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„Irma“ wütet vor dem Festland : „95 Prozent der Insel sind zerstört“

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Ein Mann in der Dominikanischen Republik beginnt mit dem Wiederaufbau seines Hauses. Bild: AP

„Irma“ setzt ihren zerstörerischen Weg durch die Karibik fort. Während das Ausmaß der Schäden auf vielen Inseln noch immer unklar ist, wappnet sich das Festland. Schon jetzt sind Hunderttausende betroffen.

          Der Hurrikan „Irma“ ist über mehrere Karibikinseln hinweggefegt. Am Samstag soll der Wirbelsturm auf den amerikanischen Bundesstaat Florida treffen. Doch bevor „Irma“ das amerikanische Festland erreicht, treffen die Behörden entsprechende Vorsorge. Der Gouverneur des Bundesstaates Georgia hat die Evakuierungsanordnung für potentiell betroffene Küstengebiete ausgeweitet. Zuvor war bereits in Florida die Evakuierung mehrerer Regionen angeordnet worden. Das betrifft mehrere hunderttausend Einwohner und Urlauber, unter anderem in Fort Lauderdale und Umgebung, sowie auf der an der Südspitze des Bundesstaates gelegenen Inselkette Florida Keys.

          Die Spuren der Verwüstung, die „Irma“ in der Karibik hinterlassen hat, sind enorm. So wurden die Schäden auf den Inseln Barbuda, Anguilla und Saint-Martin als katastrophal beschrieben. Einige Gegenden gelten als unbewohnbar. „Mindestens 95 Prozent der Gebäude in Barbuda wurden beschädigt. 60 Prozent der Bevölkerung sind obdachlos“, sagte der Premierminister von Antigua und Barbuda, Gaston Browne.

          Tropensturm „Irma“: Zur Ansicht der Prognose starten Sie das Video unten links, oder klicken Sie unten auf die Zeitleiste. Per Klick auf die Karte sehen Sie die örtliche Windstärke.

          Wie viele Menschen ums Leben kamen, blieb zunächst unklar. Frankreichs Premierminister Edouard Philippe sagte am Donnerstag, im Überseegebiet Saint-Martin seien vier Tote gefunden worden. Er betonte, die Bilanz sei noch unsicher. Innenminister Gérard Collomb hatte zuvor von acht Toten gesprochen. „Es ist eine große Katastrophe. 95 Prozent der Insel sind zerstört“, sagte der Präsident des Territorialrats von Saint-Martin, Daniel Gibbs, im Radiosender RCI.

          Enge Zusammenarbeit bei Rettungsmaßnahmen

          Im britischen Überseegebiet Anguilla und auf Barbuda kamen zwei Menschen ums Leben. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich bestürzt über die Todesopfer und die Verwüstungen in der Karibik. Den Menschen und Regierungen der Gebiete sprach er sein Beileid aus.

          Nach dem Durchzug von „Irma“ begannen auf den Kleinen Antillen im Südosten der Karibik die Aufräumarbeiten. Vom französischen Übersee-Département Guadeloupe aus wurden 400 Gendarmen und 400 Feuerwehrleute in das Gebiet geschickt. Zwei Fregatten, zwei Aufklärungsflugzeuge, Transportflugzeuge und Helikopter sind im Einsatz.

          Auf der Karibikinsel St. Martin wurden reihenweise die Dächer von den Häusern gerissen. Bilderstrecke
          Auf der Karibikinsel St. Martin wurden reihenweise die Dächer von den Häusern gerissen. :

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May vereinbarten eine enge Zusammenarbeit, um das Ausmaß der Zerstörung zu erfassen und die Rettungsmaßnahmen zu koordinieren. Die niederländische Regierung schickte zwei Marineschiffe mit Hilfsgütern zu der französisch-niederländischen Insel Saint-Martin. Außerdem sollten von der Karibikinsel Curacao aus Militärflugzeuge mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln starten.

          Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Sturms betroffen sein. Der Hurrikan passierte am Donnerstag die Dominikanische Republik sowie Haiti und sollte dann weiter Richtung Kuba, Bahamas und Florida ziehen.

          Rekord-Hurrikan : „Irma“ zerstört Karibik-Inseln– Florida verbarrikadiert sich

          „Irma“ ist einer der stärksten jemals in der Region registrierten Tropenstürme mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde. Der Hurrikan war am Mittwochmorgen auf der kleinen Karibikinsel Barbuda erstmals auf Land getroffen. Die Insel sei praktisch unbewohnbar geworden, sagte Premierminister Browne. „Die ganze Insel steht unter Wasser.“ Barbuda hat knapp 2000 Einwohner.

          Auch zahlreiche Karibikurlauber waren vom Hurrikan betroffen. In der Dominikanischen Republik brachten die Behörden rund 7500 Touristen in Sicherheit. In Kuba wurden rund 36 000 Urlauber von der besonders gefährdeten Nordküste an sicherere Orte gebracht, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

          „Irma“ verwüstet Saint-Martin : Helikopterflug über zerstörte Insel

          Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte, dass durch den Klimawandel verschärfte Wetterextreme immer mehr Menschen aus ihrer Heimat vertreiben könnten. „Die menschgemachte Klimaerhitzung verschärft die zerstörerische Kraft der tropischen Stürme“, sagte Klimaexperte Karsten Smid.

          Frankreichs Präsident Macron forderte bei einem Treffen mit dem griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos internationale Maßnahmen gegen die globale Erderwärmung. Er verwies dabei auf die schweren Schäden und die vielen Opfer in der Karibik durch den Hurrikan „Irma“. „Alle Entscheidungen, die wir von nun an auf der europäischen Ebene und internationaler Ebene treffen, müssen die globale Erwärmung bekämpfen“, sagte er.

          Mit Sorge blickten Hilfsorganisationen auf das bitterarme Haiti. Dort leiden die Menschen noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und Hurrikan „Matthew“ im vergangenen Jahr. Viele Haitianer leben in provisorischen Unterkünften und sind schlecht auf einen neuerlichen Tropensturm vorbereitet. „Wir erwarten schwere Schäden an der Nordküste“, sagte Georg Dörken von der Welthungerhilfe.

          Quelle: dpa/ AFP

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