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Bangladesch Kik-Kleidung bis 2013 in eingestürzter Fabrik produziert

 ·  In der in Bangladesch eingestürzten Fabrik ist bis Anfang des Jahres noch Kleidung für den Textildiscounter Kik gefertigt worden. Das gab das Unternehmen jetzt bekannt. Indes ist die Zahl der Todesopfer auf über 800 gestiegen.

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© AP Vergrößern Fast vollständig abgetragen: Die Bergungsarbeiten sollen in wenigen Tagen zum Ende kommen.

Der deutsche Textildiscounter Kik hat den Bezug von Kleidung aus der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch bis kurz vor der Katastrophe eingeräumt. Nach neuen Medienberichten über Funde von Kik-Kleidung in den Fabriktrümmern erklärte die Handelskette, dass ein Importeur des Unternehmens bis Anfang des Jahres dort produziert habe. „Die Textilfunde stammen aus dieser Zeit“, erklärte das Unternehmen am Mittwoch zu einem Bericht des NDR-Magazins „Panorama“. Das hätten Nachforschungen ergeben.

Das Magazin hatte in einem Beitrag das Foto einer Bluse aus der aktuellen Verona-Pooth-Kollektion des Unternehmens gezeigt. Kik blieb allerdings bei seiner Darstellung, die Firma habe seit 2008 keine direkten Geschäftsbeziehungen zu der Produktionsstätte gehabt. Der Importeur habe dort noch 2013 Kleidung für Kik herstellen lassen. Zum Zeitpunkt des Unglücks seien keine neuen Aufträge über den Kik-Lieferanten platziert gewesen, hieß es in der Mitteilung. Das Unternehmen mit Sitz im westfälischen Bönen appellierte an alle Beteiligten, an einem Strang zu ziehen und verbindliche Kontrollmechanismen festzulegen.

Bislang mehr als 800 Leichen geborgen

Zwei Wochen nach dem Unglück haben die Einsatzkräfte den riesigen Trümmerberg fast abgetragen. 804 Leichen haben sie bislang unter dem Geröll gefunden. „Das Rettungsteam wird hoffentlich in zwei bis drei Tagen den ganzen Schutt vom Grundstück geräumt haben“, sagte Major Hassan Suhrawardy am Mittwoch. Er überwacht die Arbeiten. Soldaten, Feuerwehrleute und Freiwillige suchen mit Spürhunden, Kameras, Kränen und Baggern nach Leichen.

Bangladeschs Behörden ließen derweil 18 gefährdete Fabriken schließen, den Großteil davon in der Hauptstadt Dhaka. Weitere Produktionsstätten müssten den Betrieb einstellen, wenn sie als riskant eingestuft würden, sagte Textilminister Abdul Latif Siddiqui. Zuvor war ein Ausschuss gegründet worden, der binnen drei Monaten der Regierung Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitsstandards in den Textilfabriken des Landes präsentieren soll.

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© AP Vergrößern Warten auf die nächsten Opfer: Gestapelte Särge nahe der Fabrik.

Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftszweig des Niedriglohnlandes, sie macht 79 Prozent der Exporteinnahmen aus. Nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes am 24. April geriet Bangladesch zunehmend unter Druck, internationale Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz zu erfüllen. Die Regierung kündigte unter anderem an, 200 Fabrikinspektoren einzustellen, die Sicherheit von Gebäuden zu überprüfen und gefährdete Fabriken umzusiedeln.

Der Verband der Textilproduzenten und -exporteure verteilte am Mittwoch nach eigenen Angaben Entschädigungen an Überlebende. Auch Hinterbliebene sollten entschädigt werden, sagte ein Verbandsvertreter. Fast 2500 Menschen waren verletzt worden, als das achtstöckige Haus nahe Dhaka einstürzt war.

Die Eigentümer des Gebäudes sowie die Besitzer mehrerer Fabriken, die dort untergebracht waren, hat die Polizei bereits festgenommen. Kurz vor der Katastrophe war das Gebäude evakuiert worden, da größere Risse in den Wänden entdeckt worden waren. Am Unglückstag aber zwangen die Fabrikanten Berichten zufolge ihre Beschäftigten zurück an ihre Arbeitsplätze.

Erst im November kamen 112 Arbeiter bei einem Feuer in einer Fabrik bei Dhaka ums Leben. 64 Menschen starben, als im Jahr 2005 eine Fabrik in Savar einstürzte. Mindestens 22 Menschen wurden getötet, als 2006 ein Haus in Dhaka zusammenbrach.

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