22.01.2007 · Seit 20 Uhr am Sonntagabend ist die Sperrung des Berliner Hauptbahnhofs wieder aufgehoben. Zu spät, um den Ärger der Kunden zu bremsen. Denn schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hatte die Bahn den neuen Prestigebahnhof wegen einer Sturmwarnung dicht gemacht.
Der Berliner Hauptbahnhof ist nach einer vorsorglichen Sperrung am Sonntagabend ab 20 Uhr wieder geöffnet. Das teilte die Deutsche Bahn mit. Der neue Prestige-Bahnhof war am Sonntag zum zweiten Mal binnen weniger Tage wegen eines drohenden Sturmes geräumt worden.
Etwa 1500 Reisende hielten sich zu diesem Zeitpunkt in dem Gebäude auf. Es wurde bis gegen 15.15 Uhr von Sicherheitskräften evakuiert. Im Zugverkehr muss den Bahnangaben zufolge nach Aufhebung der
fünfstündigen Sperrung am Sonntagabend weiterhin mit Beeinträchtigungen und Verspätungen gerechnet werden, da die Disposition von Mitarbeitern und Fahrzeugen einige Zeit erfordere. Der Berufsverkehr am Montagmorgen werde nach Fahrplan laufen.
Kritik am abermaligen Chaos
Die abermalige Räumung des Berliner Hauptbahnhofs hat bei vielen Reisenden am Sonntag zu massiver Verärgerung und Kritik an der Bahn geführt. „Es ist total unkoordiniert, keiner sagt, wie man sich verhalten soll“, erklärte ein Reisender gegenüber dem Fernsehsender Reuters TV. Das Unternehmen habe offenbar aus den Vorkommnissen in der Orkannacht nichts gelernt.
Bahn-Kunden irrten umher, wussten nicht wie sie an ihr im Bahnhof aufgegebenes Gepäck kommen sollten und versuchten, ihre weitere Reise zu organisieren. Bei Wind und Regen mussten sie das Gebäude verlassen und kamen nicht weiter.
Vorsichtshalber geschlossen
Nach den jüngsten Schäden am Hauptbahnhof habe man sich entschieden, den oberirdischen Teil des Bahnhofs ab Windstärke acht vorsichtshalber zu schließen, hatte die Bahn am Nachmittag mitgeteilt.
Der Orkan „Kyrill“ hatte in der Nacht zum Freitag einen acht Meter langer und zwei Tonnen schwerer Stahlträger aus der Fassade gelöst, der in den Eingangsbereich des erst vor acht Monaten eröffneten Bahnhofs gestürzt war. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Zwei weitere Träger hatten sich gelöst, waren aber nicht hinuntergefallen. Auch sie wurden inzwischen entfernt.
Träger nur aufgelegt wie lose Regalbretter
Dabei wurde bekannt, dass die mehr als 100 waagerechten Träger in der markanten Fassade nicht festgeschweißt sind, sondern aus architektonischen Gründen nur wie Regalbretter lose auf Verstrebungen liegen. Der Grund: Sie haben keine statische Funktion, sondern sind laut Deutscher Bahn nur Zierelemente. Auf Empfehlung eines Statikers will die Bahn die Träger nun aber doch mit winkelartigen Verstärkungen befestigen. Die Arbeiten dafür begannen noch am Wochenende.
Wer allerdings die Verantwortung für den Unfall trägt, bleibt unklar. Immerhin war der imposante Bau in Sichtweite des Bundeskanzleramtes und des Reichstages erst vor rund acht Monaten eröffnet worden. Außerdem ist das Prestigeobjekt der teuerste Bahnhofsneubau in Deutschland seit 1945 und wurde nach acht Jahren Bauzeit als Meisterleistung moderner Ingenieurbaukunst gelobt. Die Bundestagsfraktion der Grünen will über die Frage der Verantwortung auch im Verkehrsausschuss beraten.
Bahn: Neubau war ordnungsgemäß abgenommen
Einem Bericht des „Tagesspiegel am Sonntag“ zufolge soll der Deutschen Bahn ein Sicherheitsrisiko am Hauptbahnhof bereits in der Planungsphase bekannt gewesen sein. Das wies ein Bahnsprecher umgehend zurück. „Hinsichtlich der schwimmend gelagerten Träger in der Stahlkonstruktion gab es keinerlei Sicherheitsbedenken in der Planungsphase, im Genehmigungsverfahren bei der Baubehörde des Bezirks Mitte von Berlin, während der Bauausführung und bei der Abnahme der Bauleistung“, erklärte er. Die Bahn habe ein Bauwerk übernommen, bei dem sie davon ausgehen konnte, dass es nach allen Regeln der Technik geplant, genehmigt, gebaut und abgenommen wurde.
Auch der international tätige Star-Architekt Gerkan äußerte sich zurückhaltend. „Es ist gefährlich, schon jetzt Schuldzuweisungen von sich zu geben, bevor die Ursache sicher geklärt ist“, sagte der 72- Jährige, dem der Vorfall eigenen Angaben zufolge schlaflose Nächte bereitet hat. Er habe einen Prüfstatiker beauftragt, der sich bereits vor Ort einen Eindruck vom derzeitigen Bahnhof gemacht habe. „Wir müssen sehen, was nicht planmäßig ausgeführt wurde und für welche Veränderungen es vielleicht keine Genehmigungen gab“, sagte er.
„Es ist richtig, dass die Träger nur aufgelegt sind - aber das Stahlgerüst ist so konstruiert, dass sich die Träger eigentlich nicht bewegen können“, erklärte von Gerkan. „Wenn es aber richtig ist, sie zu verschweißen, dann ist das in Ordnung. Aber ich frage mich, ob man das nicht auch schon vorher hätte tun können.“
Die Bahn fur früher bei jedem Wetter, aber die neuesten Bahnhöfe werden schon be
joachim gottmann (jokieler)
- 21.01.2007, 17:07 Uhr
An Herrn Joachim Gottmann
Adrian Koss (curtisnewton)
- 21.01.2007, 19:11 Uhr
Schwache Leistung - von allen Beteiligten.
Gunter H. Rütter (ghruetter)
- 21.01.2007, 21:31 Uhr
Sturmwarnung in Berlin
Joerg' S (joerg51)
- 21.01.2007, 22:13 Uhr
Berliner Provinzposse? Nö!
Michael Klein (blackyeti)
- 22.01.2007, 10:17 Uhr