche chinesische Provinz Xinjiang, die etwa zweitausend Kilometer vom Gebiet des ersten Erdbebens in Sichuan entfernt liegt. Chinas staatliche Medien bezifferten die Zahl der Verletzten dort vorläufig auf 32.

          In Sichuan geht die nationale chinesische Katastrophenschutzbehörde von vielen weiteren Toten aus. In ersten Berichten nach dem Beben war von geschätzt mehr als 100 Todesopfern die Rede. Mehr als 130.000 Häuser sollen zerstört oder beschädigt worden sein, so die Schätzung der Behörde. Chinas Präsident Xi Jinping rief dazu auf, die Rettungsarbeiten schnell voranzutreiben. Betroffene Bewohner des Gebiets berichteten allerdings gegenüber ausländischen Nachrichtenagenturen, dass nur den Touristen geholfen würde. Dem widersprach Chinas Staatsfernsehen in seinen Abendnachrichten. Dort hieß es, alle Bewohner würden „angemessen versorgt“.

          Quelle: F.A.Z.

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