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Alpinunfälle Mehr Helme, mehr Alkohol

Der Tod ist beim Wintersport kein unbekannter Gast: Diese Saison sind bislang 27 Menschen auf Österreichs Pisten ums Leben gekommen. Insgesamt geht die Zahl der tödlichen Skiunfälle aber zurück.

© Franziska Horn Vergrößern Wintersport macht Spaß, aber abseits der Piste ist Vorsicht geboten

Manchen mag ein Beinbruch oder eine Knieverletzung als sprichwörtlich natürliche Folge eines Skiurlaubs erscheinen. Dass sich immer wieder auch schwerste oder sogar tödliche Unfälle auf den Pisten ereignen, rückt dagegen nur selten ins Licht der Öffentlichkeit, etwa, wenn eine bekannte Persönlichkeit wie der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus darin verwickelt ist. Wie so oft ist die Wirklichkeit dem Erscheinungsbild geradezu entgegengesetzt. Die verletzungsanfälligste Sportart ist bei weitem nicht das Skilaufen; es rangiert klar hinter dem Fußball, zumal dem Feierabendfußball mäßig austrainierter Berufstätiger. Doch ist der Tod auf der Piste kein unbekannter Gast.

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Eine erhebliche Zunahme an tödlich verlaufenden Skiunfällen gegenüber dem Vorjahr haben jetzt die österreichischen Behörden verzeichnet. Waren 2012 bis zum Vergleichszeitpunkt 17 Personen auf österreichischen Pisten ums Leben gekommen, so sind es 2013 bislang 27; und dabei endet die Saison erst nach Ostern. Unter ihnen sind Menschen, die infolge eines Herz-Kreislauf-Versagens gestorben sind, doch die meisten der Opfer, nämlich 18, kamen infolge eines Sturzes oder Zusammenstoßes ums Leben. In früheren Jahren waren die meisten eher „Herz-Kreislauf-Tote“.

Das „Restrisiko“ beim Skifahren sei gering

Hans Ebner, Chef der österreichischen Alpinpolizei, glaubt dennoch nicht an eine neue Entwicklung, sondern an einen statistischen Zufall. Eher sei der vergangene Winter ein „Ausreißer nach unten“ gewesen, sagt Ebner. Im Jahr zuvor waren es nämlich ebenfalls 27 Tote. Die Polizei, die bei Unfällen stets als „Erhebungsorgan“ hinzugezogen wird, erstellt Jahr für Jahr genaue Statistiken über Verletzungen und Todesunfälle bei alpinen Sportarten, von denen der Skisport keineswegs der gefährlichste ist.

Jahr für Jahr gebe es im Alpinsport - vom Bergsteigen bis zum Paragliding - 300 bis 350 Tote in Österreich, sagt Ebner. Angesichts der Millionen, die jeden Tag auf die Hänge transportiert würden, sei das „Restrisiko“ beim Skifahren gering. Skiunfälle können auf ganz unterschiedliche Weisen tödlich enden, wie ein Blick auf einige Meldungen aus diesem Jahr zeigt. Mitte Januar fuhr ein 65Jahre alter Deutscher im Zillertal bei schlechter Sicht abseits der Piste im Tiefschnee und übersah dabei offenbar einen fünf Meter tiefen Geländeabfall, in den er stürzte. Am Kufstein stützte ein Mann auf einer steilen Piste und stieß tödlich mit einem anderen Skifahrer zusammen.

Zuletzt kam ein zwölfjähriger Junge aus Deutschland im Pinzgau ums Leben. Er kam offenbar von der Piste ab und prallte gegen einen Baum. In den beiden Fällen, die sich auf Pisten ereigneten, trugen die Verunglückten einen Helm. Trotz solcher tragischer Ereignisse gehen die Unfallzahlen langfristig, im Verhältnis zu den (steigenden) Beförderungszahlen an den Liften und Bahnen, zurück, wie aus Mitteilungen sowohl des deutschen als auch des österreichischen Skiverbandes hervorgeht.

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Auch das Einführen der taillierten „Carving“-Skier, die schnelleres Fahren erleichtern, habe nicht den befürchteten Effekt gehabt, dass die Verletzungszahlen zunähmen. Tatsächlich ist die österreichische Verletzungsstatistik, entgegengesetzt zu den Todeszahlen, dieses Jahr rückläufig. Einen möglichen Grund nennt Polizeioberst Ebner: „Die Frühsaison war relativ schneearm. Dadurch werden die Stürze härter, wenn einer von der Piste abkommt. Wenn viel Schnee liegt, fällt man eher weicher. Außer, wenn man gegen einen Baum fährt.“

Was dem Anschein nach zunimmt, ohne dass es dazu eine verlässliche Statistik gäbe, ist die Zahl von stark alkoholisierten Personen auf der Piste. Zuletzt beklagten sich Rettungsdienste, dass sie ständig dazu missbraucht würden, Betrunkene von der „Hüttn“ ins Tal zu schaffen, die kaum mehr stehen könnten, geschweige denn Skifahren. Auch ein Helm könne nicht absolute Sicherheit garantieren, sagt Ebner. „Vor Genickbruch schützt der natürlich auch nicht. Aber ich gehe schon davon aus, dass die gestiegene Helmmoral einen deutlichen Rückgang der Kopfverletzungen zur Folge hat.“

Es sei wie im Straßenverkehr, wo trotz Airbags und ABS immer noch tödliche Unfälle vorkämen. Aufmerksamkeit erregten sie nur noch, wenn es besonders viele oder junge Menschen treffe. „Sonst ist es Alltagsgeschäft. Und das ist beim Skifahren auch nicht anders.“ Was man den Skifahrern immer wieder auf den Weg geben müsse, sei, dass sie ihre Geschwindigkeit ihrem Fahrvermögen anpassen müssten. „Aber manche tun das halt nicht.“

Quelle: F.A.Z.

 
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