05.12.2009 · Bei der schwersten Brandkatastrophe in Russland seit Jahren sind in einem Nachtclub der Stadt Perm mindestens 111 Menschen ums Leben gekommen. Auslöser des Unglücks seien Feuerwerkskörper gewesen.
Mindestens 111 Menschen sind in der russischen Stadt Perm bei einer der schlimmsten Brandkatastrophen im Land seit vielen Jahren ums Leben gekommen. Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa sprach am Samstag zudem von 130 Verletzten. Mehr als 80 von ihnen waren von Perm in Spezialkliniken in Moskau und St. Petersburg geflogen worden. Zwei seien in der Nacht in Krankenhäusern des Landes gestorben, sagte ein Sprecher der Rettungskräfte am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax. Zivilschutzminister Sergej Schoigu sagte, viele Verletzte hätten schwere Brandwunden erlitten. Die Zahl der Toten könne deshalb noch steigen.
Das Feuer war in der Nacht zum Samstag in einem Nachtclub der Millionenstadt ausgebrochen, in dem etwa 250 Menschen feierten. Auslöser der Tragödie waren laut Ermittlungsbehörden Feuerwerkskörper, die den Deckenbehang aus Reisig, Holz und Plastik in Brand setzten. Als die Gäste panisch zum Ausgang drängten, seien viele Menschen erdrückt worden, sagte der Sprecher der Ermittler, Wladimir Markin, nach Angaben der Agentur Interfax. Die Polizei nahm fünf Verdächtige fest, denen sie eine Mitschuld an dem Inferno gibt. Bundespräsident Horst Köhler sowie die Stadt Duisburg, Perms deutsche Partnerstadt, kondolierten der russischen Führung.
Auf privaten Videoaufnahmen, die das russische Fernsehen ausstrahlte, ist dokumentiert, wie erste Flammen aus den Matten aus trockenem Reisig an der Decke des Clubs schlagen. Augenzeugen zufolge hatte das Lokal nur einen einzigen schmalen Ausgang. Den eintreffenden Rettungskräften bot sich ein Bild des Grauens. Zahlreiche Verletzte wanden sich stöhnend vor Schmerzen auf der Straße, im Eingangsbereich des Lokals stießen die Helfer auf dutzende Leichen. „Sie hatten keine Chance“, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. Laut Markin starben 98 Menschen sofort, 11 weitere erlagen ihren Verletzungen kurz darauf im Krankenhaus.
Harte Bestrafung der Schuldigen
Nach Angaben von Innenminister Raschid Nurgalijew, der noch in der Nacht nach Perm geflogen war, sind unter den Opfern keine Ausländer. Präsident Dmitri Medwedew ordnete für Montag Staatstrauer an. Regierungschef Wladimir Putin forderte eine harte Bestrafung der Schuldigen. „Diese ungeheure Katastrophe muss sorgfältig untersucht werden“, sagte der frühere Kremlchef. Die Bevölkerung der etwa 1400 Kilometer östlich von Moskau am Ural gelegenen Stadt wurde aufgerufen, Blut zu spenden.
Bundespräsident Köhler sprach Medwedew die „tief empfundene Anteilnahme“ Deutschlands aus. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung“, heißt es in einem in Berlin veröffentlichten Beileidsschreiben. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Perm bot der Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland, der Partnerstadt Hilfe an.
Ein Attentat hatten die Behörden schon kurz nach dem Unglück ausgeschlossen. Vor einer Woche war in Russland ein Bombenanschlag mit mindestens 26 Toten auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg verübt worden. In Russland kommen bei Bränden immer wieder viele Menschen ums Leben, da oft elementare Sicherheitsregeln missachtet werden. Nach Angaben Moskauer Medien sterben jedes Jahr mehr als 17.000 Menschen im Riesenreich bei Feuerkatastrophen.