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Nach der Flutkatastrophe UN: Eine Milliarde Dollar Fluthilfe fast erreicht

11.01.2005 ·  Knapp eine Milliarde Dollar Fluthilfegelder hat UN-Generalsekretär Kofi Annan gefordert. Die Geberkonferenz in Genf hat einen Großteil dieser Soforthilfe nun zugesichert. Der deutsche Anteil liegt bei 50 Millionen Euro.

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Die Vereinten Nationen haben die rund eine Milliarde Dollar für ihre Soforthilfe für die Flutopfer in Südasien fast zusammen. Die Geberkonferenz in Genf sicherte der Weltorganisation am Dienstag 717 Millionen Dollar (546 Millionen Euro) sofort zu. Das gab der UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland am Abend bekannt. Die Zahl der im Katastrophengebiet vermißten Deutschen sank auf 678. Nach wie vor ist aber die Identität von lediglich 60 eindeutig geklärt. Mit beispiellosem Aufwand und moderner Technik treibt inzwischen Interpol die Identifizierung der Todesopfer voran.

Mit der Zusage der Genfer Geberkonferenz ist die Forderung von UN-Generalsekretär Kofi Annan, der 977 Millionen Dollar (743 Millionen Euro) verlangt hatte, damit Millionen Flutopfern zunächst ein halbes Jahr lang Not- und Aufbauhilfe geleistet werden kann, bereits nahezu erfüllt. Deutschland stellte dafür am Dienstag sofort 50 Millionen Euro zur Verfügung. Diese sind Teil der 500 Millionen Euro, die insgesamt für die Fluthilfe bereitgestellt wurden. Er sei davon überzeugt, daß Ziel in Kürze erreicht werde, sagte Egeland.

678 vermißte Deutsche

Die Zahl der im asiatischen Katastrophengebiet vermißten Deutschen ist erstmals unter 700 gesunken. Derzeit fehle von 678 Bundesbürgern jede Spur, teilte Staatssekretär Klaus Scharioth vom Auswärtigen Amt am Dienstag mit. Seit Montag hätten sich mehr als 40 Reisende bei der Polizei wohlbehalten zurück gemeldet.

Die Zahl der identifizierten deutschen Toten liege weiter konstant bei 60, sagte Scharioth weiter. Sie könnte aber in den nächsten Tagen steigen. Die Experten vor Ort arbeiteten „mit Hochdruck“, nicht zuletzt, weil die Ungewißheit für die Betroffenen unerträglich sei. Er bitte aber um Verständnis dafür, daß „Sorgfalt vor Schnelligkeit“ gehe.

Interpol steht vor immenser Aufgabe in Phuket

Die internationale Polizeibehörde Interpol hat am Dienstag im thailändischen Phuket die bislang größte Identifizierungsaktion von Opfern einer Naturkatastrophe begonnen. Das Zentrum, das in den Räumen einer Telekom-Firma auf der von der Flutkatastrophe in Südostasien stark betroffenen Insel untergebracht ist, soll vorwiegend als gigantische Datenbank dienen: Hauptaufgabe wird nach Angaben des leitenden forensischen Experten, Jeff Emery, sein, DNA, Fingerabdrücke sowie Gebißdaten von den Leichen mit ähnlichen Daten aus den Ländern der Vermißten abzugleichen. „Dies ist einmalig", sagte Emery. „Das Zentrum verwendet die beste und neuste Technologie".

Die Arbeit der etwa 60 Identifizierungsexperten aus 20 Ländern wird eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei, Zahnärzten und den Familien der Opfer in Thailand ebenso wie in Dutzenden anderen Ländern erfordern. Emery zeigte sich zuversichtlich, daß schon bald erste Erfolge erreicht würden. Es dürfte aber realistisch sein, anzunehmen, daß die Arbeit länger als sechs Monate dauern werde.

Das Versorgungsschiff der Marine, „Berlin“, wird am Donnerstag in der Katastrophenregion erwartet. Das bisher im Golf von Oman eingesetzte Schiff hatte zunächst in Indien Hilfsgüter aufgenommen. An Bord befindet sich ein Rettungszentrum, in dem eine größere Zahl von Verletzten (45 Betten, davon vier Intensivbetten) versorgt werden kann.

Schuldenerlaß oder Schuldenumwandlung

Die Parlamentarische Staatsministerin im Entwicklungshilfeministerium, Uschi Eid (Grüne), mahnte vor der Geberkonferenz „maßgeschneiderte“ Hilfspakete für die betroffenen Länder an. Eid unterstrich, daß jedes der betroffenen Länder eigene sozio-ökonomischen Bedingungen aufweise. Die einzelnen Hilfspakete seien dabei mit den jeweiligen Regierungen auszuhandeln.

Die Grünen-Politikerin verwies darauf, daß derzeit etwa über die Möglichkeit eines kompletten Schuldenerlasses diskutiert werde. Eine Alternative sei die Schuldenumwandlung, bei der zunächst nicht eingeforderte Mittel im Inland etwa für Katastrophenschutz eingesetzt werden könnten. Debattiert werde auch über Handelserleichterungen etwa für Thailand oder Sri Lanka, worin die Bundesregierung „einen richtigen Weg“ sehe.

Die Vereinten Nationen erwarten weitere Zusagen

Delegationen der UN-Mitgliedstaaten, der UN-Agenturen, der Rot-Kreuz-Bewegung und internationaler Nichtregierungsorganisationen werden sich bereits am Vormittag zur Startrunde der UN-Länderprogramme des so genannten Consolidated Appeals Process versammeln. Dabei geht es um die vergessenen Krisen und Konflikte. Die Reihe der humanitären Appelle war im November von UN-Generalsekretär Kofi Annan angestoßen worden und betrifft die internationale Hilfe für 14 Regionen, Länder und Gebiete, in denen Krisen mit verschiedensten Ursachen die Menschen von Hilfe abhängig machen. Betroffen sind Menschen in Afrika, im Nahen Osten und im Kaukasus.

Von den 2,0 Milliarden Euro (2,69 Milliarden Dollar) an Not- und Aufbauhilfe, die den von der Katastrophe betroffenen Länder bisher versprochen wurden, wollen die UN möglichst viel bis Ende des Monats einnehmen. Die UN, die die Geberkonferenz in Genf veranstaltet, erwarten weitere Zusagen. Nur so könne sichergestellt werden, daß die Überlebenden der Flut vom zweiten Weihnachtstag eine Zukunft haben, hieß es in Genf dazu. Die Bundesregierung hat 500 Millionen Euro an Hilfe zugesagt.

Unicef-Schirmherrin fliegt nicht nach Südasien

Staatsministerin Müller reagierte verhalten auf den Vorschlag von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner zur Einrichtung einer zivilen EU-Katastrophenhilfetruppe. Es solle keine zusätzliche Bürokratie aufgebaut werden, doch werde der Vorschlag geprüft, sagte Müller. Sie verteidigte zugleich die Visiten hochrangiger ausländischer Politiker in den Flutgebieten. Diese Besuche seien notwendig, um sich vor Ort zu informieren. Allerdings dürften die Hilfsmaßnahmen nicht darunter leiden.

Die Schirmherrin von Unicef Deutschland, Eva Luise Köhler, will vorerst nicht in die Katastrophengebiete in Südasien reisen. Sie wolle die Hilfe vor Ort nicht behindern, sagte die Ehefrau von Bundespräsident Horst Köhler. „Die Flugzeuge sollten jetzt wirklich für Hilfe vor Ort benutzt werden und nicht, um mich jetzt dahin zu bringen“. Zugleich wandte sie sich gegen Adoptionen von Kindern aus den Katastrophengebieten. Es sei „vielleicht nicht die beste Idee, die Kinder aus ihrem Kulturkreis herauszuholen“, sagte Köhler. Die Kinder müßten erst einmal den Schock des Unglücks verarbeiten. Sie dann in eine fremde Umgebung zu bringen, halte sie nicht „für einen richtigen Ansatz“.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, ddp und AP
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