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Zugunglück Zusammenstoß auf einem Gleis

16.06.2003 ·  Bei einem schweren Zugunglück in Baden-Württemberg kommen sechs Menschen ums Leben

Von Susanne Preuß
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STUTTGART. Bei einem schweren Zugunglück im Norden Baden-Württembergs sind am Mittwoch sechs Personen ums Leben gekommen. Zahlreiche Passagiere wurden verletzt. Das Unglück passierte, als zwei Regionalzüge um kurz nach 12 Uhr auf der eingleisigen Strecke Crailsheim-Bad Mergentheim frontal zusammenstießen. Unter den Toten sind die beiden Lokomotivführer, aber auch drei Kinder und eine Frau. Möglicherweise handele es sich um eine Familie aus Bayern. "Es gibt Andeutungen, daß familiäre Beziehungen bestehen", sagte der Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg, Erwin Hetger, am Mittwoch abend. 24 Passagiere seien leicht, eine Person sei schwer verletzt worden. Nach Bahnangaben werden die Züge üblicherweise von Schülern benutzt. In Baden-Württemberg sind derzeit noch Pfingstferien - wohl ein Grund dafür, daß nicht mehr Opfer zu beklagen sind.

An der Unglücksstelle nahe des Ortes Schrozberg war ein Großaufgebot von Rettungskräften von Feuerwehr, Polizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz. Während die verletzten Passagiere teils mit dem Rettungshubschrauber in umliegende Krankenhäuser transportiert worden seien, habe man einige Leichtverletzte neben den Schienen behandelt, sagte ein Sprecher. Mit Rettungshunden wurden die Wagen durchsucht, damit alle Verletzten gefunden werden konnten. Die Rettungsarbeiten waren am Nachmittag abgeschlossen. Die Bahn, die unmittelbar nach dem Unglück drei Vorstandsmitglieder an die Unfallstelle entsandt hatte, setzte auch ihren Psychologischen Dienst ein. Bahnchef Hartmut Mehdorn versprach, sein Unternehmen werde "schnelle und unbürokratische Hilfe und Betreuung leisten". Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) sagte, er sei "zutiefst erschüttert über das Unglück, das mehrere Menschen in den Tod gerissen hat". Das Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer. Der bayerische Sozialstaatssekretär Georg Schmid (CSU) flog am Nachmittag mit dem Hubschrauber nach Schrozberg, um sich ein Bild von der Unglücksstelle zu machen.

Als die beiden Züge zusammenstießen, entgleiste nach Angaben der Deutschen Bahn die Diesellokomotive des Regional-Express 19534. Einer der insgesamt vier angehängten Wagen dieses Zuges stürzte um. Der in Gegenrichtung fahrende Zug - der Regional-Express 19533 - stürzte die Böschung hinunter auf einen Feldweg. Bei diesem Zug handelte es sich um ein Triebfahrzeug der Bauart VT 628, bei dem der Fahrgastraum und der Führerstand in einem Wagen untergebracht sind. "Triebfahrzeuge sind ein gängiges Konzept im Regionalverkehr, das immer häufiger eingesetzt wird", sagte ein Sprecher des Eisenbahnbundesamts dazu. Sie hätten eine bessere Beschleunigung und ein höheres Bremsvermögen bei gleichzeitig geringerem Energieeinsatz, gleichgültig ob sie mit einem Dieselmotor oder elektrisch betrieben würden.

Über die Unglücksursache war zunächst nichts bekannt. Augenzeugen berichteten lediglich, die Schienen an der Unglücksstelle seien völlig verbogen. Spekulationen, ein Signal sei defekt gewesen, wurden von offizieller Seite nicht bestätigt. "Wir haben sofort von Karlsruhe aus ein Untersuchungsteam losgeschickt", sagte ein Sprecher des Eisenbahnbundesamts. "Aber schnelle Ergebnisse erwarten wir nicht." Solange die Spurensicherung nicht beendet sei, wolle man über Ursachen für den Zusammenprall nicht spekulieren. Bei der Unfallaufnahme und Beweissicherung werde das Eisenbahnbundesamt vom Bundesgrenzschutz unterstützt, der die Aufgaben der früheren Bahnpolizei übernommen habe. Die Untersuchung konzentriere sich zunächst auf die Fahrzeuge, den Schienenweg sowie die Arbeit der Bahn-Mitarbeiter. Auch bei der Bahn wurden zunächst keine Anhaltspunkte für die Unglücksursache genannt. Klar ist nur: Zwei Fahrdienstleiter hätten die beiden Züge auf der Strecke koordinieren sollen. "Einer saß in Schrozberg, einer in Niederstetten", sagte eine Bahn-Sprecherin. Doch als sich der Regionalexpress 19533 um 11.38 Uhr in Weikersheim in Bewegung setzte und fast zeitgleich der RE 19534 in Crailsheim losrollte, begann eine offenbar ungebremste Fahrt in den Tod. Die Strecke, auf der das Unglück sich ereignete, ist nicht elektrifiziert. Auf der eingleisigen Strecke verkehren die Züge im versetzten Stundentakt und können sich so normalerweise nicht auf freier Strecke begegnen. Ausweichstationen sind die jeweiligen Bahnhöfe. Bis auf weiteres ist die Strecke gesperrt. Die Deutsche Bahn hat einen Ersatzverkehr eingerichtet.

Quelle: sup., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2003, Nr. 134 / Seite 11
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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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