30.12.2004 · Die Flutkatastrophe wird auch in Deutschland ein bisher ungeahntes Ausmaß erfahren: Mehr als 1.000 deutsche Urlauber werden noch vermißt. „Das Meer wird viele nicht mehr hergeben“, sagte Außenminister Fischer.
Die neuesten Zahlen sind erschreckend: Mehr als 1.000 deutsche Urlauber werden in der Katastrophenregion vermißt. Und jeden Tag wird es unwahrscheinlicher, daß sie überhaupt noch gefunden werden. Die Katastrophe wird auch in Deutschland ein bisher ungeahntes Ausmaß erfahren. Nur 33 Leichen deutscher Touristen konnten bislang identifiziert werden.
Möglicherweise werden nur wenige Särge nach Deutschland zurückkehren. „Das Meer wird viele nicht mehr hergeben“, sagte der sichtlich bedrückte Außenminister Fischer in einer Pressekonferenz. Angesichts der Hitze - „eigentlich strahlendes Urlaubswetter“, wie Fischer schilderte - werden die Katastrophenopfer so bald als möglich beigesetzt. Es ist zu vermuten, daß viele Angehörige der deutschen Opfer nur vage informiert sein werden, wo ihre Väter, Mütter oder Kinder, 10.000 Kilometer vom Wohnort entfernt, ihre letzte Ruhe fanden.
Überlebende melden sich nicht bei Behörden
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat nach der Flutkatastrophe in Asien die Angehörigen von Vermißten aufgefordert, sich bei den örtlichen Polizeistationen zu melden. Die Polizei sammele alle für eine Identifizierung notwendigen Daten und leite diese an das Bundeskriminalamt weiter, erklärte Schily am Donnerstag in Berlin. Diese Daten würden dann mit denen verglichen, die beim Krisenstab des Auswärtigen Amtes vorlägen. Die Behörden gingen jedem Hinweis auf vermißte Deutsche nach.
Zwar steige die Zahl der Vermißten weiter. Das liegt aber möglicherweise daran, daß sich nicht alle zurückgekehrten Reisenden bei den Behörden melden. Auch die Heimkehrer sollten daher mit der Polizei oder ihren Reiseverstaltern Kontakt aufnehmen. Auch wer Hinweise auf vermißt gemeldete Menschen habe, solle diese weitergeben.
Die meisten Urlauber in Thailand verschwunden
Nach der verheerenden Flutkatastrophe suchen Helfer und Experten fieberhaft nach Überlebenden. Angesichts der Hitze schwinden die Chancen möglicher Verschütteter von Stunde zu Stunde, sagte Hans-Joachim Gerold vom Technischen Hilfswerk, der im thailändischen Khao Lak nach Überlebenden sucht. Gerold konzentriert sich mit seinem Team darauf, frühere Hotelanlagen nach Überlebenden zu durchsuchen. Allein in Khao Lak werden mehrere hundert deutsche Touristen vermißt.
Pfarrer Burkhard Bartel, der sich auf der thailändischen Ferieninsel Phuket um deutsche Urlauber kümmert, sagte, „ich fürchte, wer noch nicht gefunden wurde, ist tot“. Bartel sucht in den Krankenhäusern nach deutsch sprechenden Menschen, nimmt ihre Daten auf und gleicht sie mit bereits erstellten Listen ab. Bartel zufolge schleuderte die Welle viele Menschen Hunderte Meter weit ins Landesinnere. Bis dahin seien teils noch keine Rettungskräfte hingelangt.
Experten machen sich an die mühsame Identifizierung
Inzwischen sind Teams von ausländischen Experten, auch Deutsche, in Thailand eingetroffen. „Diese ausländischen Gerichtsmediziner gehen alle nach Khao Lak, dort sind so viele Leichen, daß sie schon in Tempeln gelagert werden müssen“, sagt ein thailändischer Armeeoberst.
Bei den meisten Leichen ist allerdings drei Tage nach der Flutwelle eine Identifizierung nicht mehr möglich. In Khao Lak, einer Küstenregion nördlich der Insel Phuket, wurden hunderte Tote geborgen, für deren Verwahrung es keine Kühlhäuser gibt. Aufgedunsen vom Wasser und wegen Hitze und Feuchtigkeit in fortgeschrittener Verwesung seien die Leichen nach drei Tagen völlig unkenntlich, sagt ein kanadischer Diplomat. Nur Gewebeproben, meist Haare oder Zähne, können dann noch anhand der DNA Aufschluß über die Identität geben.