16.08.2010 · Aktuelle Wettervorhersagen lassen Russland hoffen: Eine von Nordwesten kommende Kaltfront könnte die Brandkatastrophe beenden. Zahlreiche Brandherde konnten schon gelöscht werden. Indes kritisieren Umweltschützer das Krisenmanagement in der Region um Tschernobyl.
Die Hoffnungen Russlands ruhen auf einer anrückenden Kaltfront, die in den kommenden Tagen den verheerenden Waldbränden ein Ende bereiten könnte. Zwar lodert es immer noch an 500 Stellen im Land, wie das Katastrophenschutzministerium mitteilte. Doch sei die in Brand stehende Fläche binnen eines Tages um 15 Prozent zurückgegangen, in der Umgebung von Moskau sogar um die Hälfte. Über die angemessene Ausstattung der Feuerwehr in der atomar verseuchten Tschernobyl-Region kamen indes Zweifel auf.
Meteorologen gehen davon aus, dass die von Nordwesten kommende Kaltfront noch am Montag die Hauptstadt erreichen werde. Der angekündigte Starkregen könnte dann die Feuer löschen. Moskau hatte tagelang unter starkem Smog gelitten, ausgelöst von den umliegenden Waldbränden. Die Zahl der offiziell registrierten Todesfälle hatte sich in dieser Zeit verdoppelt.
Umweltschützer äußern weiter Kritik am Katastrophenmanagement
Dennoch besteht weiterhin die Gefahr, dass in radioaktiv verseuchten Regionen Staub aufgewirbelt und vom Wind in andere Gegenden getragen werden könnte. Die Behörden gaben zwar an, dass alle Waldbrände in den von der Atomkatastrophe von Tschernobyl betroffenen Landstrichen schnell gelöscht worden seien. Eine Umweltschützerin und Abgeordnete im Regionalparlament, Ljudmila Kolmogortsewa, bezweifelte aber die Einsatzfähigkeit der örtlichen Feuerwehr.
„Der Wald ist unzugänglich und wir haben praktisch keine Flugzeuge. Deshalb haben wir nichts, um die Brände zu löschen, falls sie sich ausbreiten“, sagte Kolmogortsewa. Fast eine Million Kubikmeter totes, radioaktives Holz liege in den Wäldern. Es stelle eine ernste Gefahr dar.
Eine seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 130 Jahren beispiellose Hitzewelle hatte weite Teile Russlands in den vergangenen zwei Monaten fest im Griff. Tausende Brände brachen aus, zumeist im Westen des Landes. Mehr als 50 Menschen starben an den direkten Folgen, die Opfer des Smogs nicht mitgerechnet. Außerdem wurden mehr als 2.000 Wohnhäuser zerstört.