Home
http://www.faz.net/-gup-74m5j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

14 Tote in Behindertenwerkstatt Noch nach Stunden rauchte es

Beim Brand in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald sind 14 Menschen ums Leben gekommen. Das Feuer war offenbar in einem Lagerraum ausgebrochen. Dort soll es zu einer Explosion gekommen sein.

© dpa Vergrößern Großeinsatz der Feuerwehr in Titisee-Neustadt

Gegen 15.10 Uhr bekam der Bürgermeister von Titisee-Neustadt, Armin Hinterseh, eine alarmierende Nachricht: Im Gewerbegebiet des beliebten Wintersportortes im Schwarzwald, 30 Kilometer südöstlich von Freiburg gelegen, gebe es einen Großbrand. Das Gewerbegebiet liegt am Ortseingang von Neustadt.

Rüdiger Soldt Folgen:  

Hinterseh konnte da noch nicht ahnen, welche Katastrophe sich in seiner Gemeinde ereignet hatte. Um 15.40 Uhr gab dann der Sprecher der Freiburger Polizei, Marco Troll, eine schreckliche Nachricht bekannt: In einer Behindertenwerkstatt der Caritas seien durch einen Großbrand 14 Menschen ums Leben gekommen und zahlreiche weitere schwer verletzt worden.

© dpa, Reuters Vergrößern Titisee-Neustadt: 14 Tote bei Brand in Behindertenwerkstatt

Die Behindertenwerkstatt ist eine Zweigstelle der Freiburger Caritas-Werkstätten. 120 Menschen mit „geistiger oder mehrfacher Behinderung“ arbeiten dort jeden Wochentag in einem dreistöckigen modernen Flachbau. Die Behinderten bearbeiten Holz oder Metall, es gibt einen Bereich für Elektromontage und einen für Konfektionierung. Um 14 Uhr muss im Lagerraum ein Feuer ausgebrochen sein, das schnell auf den Dachstuhl des mit einer modernen Brandmeldeanlage ausgestatteten Gebäudes übergriff.

Viele Behinderte gerieten in Panik

In einem Lagerraum soll es zu einer Explosion gekommen sein. Möglicherweise wurden in dem Raum auch Chemikalien gelagert. Die Brandmeldeanlage löste bei der Leitstelle in Freiburg Alarm aus. Als die ersten Feuerwehrleute eintrafen, quoll dichter Rauch aus dem Dachstuhl, hilflose, panische Menschen standen an den Fenstern und schrieen um Hilfe. Polizei und Feuerwehr mussten Verstärkung anfordern. Bei Ausbruch des Feuers waren nach ersten Schätzungen etwa 50 Menschen in dem Gebäude. Die Feuerwehrleute konnten sich nur mit schweren Atemschutzgeräten Zugang in das Gebäude verschaffen. Mehrere Notärzte und Rettungsfahrzeuge sowie ein Hubschrauber waren im Einsatz.

Feuer in Behindertenwerkstatt © dpa Vergrößern Das Feuer wurde offenbar durch eine Explosion in einem Lagerraum ausgelöst

Auch Stunden nach Ausbruch des Feuers drang noch Rauch aus dem Gebäude. Viele Behinderte seien wegen der Flammen in Panik geraten. „Wir haben hier mit Menschen zu tun, die naturgemäß nicht rational reagieren“, sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Als Bürgermeister Armin Hinterseh im Gewerbegebeit Bildstöckle eintraf, bot sich ihm ein Bild des Grauens. „Wir können noch nicht viel sagen, es sind 14 Tote, die Brandursache ist unklar“, sagte ein Sprecher der Polizei dieser Zeitung. Um 16.45 Uhr schafften es die Feuerwehrleute, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Die Bergungsarbeiten in dem Gebäude seien abgeschlossen. „Das Gebäude ist leer, es gibt keine weiteren Toten“, sagte ein Polizeisprecher.

Kretschmann reist per Hubschrauber an

Das Unglück löste bundesweit Entsetzen und Trauer aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erkundigte sich laut Regierungssprecher Steffen Seibert bei dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), über die Katastrophe. „Sie ist tief erschüttert, sprachlos und fassungslos angesichts dieser schrecklichen Ereignisse“, sagte Kretschmann.

Er und Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) waren mit einem Hubschrauber zum Unglücksort geflogen, der rund 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau liegt. „Der Brand ist eine Katastrophe für die Betroffenen, für den Ort und ganz Baden-Württemberg, sagte Kretschmann. „Solche Schicksalsschläge sind schwer zu verkraften.“ Er dankte den Einsatzkräften, die so rasch zur Stelle gewesen seien.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck gedachte der Opfer. „Ich denke an die armen Menschen, die Opfer zu beklagen haben“, sagte Gauck am Montagabend in Duisburg zum Abschluss seines Antrittsbesuchs in Nordrhein-Westfalen. Er habe mit Kretschmann telefoniert und sein Beileid ausgedrückt.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Trebur/Usingen 550.000 Euro Schaden durch Scheunenbrände

Mehrere Scheunenbrände haben die Feuerwehr in Hessen beschäftigt. In Trebur brannte dasselbe Gebäude sogar zweimal. In Usingen mussten Anwohner ihre Häuser verlassen, weil die Flammen weitere Häuser zu erfassen drohten. Mehr

14.12.2014, 15:51 Uhr | Rhein-Main
Brandursache unbekannt Feuer tötet mindestens 18 Chinesen in Lebensmittelfabrik

Bei einem Brand in der chinesischen Stadt Shougaung sind mehrere Menschen getötet worden. In einer Lebensmittelfabrik, in der Karotten abgepackt wurden, war ein Feuer ausgebrochen. Die Brandursache ist noch unbekannt. Mehr

17.11.2014, 11:19 Uhr | Gesellschaft
Erstaufnahme in Gießen Drei Brände in einer Nacht in Flüchtlingsheim

Gleich mehrere Brände sorgen in der Nacht für Alarm in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Die Schäden halten sich aber in Grenzen. Das war schon einmal anders. Mehr

11.12.2014, 11:48 Uhr | Rhein-Main
Schwierige Suche nach Erdbeben-Opfern

Heftiger Regen behindert die Rettungsarbeiten nach dem schweren Erdbeben im Südwesten Chinas. Bei dem Beben in der Provinz Yunnan kamen hunderte Menschen ums Leben, mehr als 12.000 Häuser wurden beschädigt. Mehr

04.08.2014, 13:47 Uhr | Gesellschaft
Nach schwerem Lasterunfall Autobahn 7 bis mindestens Sonntagnacht gesperrt

Zum Start der Weihnachtsferien bleibt eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen in Deutschland bis mindestens Sonntagnacht komplett gesperrt. Nach einem Lasterunfall bei Göttingen verhindern aufwendige Bergungsarbeiten eine schnelle Räumung. Mehr

20.12.2014, 12:49 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.11.2012, 15:48 Uhr

Fußballstar in Bronze Ronaldo errichtet sich eigenes Denkmal

Ronaldo verewigt sich in Bronze, Madonna veröffentlicht vorzeitig sechs Songs ihres neuen Albums und Schüler finden eine alte Flaschenpost von Kardinal Reinhard Marx – der Smalltalk. Mehr 5

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden