14.01.2010 · Was dem Land bisher geschadet hat, weil die demokratischen Pflänzchen nur zart blühen und die Wirtschaft darniederliegt, könnte sich nun als Vorteil erweisen. Ohne jeden Zynismus muss man feststellen: Ein „gescheiterter Staat“ kann ausländischen Helfern keine Hindernisse in den Weg legen.
Von Alfons KaiserSchon die erste Interpretation der Katastrophe von Haiti schob alles auf die Vorsehung. Als zwei Frauen von einer Anhöhe den Staub über Port-au-Prince filmten, rief eine von ihnen: „Das Ende der Welt ist gekommen.“ In guter eschatologischer Manier wird noch der verheerenden Naturkatastrophe ein höherer Sinn zugeschrieben. Aber natürlich ist nicht das Ende der Welt gekommen. Man kann es den Leuten in einem Land, das Kriminalität, Korruption, Diktatur, Misswirtschaft, Armut und Naturkatastrophen im Übermaß kennt, nicht einmal verdenken, dass sie in metaphysischen Deutungen Halt suchen. Aber die sind nur die Kehrseite der Hilflosigkeit, die all jene auf den Plan ruft, die das Ende der Welt hinausschieben wollen. Vor allem Politiker, Militärs und Katastrophenhelfer aus den Vereinigten Staaten erkennen die doppelte Dringlichkeit zu helfen: weil die Natur zugeschlagen hat wie seit dem Tsunami im Jahr 2004 nicht mehr und weil sich die Menschen kaum selbst helfen können.
Selbst Präsident Preval gesteht ein, dass jede einzelne Institution in diesem Land schwach ist – wenn es sie überhaupt (noch) gibt. Doch was dem Land bisher geschadet hat, weil die demokratischen Pflänzchen nur zart blühen und die Wirtschaft noch immer darniederliegt, könnte sich nun als Vorteil erweisen. Denn ohne jeden Zynismus muss man feststellen: Ein „gescheiterter Staat“ kann ausländischen Helfern keine Hindernisse in den Weg legen. Vom World Food Programme bis zur Welthungerhilfe sind schon viele Kräfte im Land, die nun mit ihrer Infrastruktur und ihren Beziehungen andere Helfer unterstützen können. Allerdings traut man den Vereinten Nationen, die selbst von dem Erdbeben schwer getroffen wurden, kaum die Kraft zu, jetzt Hunderte Organisationen effektiv zu führen.
Amerika stellt Deutschland in den Schatten
Nicht umsonst bieten daher die Vereinigten Staaten neben zivilen Helfern erhebliche Kräfte von Luftwaffe und Marine auf – und stellen damit zum Beispiel Deutschland weit in den Schatten, wo man schon auf 1,5 Millionen Euro Soforthilfe stolz ist. Es ist ein deutliches Zeichen, dass neben Außenministerin Clinton auch Verteidigungsminister Gates die Sache in die Hand nimmt. Das Chaos ist mit militärischen Mitteln einfacher zu bändigen. Es würde allerdings auch nicht schaden, wenn die unmittelbare Hilfe in langfristige Unterstützung mündet. Denn auf die wird dieser „Staat“ noch sehr lange angewiesen sein.
Chapeau Amerika!
Gerhard Rinker (GerdR)
- 14.01.2010, 19:28 Uhr
Skandalöse deutsche "Hilfe"
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 14.01.2010, 21:17 Uhr
Neuaufbau - Wäre das etwas für Transparency International ?
K Zinser (klaus_zinser)
- 14.01.2010, 22:04 Uhr
Bevölkerungsexplosion und Elend
Hermes September (hermesimseptember)
- 15.01.2010, 10:24 Uhr
"Bevölkerungsexplosion"
Peter Meier (xrantanplanx)
- 15.01.2010, 12:31 Uhr
Alfons Kaiser Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.
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