Home
http://www.faz.net/-gup-vais
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hurrikan „Felix“ Zahl der Opfer soll erheblich steigen

07.09.2007 ·  In Nicaragua, Honduras und Mexiko forderte Hurrikan „Felix“ insgesamt mindestens 109 Menschenleben. Behörden vermuten, dass die Zahl der Opfer noch erheblich ansteigt. Inzwischen besteht Überschwemmungsgefahr, und ganze Gebiete werden evakuriert.

Artikel Bilder (3) Video (2) Lesermeinungen (0)

Die Hurrikane „Felix“ und „Henriette“ haben in Nicaragua, Honduras und Mexiko insgesamt mindestens 109 Menschen in den Tod gerissen. Allein durch den Hurrikan „Felix“ kamen nach jüngsten Behördenangaben aus Honduras und Nicaragua mindestens hundert Menschen ums Leben.

Besonders betroffen waren offenbar Ureinwohner im Norden Nicaraguas. Die Marine des Landes fand neun Leichen von Miskito-Indianern vor der Küste des Landes. Nach honduranischen Angaben trieben in den Gewässern weitere 52 Leichen aus Richtung Nicaragua. Allein 24 tote Miskitos seien geborgen worden, die offenbar im Sturm mit ihrem Fischerboot gekentert seien.

„Felix hat völlige Zerstörung gebracht“

Nicaragua bat um internationale Hilfe. Der Präsident Daniel Ortega sagte, die Lage sei „viel schlimmer“ als gedacht. „Es gibt viele Opfer, viele Tote“, sagte Ortega während einer gemeinsamen Sitzung von Kabinett, Armee und Polizei, ohne genaue Angaben zu machen. Insgesamt mehr als 120 Menschen wurden vermisst und etwa 50.000 hatte der Wirbelsturm Behördenangaben zufolge obdachlos gemacht.

Nach einem Besuch der Katastrophenregion hatte Ortega gesagt, „Felix“ habe „völlige Zerstörung“ gebracht. Ganze Dörfer seien vernichtet: „Die Spur des Hurrikan ist deutlich zu sehen. Überall, wo er war, stehen keine Häuser und keine Bäume mehr“.

„Felix“ war am Dienstag mit voller Wucht auf die Küste Nicaraguas getroffen. Die Suchmannschaften rechneten mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen, da sie bisher noch nicht in die entlegeneren Küstenregionen vorgedrungen sind. In den besonders abgelegenen Regionen in Nicaragua waren die Menschen seit 24 Stunden ohne jede Hilfe. Dringend benötigt würden Mittel zur Soforthilfe wie Medikamente, Decken, Matratzen, Brennstoff, aber vor allem Wasser, sagte der Chef des nationalen Katastrophenschutzes, Edgard Orozco.

Felix erreicht als Tropensturm Honduras

Besonders hart traf es die Küstenstadt Bilwi. Über eine Luftbrücke des UN-Welternährungsprogramms (WFP) wurden die Menschen mit 4,5 Tonnen Lebensmitteln versorgt. Hilfslieferungen kamen auch aus El Salvador und Honduras. Der Gouverneur der Region Atlantico Norte, Reynaldo Francis, forderte die rasche Entsendung weiterer Flugzeuge und Schiffe, um den Menschen Hilfe zukommen zu lassen. Nach Schätzungen der Regierung Nicaraguas sind für den Wiederaufbau mindestens 30 Millionen Dollar (21,9 Millionen Euro) erforderlich. Die EU stellte Nicaragua knapp eine Millionen Euro Nothilfe in Aussicht.

Nach seinem Zerstörungszug in Nicaragua schwächte sich „Felix“ zu einem Tropensturm ab, bevor er über Honduras hinwegzog. Dort wurden nach Behördenangaben 123 Häuser beschädigt, es kam zu mehreren Erdrutschen. Aus Angst vor schweren Überschwemmungen wurden tausende Anrainer der Flüsse Ulua und Chamelecon in Sicherheit gebracht. „Die Pegel steigen, wir können kein Risiko eingehen“, sagte der Bürgermeister von El Progreso, José Martinez.

Mögliche Überschwemmungen bereiten Sorge

Honduras und Nicaragua waren 1998 nach dem Durchzug des Hurrikans „Mitch“ von verheerenden Überschwemmungen betroffen gewesen. Im Osten Guatemalas riefen die Behörden für die Stadt Izabal die höchste Alarmstufe aus. Mehr als 850 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Auch im Südosten Mexikos begannen die Behörden aus Sorge vor Überschwemmungen mit der Evakuierung der bedrohten Gebiete. Sie rechneten mit heftigen Regenstürmen, sagte ein Vertreter des Zivilschutzes im Bundesstaat Chiapas.

Im Westen des Landes wütete der Hurrikan „Henriette“. Mit Windgeschwindigkeiten von 60 bis 120 Stundenkilometern zog er am Mittwochabend über die Bundesstaaten Sonora und Sinoloa hinweg. Insgesamt kamen in Mexiko neun Menschen ums Leben.

Auch Japan erlebt extremen Sturm

Auch in Japan litten die Menschen unter den Auswirkungen extremer Stürme. Dort riss der starke Taifun „Fitow“ mindestens einen Menschen in den Tod. Mindestens 44 weitere wurden in der Hauptstadt Tokio und ihrer Umgebung durch die starken Sturmböen und Regenfälle verletzt, meldete der japanische Fernsehsender NHK am Freitagmorgen (Ortszeit).

Der vom Pazifik kommende neunte Taifun der Saison war in der Nacht südwestlich von Tokio auf Land getroffen. Straßen mussten gesperrt werden, auch der Flug- und Bahnverkehr wurde beeinträchtigt. Hunderte von Bewohnern wurden aufgefordert, sich vor Erdrutschen in Notunterkünften in Sicherheit zu bringen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen