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Waldbrände Hitze, Dürre, Feuer

19.07.2006 ·  Die Hitzewelle dieses Julis, fehlende Niederschläge und Saharawinde sind Idealbedingungen für die jährliche Waldbrandsaison auf der Iberischen Halbinsel. Brandursache ist jedoch zu neunzig Prozent menschliche Unachtsamkeit.

Von Leo Wieland, Madrid
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Auf der Iberischen Halbinsel hat wieder die Waldbrandsaison begonnen. Diesmal liegen die Hauptherde an der Atlantikküste nahe der Stadt Cadiz. In dem Touristenort Conil brach binnen acht Tagen nun schon zum vierten Mal ein Feuer aus. Tausendfünfhundert Ferienhäuser und ein Hotel mit siebenhundert Urlaubern mußten geräumt werden.

In zumindest drei Fällen gibt es Verdächtige. Ein 26 Jahre alter Mann wurde festgenommen, nachdem er zugegeben hatte, achtlos eine Zigarettenkippe aus dem Autofenster in das zundertrockene Gras am Straßenrand geworfen zu haben. Ein verdächtiger Brandstifter wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht. Nach zwei Jugendlichen mit einem Moped, die eines der übrigen Feuer gelegt haben sollen, wird noch gefahndet.

Brände nach der letztjährigen „Jahrhundertdürre“

Im ersten Halbjahr ist es in Spanien und Portugal bislang etwas glimpflicher abgegangen als in dem abermals verheerenden Vorjahr. Doch die Hitzewelle dieses Julis, die fehlenden Niederschläge, die Saharawinde, die vor wenigen Tagen mit Sand- und Staubwolken sogar den Himmel über der Hauptstadt Madrid verfinsterten, fügen sich zu einer kritischen Masse. War das Jahr 2005 zum Höhepunkt einer „Jahrhundertdürre“ erklärt worden, so verspricht 2006 nicht weniger heikel zu werden.

Die Pegelstände der Stauseen, vor allem im Zentrum und Süden des Landes, stiegen durch die geringen Mengen von Schnee oder Regen im Winter nicht merklich. Die Reservoire sind häufig nur zur Hälfte, mitunter sogar nur noch zu einem Drittel gefüllt. Die Behörden tun sich zugleich schwer mit wassersparenden Auflagen und Beschränkungen. Mit Rücksicht auf den gewinnbringenden Tourismus bleiben die Schwimmbäder gefüllt, die Parks bewässert und die Golfplätze grün.

150.000 Hektar verbrennen jedes Jahr

Jeder Jahr werden in Spanien etwa zwanzigtausend Waldbrände registriert. Im Durchschnitt verbrennen dabei rund hundertfünfzigtausend Hektar - mit steigender Tendenz. Die Schäden (Verluste für die Besitzer) und Kosten (für Löscharbeiten) belaufen sich dabei auf jeweils fast zwei Milliarden Euro.

In Portugal, wo sich auf kleinerer Fläche alljährlich ein ähnliches Desaster abspielt, waren in jüngster Zeit die Statistiken noch dramatischer. Die Iberische Halbinsel ist im Vergleich zu allen anderen Mittelmeeranrainern mit ähnlichen klimatischen und geographischen Bedingunge, ein Waldbrandunikum. In Frankreich, Italien oder Griechenland ist die Feuergefahr erheblich geringer.

Meist ist die Brandursache nicht natürlich

Die meisten Brände werden nicht durch „natürliche Ursachen“ (Blitzschlag, Sonneneinstrahlung auf Glasscherben) hervorgerufen. Bei neunzig Prozent, so versichern die spanischen Behörden, sei die „Hand des Menschen“ am Werk. Unachtsamkeit, Brandstiftung und vor allem Bauern, die Laub und Unkraut verbrennen, sind die wichtigsten Gründe.

Hinzu kommt die unsachgemäße Benutzung von Grillstätten in Naturschutzgebieten. Ein schlecht gelöschtes Barbecue führte im Vorjahr bei der Stadt Guadalajara zu einem Großbrand mit dreizehntausend Hektar vernichteten Waldes. Elf Feuerwehrleute kamen bei den Löscharbeiten ums Leben.

Siebzig Millionen Euro für Brandbekämpfung

Die spanische Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero hat daraufhin reagiert und für Prävention und Brandbekämpfung in diesem Jahr siebzig Millionen Euro bereitgestellt. Auch die autonomen Regionen haben versucht, durch verschärfte Vorschriften für Camper und die Benutzung von Motorfahrzeugen in Schutzgebieten die Gefahren zu verringern.

Auf lokaler Ebene hapert es aber weiterhin an den Mitteln und oft an dem politischen Willen, einschneidendere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Zwei Drittel des gesamten spanischen Territoriums sind inzwischen zu einer „Hochrisikozone“ für Waldbrände erklärt worden. Zumindest in Conil hat der Hochsommer mit Brandstiftern und Kippenschnipsern schon wieder die ersten Beweise geliefert.

Quelle: F.A.Z., 20.07.2006, Nr. 166 / Seite 7
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Jahrgang 1950, politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel, Marokko und Tunesien mit Sitz in Madrid.

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