08.05.2008 · Im Prozess zum Transrapid-Unglück vor dem Osnabrücker Landgericht hat der als Zeuge geladene Betriebsleiter Klaus-Peter S. die Aussage verweigert. Weil „vieles falsch verstanden werden könnte“, wolle er lieber schweigen.
Der stellvertretende Betriebsleiter der Transrapid-Teststrecke im Emsland hat als Zeuge vor dem Landgericht Osnabrück die Aussage zu dem schweren Unglück mit 23 Toten verweigert. Er würde zwar „gerne“ etwas sagen, betonte der 52-Jährige, der zum Zeitpunkt der Katastrophe vor knapp 20 Monaten diensthabender Betriebsleiter war. Weil jedoch „vieles falsch verstanden werden könnte“, wolle er lieber schweigen, sagte er.
Klaus-Peter S. soll am Unglückstag im Leitstand der Transrapid-Teststrecke mit dem ersten und zweiten Fahrdienstleiter in Streit geraten sein. Dieser Streit könnte eine Ursache für den Unfall gewesen sein. Bei dem Unglück am 22. September 2006 starben 23 Menschen, elf weitere wurden teils schwer verletzt.
Polizist: „keinen Anhaltspunkt für einen Streit“
Ein weiterer Mitarbeiter der Versuchsanlage im emsländischen Lathen, Detlef S., sagte am zweiten Verhandlungstag vor Gericht, er habe am Unglückstag nichts von einem Streit im Leitstand bemerkt. Der Mann soll sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Nebenraum des Leitstandes aufgehalten haben.
Ein als Zeuge geladener Polizist sagte, es habe bei den Ermittlungen vor eineinhalb Jahren „keinen Anhaltspunkt“ für einen Streit im Leitstand gegeben. Der Polizist berichtete jedoch von einem Unfall auf der Teststrecke vor dem tödlichen Unglück. Bei dem Zusammenstoß zweier Radfahrzeuge im Dezember 2004 sei allerdings nur Sachschaden entstanden.
Seit Dienstag müssen sich in dem Prozess die beiden Betriebsleiter Jörg M. und Günter S. wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verantworten. Der Hauptangeklagte, Fahrdienstleiter Günther M., der den Transrapid auf seine Todesfahrt schickte, steht derzeit nicht vor Gericht, weil er als selbstmordgefährdet gilt.