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Zugunglück in China Zusammenprall nach Blitzeinschlag

25.07.2011 ·  Bei einem Zugunglück auf einer Hochgeschwindigkeitstrasse in China kommen mindestens 36 Passagiere ums Leben. Ein Blitzeinschlag soll den verheerenden Stromausfall verursacht haben.

Von Till Fähnders, Peking
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Auf seine Hochgeschwindigkeitszüge war China lange besonders stolz. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern und mehr rasen sie durch das riesige Land. Der Beiname der superschnellen Züge lautet „Harmonie“. Doch seit sich die Stromausfälle, technischen Unterbrechungen und Verspätungen auf der erst kürzlich eröffneten Prestigestrecke zwischen den Metropolen Peking und Schanghai häufen, ist das ehrgeizige chinesische Eisenbahnprogramm in Verruf geraten. Nun hat auch noch ein schwerer Unfall das Land erschüttert. Wie das Bahnministerium in Peking am Montag mitteilte, habe es mindestens 36 Tote bei der Kollision von zwei Superschnellzügen am Samstag in der Nähe der Stadt Wenzhou in Ostchina gegeben, mindestens 192 Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden. Am Sonntag war noch von 43 Toten und mehr als 200 Verletzten die Rede gewesen. Nachträglich hatte das Ministerium die Zahlen nach unten korrigiert, offenbar waren zuvor einige geborgene Leichen doppelt gezählt worden. Der Unfall ereignete sich auf einer Strecke, die etwas älter ist als die Vorzeigeverbindung zwischen Peking und Schanghai.

Wie es heißt, löste ein Blitzeinschlag einen Stromausfall aus, worauf einer der Züge in dem Ort Shuangyu außerhalb von Wenzhou in der Provinz Zhejiang anhalten musste. Dann raste ein zweiter Schnellzug von hinten in die stehenden Wagen hinein. Der Fahrer soll nach Angaben eines Radiosenders im letzten Moment noch versucht haben, die Notbremse zu ziehen. Doch sechs Waggons entgleisten, zwei davon stürzten von den auf Betonpfeilern erhöhten Gleisen mehr als 20 Meter in die Tiefe. Viele der insgesamt rund 1400 Passagiere waren geschockt. „Der Zug rüttelte plötzlich heftig hin und her, so dass überall das Gepäck herunterfiel“, berichtete ein Mann der staatlichen Presse. „Die Passagiere riefen um Hilfe.“

Ein Knall wie ein Erdbeben

Eine Frau sagte, der Zug habe an einem Bahnhof 25 Minuten außerplanmäßig gestanden. „Nachdem er sich wieder bewegte, hörten wir einen Knall und es fühlte sich an wie ein Erdbeben. Ich zog sofort mein fünf Jahre altes Kind zu mir herüber.“ Sie habe aber nur blaue Flecken abbekommen, ihr Kind eine Verletzung am Kopf. Ein Mann berichtete, er habe nach dem Unglück etwa eine Stunde lang in einem Waggon festgesessen und sich dann mit anderen Passagieren durch ein zerschlagenes Fenster retten können. Ein älterer Mann, den sie aus dem Waggon gezogen hätten, sei allerdings kurz danach gestorben. Unter den Toten seien auch zwei Ausländer, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, ohne ihre Nationalität zu nennen.

Der Schnellzug mit der Nummer D3115, der wegen des Blitzeinschlags anhalten musste, war auf dem Weg von der Stadt Hangzhou ins südöstlich gelegene Fuzhou. Der zweite Zug mit der Nummer D301 fuhr von der Hauptstadt Peking ebenfalls in Richtung Fuzhou. Die von den erhöhten Gleisen gestürzten Waggons gehörten zu dem Zug D301. Fotos zeigten einen Waggon, der vom Boden zu den Gleisen hinaufragte. Ein weiterer lag zertrümmert am Boden. Ein Teil des Zuges, der noch auf den Gleisen stand, schien größtenteils zerquetscht zu sein. Mit Kränen und Schneidemaschinen versuchten Rettungskräfte, die Opfer aus den Trümmern zu bergen. Rund 600 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

„Ich habe solche Angst“

Über Handys riefen Zuginsassen in Mikroblogs um Hilfe. „Bitte helft mir! ... Hilfe! Hilfe!“, schrieb ein eingeschlossenes Opfer laut Xinhua. „Ich habe solche Angst.“ Wegen der hohen Zahl der Verletzten baten Krankenhäuser in Wenzhou um Blutspenden. Wie Xinhua ferner berichtete, sei in Gegenrichtung ein anderer Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke ebenfalls vom Blitz getroffen worden und habe anhalten müssen, ohne dass aber etwas passiert sei.

Nach dem Unfall fragen sich die Menschen in China, wie sicher das mit mehr als 8000 Kilometern auf der ganzen Welt größte Hochgeschwindigkeitsnetz ist, das bis 2015 zudem auf 16 000 Kilometer verdoppelt werden soll. Einige vermuten sogar, dass die Behörden die wahre Zahl der Toten vertuschen könnten. Der Unfall ist ein Schlag für die Technokraten in der Regierung, die Milliarden in den Ausbau steckt. Erst im Februar war der frühere Eisenbahnminister Liu Zhijun wegen Korruption entlassen worden. Es ging um Unterschlagung in Millionenhöhe im Zusammenhang mit der Strecke zwischen Peking und Schanghai. Auf der 1318 Kilometer langen Verbindung, mit der die Fahrtzeit zwischen den Metropolen auf vier Stunden und 48 Minuten etwa halbiert wird, häufen sich seit der Eröffnung im Juni die Probleme. Nach dem Unglück ordnete das Eisenbahnministerium nun eine landesweite Sicherheitsüberprüfung an. Doch dürfte es ein schwieriger Prozess werden, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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