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Verschollene Flugzeuge Ein silbernes Armband nach 44 Jahren

Seit dem 8. März fehlt jede Spur von Flug MH370. Schon in der Vergangenheit verschwanden Flugzeuge. Manche von ihnen wurden erst viel später als Wracks gefunden. Ein Blick zurück.

© AFP Vergrößern Satellitenbild kurz vor dem Absturz des Air-France-Flugs 447

Etliche der bislang verschollenen Maschinen stammen aus einer Zeit, in der Signale und Überwachungsmöglichkeiten noch weniger ausgereift waren.

Die Flugpionierin Amelia Earhart kehrte von ihrem Versuch, die Welt am Äquator zu umfliegen, nie zurück. Am 2. Juli 1937 hob sie in Lae in Neuguinea ab, während des Flugs brach der Funkkontakt ab. Eine umfangreiche Suchaktion blieb erfolglos. Im Jahr 2012 wurde abermals eine Suche nach dem Wrack des Flugzeugs gestartet, die aber nach nur fünf Tagen wieder eingestellt wurde. Die sensible Elektronik der Roboter und Echolote war immer wieder ausgefallen. Anlass zur Suche hatte eine alte Fotografie gegeben, auf der man Teile des Flugzeugs zu erkennen glaubte.

- © AFP Vergrößern Amelia Earhart im Cockpit ihres Flugzeugs, das Bild datiert aus dem Jahr 1930.

Nie aufgetaucht ist auch der Flieger, mit dem der Jazzmusiker Glenn Miller am 15. Dezember 1944 von Bedford in Großbritannien nach Paris unterwegs war, wo er vor Soldaten auftreten wollte. Es gibt etliche Theorien zu seinem Tod, es ist noch nicht einmal sicher, ob Miller tatsächlich bei einem Flugzeugabsturz starb. Sollte er doch abgestürzt sein, was viele Fachleute glauben, könnte es an vereisten Tragflächen gelegen haben. Möglich ist auch, dass seine Maschine von übrig gebliebenen Bomben getroffen wurde, die britische Jagdflieger aus Sicherheitsgründen über dem Ärmelkanal abwerfen wollten.

Im gleichen Jahr, aber ein paar Monate früher, schoss ein deutscher Jagdflieger den französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery in seinem Flugzeug ab. Was genau geschah, blieb fast ein halbes Jahrhundert ungelöst. Erst 44 Jahre später entdeckte ein Fischer vor Marseille Saint-Exuperys Armband in einem seiner Netze, die Geschichte glaubten dem Mann aber nur wenige. Ein Unterwasserforscher machte sich dennoch auf die Suche und fand im Jahr 2000 tatsächlich das Wrack des Fliegers in der Nähe der Fundstelle des Armbands. Wieder fünf Jahre später meldete sich ein ehemaliger deutscher Jagdpilot. Er habe am vermuteten Tag des Absturzes eine derartige Maschine vom Himmel geholt.

Infografik / Karte / Acht verschollene Flugzeuge, die für Aufsehen sorgten

 Eine der spektakulärsten Geschichten trug sich im Oktober 1972 in den Anden zu. Eine Maschine, die Rugby-Mannschaft, Betreuer und Angehörige an Bord hatte, war in einen Sturm geraten. Der Pilot dachte, er habe die Berge bereits hinter sich gelassen und begann mit dem Sinkflug, der Flieger stürzte ab. Nach 69 Tagen in der Eis- und Schneewüste der Hochanden wurden 15 Überlebende gerettet. Ernährt hatten sie sich vom Fleisch ihrer toten Kameraden. 29 Personen waren gestorben. Die außergewöhnliche Geschichte sorgte für viel Aufregung und wurde sogar verfilmt.

Zu den Flugzeugen, die nie wieder auftauchten, gehört eine Maschine der Angola Airlines. Der Fall aus dem Mai 2003 bietet allerhand Möglichkeiten für Verschwörungstheorien. Damals hob eine Boeing 727-323 vom Flughafen der angolanischen Hauptstadt Luanda ab. Zwei Unbekannte waren an Bord gelangt, hatten den Transponder abgeschaltet, der als Antwortgerät für die Radarerkennung dient und hatten den Flieger gestartet. Geheimdienste vermuteten eine Verwicklung in den Waffen- oder Drogenhandel und schlossen auch terroristische Hintergründe nicht aus. Der letzten Funkkontakt bestand zum Flughafen der Seychellen, wo die Maschine aber nie landete. Ein Absturz des Flugzeugs wird für möglich gehalten. Was geschah, weiß aber niemand.

FRANCE-BRAZIL-AVIATION-ACCIDENT-AIRBUS-AIRFRANCE © AFP Vergrößern Der Flugschreiber der Air-France-Maschine 477 wurde erst knapp zwei Jahre nach dem Absturz geborgen.

Zehn Tage lang war eine Boeing 737 der Adam Air im Januar 2007 spurlos verschwunden. Am Neujahrstag war das Flugzeug losgeflogen. Am 11. Januar fand ein Fischer bei Pare-Pare auf der indonesischen Insel Sulawesi ein zwei Meter großes Teil des Leitwerks, auf dem die Registrierung des Flugzeugs zuerkennen war. Bereits kurz davor hatten Marineboote ein großes rundes Metallobjekt ausgemacht, es aber nicht identifizieren können, da es in 1700 Metern Tiefe lag. Vor dem Absturz hatte der Pilot wegen des schlechten Wetters zwei Mal den Kurs geändert, aber kein Notsignal abgeschickt. An Bord des Fliegers waren 102 Menschen.

Ein Unglück ähnlicher Größenordnung ereignete sich im Juni 2009. Die Air-France-Maschine 447 war mit 228 Menschen an Bord von Rio des Janeiro aus Richtung Paris gestartet. Etwa drei Stunden nach dem Start riss der Funkkontakt ab, weniger später verschwand das Flugzeug vom Radar. In Paris hatten die wartenden Angehörigen zunächst eine Verspätung erwartet, da das Flugzeug nicht pünktlich landete. Dann erst erfuhren sie von Mitarbeitern der Fluglinie, dass der Airbus verschollen war. Über die Ursache für das Verschwinden wurde lange spekuliert, Aufklärung brachte der Flugschreiber, der erst knapp zwei Jahre nach dem Absturz in 4000 Metern Tiefe gefunden wurde: Ein Pilotenfehler war offenbar schuld an dem Unglück.

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Quelle: FAZ.NET

 
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