Sechs Grubenunglücke in fünf Tagen haben in China mindestens 108 Bergleute das Leben gekostet. Zuletzt kam es am Mittwoch morgen in einem Kohlebergwerk nahe der Stadt Wuwei (Provinz Gansu) in Nordwestchina zu einer Gasexplosion. Elf Kumpel sind ums Leben gekommen, 27 Verschüttete konnten lebend geborgen werden, berichtete ein Sprecher der Werkschutzbehörde der Provinz.
Bei einer weiteren Explosion in einem Bergwerk nahe Leping in der Provinz Shanxi sind schon am vergangenen Wochenende mindestens sieben Bergleute ums Leben gekommen. Verantwortliche der illegal betriebenen Lianying-Grube hatten die Leichen von vier getöteten Arbeitern zunächst vor den Behörden versteckt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Ein Besitzer sei festgenommen worden, vier weitere seien geflüchtet. Bergungstrupps suchten weiter nach mindestens zwei vermißten Arbeitern, heißt es. Doch sei unklar, wie viele Kumpel zum Zeitpunkt der Explosion überhaupt unter Tage waren.
Viele tödliche Unfälle werden nicht gemeldet
Die Arbeit im Bergbau ist nirgendwo so gefährlich wie in China. Im vergangenen Jahr kamen nach offiziellen Angaben 6000 Bergleute ums Leben, doch dürften viele tödliche Unfälle gar nicht erst den Behörden gemeldet werden. Ursachen sind meist rückständige Ausrüstung, mangelnde Aufsicht, schlechte Sicherheitsvorkehrungen, Korruption und Vetternwirtschaft (siehe auch: China zahlt einen hohen Preis für seine Kohle).
Die Behörden sind sich der Probleme durchaus bewußt. Mit positiver Berichterstattung versuchen sie, ein günstigeres Bild in der Öffentlichkeit zu erzeugen. Doch auch diese Versuche können scheitern. So wurden in der Provinz Shanxi laut der Hongkonger Zeitung „Ming Pao“ in weniger als hundert Tagen achtzig Reporter verhaftet - allerdings nicht, weil sie Unliebsames berichtet hätten, sondern weil sie nichts berichteten und sich dafür bezahlen ließen. Shanxi habe wegen seiner vielen Grubenunglücke nicht bloß zahlreiche reguläre Reporterteams angezogen (siebzig allein kamen im vergangenen Jahr hierher, um zu berichten), sondern auch immer mehr Pseudoberichterstatter, die in der gebeutelten Provinz Geld dafür nehmen, daß sie nichts über die Zustände in den Bergwerken verlauten lassen. Manche geben sich mit einer Tankfüllung zufrieden, andere verlangen mehrere tausend Yuan (mehrere hundert Euro) für ihr Schweigen. Die Verwaltung der Stadt Luliang versuche nun, schreibt das Blatt, mit einer Spezialeinheit der falschen Presse auf die Spur zu kommen.