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Rettungsversuche der chilenischen Kumpel Jauchzend und betrübt

02.09.2010 ·  Vergangene Nacht begannen die Rettungsbohrungen für die chilenischen Kumpel. Alle Hoffnungen ruhen bislang auf der australischen Bohrmaschine mit deutscher Steuerung, die bis zu 20 Meter Tiefe am Tag erreichen soll.

Von Carl Moses
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In der Nacht begann die Bohrung, am Morgen bebte die Erde. Ein Erdbeben der Stärke 4,7 hat am Dienstag auch die Umgebung der chilenischen Kupfermine San José erschüttert, in der 33 Bergleute seit dem 5. August in 700 Meter Tiefe verschüttet sind. Das Beben war an der Mine zu spüren und jagte den Rettungsmannschaften und den an der Unglücksmine ausharrenden Angehörigen der Verschütteten einen mächtigen Schrecken ein. Dabei blieb es zum Glück. Zu Störungen der Rettungsarbeiten kam es nicht.

Die Bohrung des Rettungsschachts, die wenige Stunden zuvor begonnen hatte, konnte ungehindert fortgesetzt werden. Nach Erreichen einer Tiefe von 15 Metern am ersten Tag soll die Bohrmaschine Strata 950 durch den Einbau des aus Deutschland gelieferten RVDS-Elements zur automatischen Kurskorrektur des Bohrers von jetzt an noch präziser und schneller vordringen. Bis zu 20 Meter am Tag scheinen möglich. Die chilenischen Behörden halten bislang an der Schätzung fest, bis zur geplanten Bergung der Kumpel würden wohl noch drei bis vier Monate vergehen. Eine parallele Bohrung mit einer Maschine anderen Typs, mit der voraussichtlich am Wochenende begonnen werden soll, könnte auf einem anderen Wege möglicherweise in zwei Monaten zu den Verschütteten vorstoßen. Doch bislang ruhen alle Hoffnungen auf der australischen Bohrmaschine mit deutscher Steuerung.

Die Bergmänner winken frisch rasiert in die Kamera

Das chilenische Fernsehen zeigte unterdessen ein neues Video von den Bergleuten unter Tage. Darin sind die Kumpel in – gegenüber der ersten Aufzeichnung der vergangenen Woche – merklich verbesserter körperlicher Verfassung und in fast schon euphorischer Stimmung zu sehen. Lächelnd und frisch rasiert winken die Bergmänner in die Kamera. Sie tragen die roten Hemden der chilenischen Fussball-Nationalmannschaft und schwenken unter Hochrufen die chilenische Flagge.

Neues Video zeigt Kumpel in Chile gesund und munter

Übertriebene Hoffnungsfreude sei allerdings genauso gefährlich wie die noch vor wenigen Tagen bei einigen Kumpeln beobachteten Anzeichen von Depression, sagt Alberto Iturra, der Chefpsychologe der chilenischen Rettungsmannschaft. „Wir werden ihre Stimmung nicht anheizen. Wenn wir das täten, hätten wir da unten manisch euphorische Leute, die sehr schwer zu kontrollieren wären.“ Ein Team von Ärzten und Psychologen der amerikanischen Raumfahrtbehörde (Nasa), das inzwischen zur Unterstützung der Rettungsmannschaften in Chile eingetroffen ist, rät davon ab, den Bergleuten einen genauen Zeitpunkt für ihre Bergung aus der Tiefe in Aussicht zustellen. Sie hätten viel Erfahrung mit Menschen in Extremsituationen im All, tief im Meer oder in der Antarktis, sagten die Nasa-Fachleute. Aber die Lage der Bergleute in 700 Meter Tiefe, bei 30 Grad Hitze und extrem hoher Feuchtigkeit sei „das schwierigste, was wir bislang gesehen haben“. Das Hauptziel müsse sein, Verzweiflung zu vermeiden. Darum dürfe man keine falschen Erwartungen schüren.

Die Nasa-Experten rieten ferner davon ab, den Bergleuten – wie von diesen gewünscht – Alkohol zukommen zu lassen. Chiles Gesundheitsminister Jaime Mañalich sieht das lockerer. Zu den bald beginnenden Zweihundertjahrfeiern der Unabhängigkeit Chiles könnten die Kumpel je nach ihrem Gesundheitszustand vielleicht ein „Weinchen“ zu Empanadas, den landestypischen gefüllten Teigtaschen, bekommen.

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