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Havarie der „Costa Concordia“ Deutsches Opfer identifiziert

21.01.2012 ·  Die italienische Polizei hat bei den Bergungsarbeiten an der „Costa Concordia“ ein deutsches Opfer identifiziert. Die Rettungskräfte haben ihre Arbeit mittlerweile wieder aufgenommen.

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© dapd Behutsam versuchen die Rettungskräfte auf das Wrack vorzudringen, das noch immer abzurutschen droht

Nach dem Kreuzfahrt-Unglück in Italien ist der Polizei zufolge ein deutsches Opfer identifiziert worden. Von acht bisher identifizierten Leichen stamme eine aus Deutschland, sagte ein Carabinieri-Hauptmann am Sonntag auf der Insel Giglio. Seit dort am Freitag vor einer Woche das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ kenterte, sind zwölf Leichen geborgen worden.

Unterdessen haben die Bergungsmannschaften ihre Suche nach Vermissten wieder aufgenommen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Aus Sicherheitsgründen beschränkte sich die Suche aber zunächst auf die Teile des Schiffes, die aus dem Wasser ragen. Noch immer werden mehr als 20 Menschen vermisst. Die Rettungskräfte hatten ihre Arbeit am Sonntagmorgen zunächst unterbrochen, nachdem festgestellt worden war, dass sich der Havarist erneut bewegt hatte.

Nur wenige Stunden zuvor war die Suche nach den Vermissten zur obersten Priorität der Bergungs- und Rettungsmannschaften erklärt worden. Das sagte Franco Gabrielli, der von der italienischen Regierung eingesetzte Krisenstabs-Chefs bei den Bergungsarbeiten vor der Insel Giglio. Es gebe auch keinen Zeitvorgabe, wann die Suche nach möglichen Überlebenden eingestellt werden könnte. Taucher hatten erst am Samstag eine zwölfte Leiche im Wrack des Unglücksschiffs entdeckt.

Insgesamt werden noch mehr als 20 Menschen vermisst. Unter ihnen sind nach jüngsten Angaben 12 Deutsche. Die Vermissten sind nach Ansicht von Gabrielli „wahrscheinlich“ noch an Bord. Daher werde die Suche fortgesetzt.

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© dapd Von einem Boot aus machen sich Rettungskräfte ein Bild der Lage

Gezielte Sprengungen sollten den Tauchern neue Zugänge zu dem Deck schaffen. Mindestens zwei Explosionen waren am Morgen im Hafen von Giglio zu hören, an dessen Küste das gekenterte, 290 Meter lange Schiff seit mehr als einer Woche auf felsigem Grund liegt. Die Frauenleiche wurde nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa gegen 13.30 Uhr entdeckt und an Land gebracht.

Zugleich rückt die drohende Umweltkatastrophe in den Fokus der Entscheidungen. Bis Sonntagabend soll nach Darstellung Gabriellis entschieden werden, wie die mehr als zwei Millionen Liter Treibstoff - vor allem Schweröl - abgepumpt werden können. Bis dahin dürfe die niederländische Spezialfirma Smit mit diesen Arbeiten nicht beginnen, sagte Gabrielli. Er wolle „den größtmöglichen Einsatz“ bringen, um den Inselbewohnern eine Umwelt-Tragödie zu ersparen.

Kapitän will Hubschrauber beordert haben

Unterdessen sind Aussagen des unter Hausarrest stehenden Kapitäns Francesco Schettino bekannt geworden, die ihn teilweise entlasten könnten. Nach Medienberichten vom Samstag sagte Schettino bei einer Anhörung vor Gericht, er habe unmittelbar nach der Kollision mit einem Felsen beim Kreuzfahrt-Unternehmen angerufen und sowohl ein Schlepperboot als auch Hubschrauber zur Rettung gefordert.

Aufschluss erhoffen sich die Behörden durch die Auswertung der sogenannten Black Box. Dort sind alle Telefonate aufgezeichnet, die von der Brücke geführt wurden. Auch der genaue Kurs, der nach Verlassen des Hafens von Civitavecchia gesetzt wurde, kann aus den Aufzeichnungen nachvollzogen werden.
 

Eine weitere Frauenleiche haben Taucher nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa im gekenterten Wrack des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ gefunden. Der Körper sei im Heck entdeckt worden, nachdem am Samstagmorgen mit gezielten Sprengungen neue Zugänge zu dem Schiff geschaffen worden waren.

Damit erhöhe sich die Zahl der Menschen, die bei der Havarie des Luxusliners vor gut einer Woche ums Leben kamen, auf zwölf. Wie die Agentur weiter berichtete, war die Leiche gegen 13.30 Uhr entdeckt und von den Tauchern der Küstenwache an Land gebracht worden.

Ohne große Hoffnung hatten die Rettungskräfte am Samstag ihre Suche nach Überlebenden fortgesetzt. „Wir bräuchten schon ein Wunder“, sagte der Sprecher der Küstenwache, Cosimo Nicastro, zuletzt der Nachrichtenagentur AFP. Auch wenn es in dem Wrack irgendwo noch Luft gebe, sei es wegen der niedrigen Temperaturen unter der Meeresoberfläche unwahrscheinlich, noch Überlebende zu bergen.

Justiz ermittelt gegen den Kapitän

Das Schiff, das zuletzt in tieferes Gewässer abzurutschen gedroht hatte, lag offiziellen Angaben zufolge weiter stabil vor Giglio. Dort war es vor einer Woche am späten Freitag auf einen Felsen gelaufen und gekentert.

20 Menschen werden noch vermisst. Die italienische Justiz ermittelt vor allem gegen den Kapitän des Schiffs, Francesco Schettino. Er soll zu nah an die Insel herangefahren sein und dadurch das Unglück provoziert haben. Zudem könnte er auf der Brücke von einer Frau abgelenkt worden sein.

Die italienische Regierung hatte am Freitag den Notstand über die Region verhängt. Da sich in dem Schiffsrumpf tonnenweise Treibstoff und Schwermetalle, Putzmittel und Farbe befinden, droht eine Umweltkatastrophe. Neben ihrer Suche nach Überlebenden versuchen die Rettungskräfte auch, ein solches Unglück zu verhindern. Taucher setzen seit Tagen unter anderem kleine Sprengladungen ein, um unter Wasser in bisher unzugängliche Teile des Wracks vordringen zu können.

Wrack droht abzurutschen

Das Kreuzfahrtschiff bewegte sich am Freitag - und zwar unaufhörlich, wie die Helfer mitteilten. Das Wrack vor der italienischen Insel Giglio drohte abzurutschen und ganz unterzugehen. Im Laufe des Tages besprachen die Teams ihr weiteres Vorgehen und werteten Daten eines Roboters aus, der unter Wasser eingesetzt wird. Möglicherweise brachten Strömungen am frühen Morgen Bewegung in das Wrack. Um das Schiff zu stabilisieren, gibt es Pläne, den 290 Meter langen Koloss mit Hebeseilen am Felsen festzumachen.

Die Zeit drängte. Von Norden her näherte sich ein heftiges Unwetter. Sturm und hohe Wellen könnten den Luxusliner weiter absacken lassen. Noch immer gibt es mehr als 20 Vermisste, darunter zwölf Deutsche. Das Kreuzfahrtschiff droht nach der Havarie vom 13. Januar über eine Unterwasserklippe in die Tiefe zu gleiten.

Weil die Suche nach den Vermissten noch nicht beendet und außerdem viel Treibstoff an Bord ist, soll ein Sinken des Schiffes auf jeden Fall verhindert werden. Die Retter hofften, dass Giglio sozusagen im Windschatten der westlich gelegenen Insel Korsika etwas geschützt gegen den aufziehenden Sturm und hohen Seegang sein könnte.

In Giglio beriet ein wissenschaftlicher Ausschuss des Zivilschutzes, ob die Bewegung des Schiffes auch bedeuten könnte, dass es sich auf dem Felsen vor der toskanischen Insel festsetzt. Das Schiff verlagere sich um etwa sieben Millimeter pro Stunde, am Bug bis zu 15 Millimeter, erläuterte der Florentiner Erdrutsch-Experte Nicola Casagli, der den Ausschuss auf Giglio leitet.

Hoffnungen ruhen auf Unterwasser-Roboter

Ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter sollte am Rumpf des Schiffes die Frage klären helfen, ob das Wrack auf dem Boden „verankert“ werden kann, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Jede Bewegung des Kreuzfahrtschiffes werde auch mit Satellitenaufnahmen verfolgt. Der „Rov“ genannte Roboter suche auch die Umgebung des Schiffes ab, um eventuell Leichen zu entdecken.

„Absolute Priorität hat für uns weiterhin die Suche nach Vermissten“, sagte der Sprecher der Rettungsmannschaften, Luca Cari, auf die Frage, wann mit dem Abpumpen des Treibstoffs zu rechnen sei. Unklar war damit, wann die niederländische Spezialfirma Smit mit dem Entfernen des Öls aus den Tanks beginnen kann. Der Beginn der Aktion war eigentlich für Freitag oder diesen Samstag geplant. Jedoch dürften die Arbeiten aus Sicherheitsgründen voraussichtlich erst dann anfangen, wenn sich keine Helfer mehr an Bord befinden.

Derweil haben deutsche Überlebende der Katastrophe einem Zeitungsbericht zufolge Schadenersatz von Reiseveranstalter und Reederei eingefordert. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung, die mit einem Anwalt gesprochen hatte, reichten zwei Ehepaare und eine Frau aus Nordrhein-Westfalen bereits Klage ein. Die fünf betroffenen Passagiere klagen auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Insgesamt geht es um eine Summe von rund 78.000 Euro, hieß es.

Sammelklage gegen Reederei geplant

Der Italienische Verbraucherverband Codacons und zwei amerikanische Anwaltskanzleien wollen kommende Woche in Miami (Florida) eine Sammelklage gegen die Reederei einreichen, berichtete der britische Sender BBC unter Berufung auf einen Anwalt. Sie wollen für jeden Passagier eine Entschädigung von mindestens 160.000 Dollar (gut 120.000 Euro) erstreiten.
Zur Diskussion um die möglichen katastrophalen Fehler des Kapitäns sagte der Chef der Costa-Crociere-Reederei, Pier Luigi Foschi, dem Mailänder „Corriere della Sera“, Kommandanten hätten zu viel Macht bei ihren Entscheidungen. Foschi sagte, es sei nicht normal und nicht zu rechtfertigen, dass die Evakuierung nach dem Auflaufen auf den Felsen erst nach einer Stunde begonnen habe.

Als „absoluten Quatsch“ bezeichnete der Anwalt des Kapitäns Spekulationen, Francesco Schettino könnte zum Zeitpunkt der Havarie betrunken gewesen sein. Die Ergebnisse eine Drogen-Analyse des 52 Jahre alten Schettino stehen noch aus. Anwalt Bruno Leporatti zitierte seinen Mandanten, der unter Hausarrest steht, wie folgt: „Sollte ich einen Fehler begangen haben, dann bin ich bereit, die Verantwortung zu übernehmen.“ Doch das müsse noch geklärt werden.

Crew schickte Passagiere in ihre Kabinen zurück

Italienische Medien wie der TV-Sender RaiNews24 zeigten währenddessen Amateuraufnahmen, auf denen zu sehen sein soll, dass Crewmitglieder der „Costa Concordia“ Passagiere auch dann noch in ihre Kabinen zurückschickten, als bereits Wasser in das Schiff eintrat. „Alles ist unter Kontrolle, kehren Sie zu den Kabinen zurück“, sage in dem Video ein Besatzungsmitglied etwa 40 Minuten nach dem Aufprall. Mit diesen Worten wendet sich eine Frau im Auftrag des Kapitäns an Passagiere. Die Aufnahmen scheinen Vorwürfe gegen den Kapitän zu bestätigen, die Evakuierung sei zu spät und chaotisch gewesen. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft gab daraufhin bekannt, alle Amateuraufnahmen von dem Schiffbruch vor Giglio sehen zu wollen.

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