16.06.2009 · Air France hat sicherheitshalber bei Langstreckenflugzeugen vom Typ Airbus 330 und 340 die Geschwindigkeitsmesser ausgetauscht. Die Pitotsonden könnten durch fehlerhafte Messangaben den Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik mitverschuldet haben.
Von Peter-Philipp SchmittDie französische Fluggesellschaft Air France hat nach eigenen Angaben bei allen ihren Langstreckenflugzeugen vom Typ Airbus 330 und 340 die Geschwindigkeitsmesser ausgetauscht. Die sogenannten Pitotsonden des französischen Herstellers Thales (Typ AA) stehen im Verdacht, durch fehlerhafte Messangaben den Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik am Pfingstmontag mitverschuldet zu haben. Die Europäische Flugaufsichtsbehörde (EASA) bestätigte am Montag, dass sie seit Monaten mit dem Flugzeughersteller Airbus über mögliche Mängel an den Pitotröhren spricht.
Insgesamt habe es 2008 neun Vorfälle mit den Geräten auf der ganzen Welt gegeben, der größte Teil davon (angeblich acht) wurde an französischen Maschinen registriert. Der EASA-Sprecher Daniel Höltgen sagte dazu, dass der Informationsfluss über solche Vorfälle in Europa nicht optimal funktioniere. Die Fluggesellschaften seien verpflichtet, alle sicherheitsrelevanten Vorkommnisse dem jeweiligen Hersteller und der nationalen Luftfahrtbehörde zu melden. Offenbar sei dies nicht immer der Fall.
Vorläufermodell aus dem Verkehr gezogen
Die EASA arbeitet an einer Lufttüchtigkeitsanweisung, die den Austausch der Sensoren (Thales Typ AA) zum Inhalt haben könnte. Schon das Vorläufermodell war 2001 mittels einer solchen Anweisung aus dem Verkehr gezogen worden. Der Gerätetyp AA ist seit 2007 im Einsatz. Möglicherweise zeigten die Sonden beim Absturz des Fluges AF 447 falsche Geschwindigkeiten an, weil die Röhren vereist waren. Der Typ BA von Thales, der nun von Air France eingebaut wurde, ist insofern verbessert, als Wasser bei Start und Landungen schlechter in die Geräte eindringen kann. Ob sie allerdings auch vor Vereisung in großen Höhen besser geschützt sind, ist fraglich. Entsprechende Vorfälle sind bislang offenbar nicht bekannt.
Am Sonntag waren weitere Wrackteile gefunden worden, darunter auch das größte bislang entdeckte Stück, das vermutlich vom Heck der Unglücksmaschine stammt. Bislang konnten 49 der 228 Flugzeuginsassen tot geborgen worden. Der Versicherungskonzern Axa teilte unterdessen mit, er und weitere Versicherer zahlten Air France für die abgestürzte Maschine 67,4 Millionen Euro. Dabei gehe es nur um den Wert des Flugzeugs, das neu 180,9 Millionen Euro koste. Die Höhe des Schadensersatzes an die Angehörigen der Opfer stehe noch nicht fest. Der deutsche Anwalt Ulrich von Jeinsen, der unter anderem vor neun Jahren beim Absturz einer Concorde die Opfer in Deutschland vertreten hatte, rechnet nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP mit einer raschen Entschädigung der Absturzopfer.
Flugdatenschreiber...?
Miguel Cabrita (mileu)
- 16.06.2009, 20:24 Uhr
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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