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Veröffentlicht: 17.03.2017, 10:03 Uhr

Anzeige gegen 30 Autofahrer Feuerwehr auf Weg zu Unfallstelle blockiert und beschimpft

Die Feuerwehr in Hessen spricht von „einer neuen Dimension“: Zweimal sind Rettungskräfte nach Unfällen am Mittwoch von Autofahrern gestört worden, die einfach selbst durch die Rettungsgasse fahren wollten. Als die Helfer zu Fuß loshetzten, wurden sie beschimpft.

© dpa So sollte es sein: Rettungsgasse nach einem Unfall bei Hannover 2016.

Die Feuerwehr Mörfelden will gegen 30 Autofahrer Anzeige erstatten, die einen Einsatz auf der A5 bei Weiterstadt am Mittwoch gestört haben sollen. Die Helfer waren ausgerückt, weil ein Arbeiter aus Baden-Württemberg bei einem Sturz von einem Baugerüst schwer verletzt worden war. Der 49-Jährige war auf einem gesperrten Abschnitt der Autobahn fünf Meter in die Tiefe auf die Fahrbahn gefallen, wie das Polizeipräsidium Südhessen mitteilte. Für die Landung des Rettungshubschraubers, der den Verletzten in eine Klinik flog, wurde die Autobahn in Fahrtrichtung Süden vorübergehend voll gesperrt. Die Einsatzfahrzeuge kamen der Polizei zufolge mit Verzögerung zum Unfallort, weil Autofahrer im Stau keine Rettungsgasse gebildet hatten.

Laut einem Bericht der „Hessenschau“  wurde am Anfang aber durchaus eine Rettungsgasse gebildet: Ein Polizeiwagen führte demnach zwei Rettungswagen durch den Stau, die Autofahrer fuhren wie verlangt nach links und rechts. Dann reihten sich hinter den Rettungsfahrzeugen aber ein paar ganz normale Autofahrer ein – um schneller durch den Stau zu kommen. Als drei Großfahrzeuge der Feuerwehr Mörfelden und ein Notarztwagen zum Unfallort wollten, war die Rettungsgasse verstopft.

„Das hätte Menschenleben gekostet“

Theo Herrmann von der Feuerwehr Mörfelden sagte der „Hessenschau“: „Für die ersten zwei Kilometer haben wir über 20 Minuten gebraucht. Dann ging gar nichts mehr. Da haben wir die Fahrzeuge abgestellt, unsere Sani-Rucksäcke geschnappt und sind die letzten 800 Meter, mit Uniform und Helm, zu Fuß gegangen", sagt Herrmann. Zur „Bild“-Zeitung sagte er: „Unvorstellbar, was passiert wäre, wenn das ein Verkehrsunfall mit eingeklemmten Verletzten gewesen wäre. Die Werkzeuge zur Befreiung kann man nicht einen Kilometer weit tragen. Das hätte Menschenleben gekostet.“

Unterwegs habe man die Autofahrer auf ihren Fehler hingewiesen – und sei ausgelacht und angepöbelt worden. „Die haben mich gefragt, was ich mir einbilden würde, wer ich überhaupt sei, und ich soll nicht so einen Zirkus machen“, sagte Herrmann. Er habe so etwas in 46 Jahren bei der Feuerwehr noch nicht erlebt. „Das ist eine neue Dimension.“ Deswegen habe man von rund 30 besonders dreisten Autofahrern Fotos gemacht, und werde sie anzeigen.

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Auch die Mainzer Feuerwehr beschwerte sich nach einem Unfall am Donnerstagabend über Autofahrer: Bei einem Auffahrunfall auf der Autobahn 643 waren im Feierabendverkehr zwei Menschen schwer verletzt worden. Die Feuerwehr kritisierte die mangelnde Bereitschaft einiger Autofahrer, eine Rettungsgasse zu bilden. So sei ihr berichtet worden, dass sich ein Autofahrer auch in diesem Fall hinter ein Abschleppfahrzeug gesetzt habe, um schneller voranzukommen. Erst vor wenigen Wochen mussten Polizei und Rettungsdienste nach einem Unfall auf der Autobahn 7 bei Kassel zwei Kilometer zu Fuß gehen, weil die Autofahrer keine Rettungsgasse gebildet hatten

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