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Halleneinsturz bei Kattowitz „Die Notausgänge waren zu“

29.01.2006 ·  Auch Taubenzüchter aus Bayern waren vom Einsturz der Messehalle bei Kattowitz betroffen. Einige konnten in letzter Sekunde entkommen - und schildern nun, was sie erlebt haben: „Plötzlich kam die Decke wie eine Welle direkt auf uns zu.“ Notausgänge sollen verschlossen gewesen sein.

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Beim Einsturz des Dachs einer Messehalle im polnischen Kattowitz sind auch zwei Deutsche ums Leben gekommen, darunter ein Taubenzüchter aus Bayern. Die Ehefrau des Züchters sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, sie gehe davon aus, daß ihr Mann verstorben sei. Ein befreundeter Züchter habe ihr die Nachricht überbracht.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Sonntag auf Anfrage, ein Opfer stamme aus Bayern. Es könnten jedoch keine weiteren Angaben zur Identität der Toten gemacht werden.

„Wir haben sehr großes Glück gehabt“

Ein Bekannter der Familie des einen Verunglückten sagte, der Züchter aus dem oberbayerischen Altomünster sei unter den Trümmern eingeklemmt und schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort sei er seinen Verletzungen erlegen.

Bei anderen Taubenzüchtern aus Bayern, die auf der internationalen Messe „Taube 2006“ ausstellten, entschied der Zufall über Leben und Tod. „Zwei Meter neben uns wurden die Leute verschüttet. Wir haben sehr großes Glück gehabt“, sagte Gerd Lörch, Taubenzüchter aus Ingolstadt, am Sonntag. „Unser Stand war nahe am Ausgang, und in einem Eck der Halle, das nicht so schwer betroffen war.“

„Kam die Decke wie eine Welle auf uns zu“

Der 64 Jahre alte Lörch war zusammen mit einem Freund nach Kattowitz gekommen, um auf der Ausstellung befreundete Züchter aus aller Welt zu treffen. Am Freitag nachmittag hörte er in der Halle einen Knall. „Es war wie wenn ein Regal mit Keramik umfällt. Zuerst haben wir nur einen langen Hals gemacht und geguckt. Dann hat es nochmal geknallt, und plötzlich kam die Decke wie eine Welle direkt auf uns zu.“

In letzter Sekunde entkam Lörch aus der etwa 10.000 Quadratmeter großen Messehalle. In der Hand hatte er zwei Tauben, sein Gepäck mit dem Reisegeld ließ er zurück - und bekam es nicht wieder. Die Polizei ließ ihn wissen, die Tasche sei ausgeleert unter einem parkenden Auto gefunden worden. „Die Rettungskräfte waren schnell da, aber die Polizei hat die Eingänge nicht abgeriegelt“, so Lörch. So hätten Schaulustige ohne Probleme in die Halle eindringen können.

„Die Türen waren de facto zu“

Andere Überlebende und Rettungskräfte aus Deutschland berichteten unterdessen von verschlossenen Notausgängen. „Die Türen waren de facto zu. Wir hatten das bereits am Freitag festgestellt, als wir aus Versehen durch eine solche Tür raus wollten. Die waren wie zugesperrt. Ob man die Türen von innen irgendwie entriegeln konnte, weiß ich nicht“, berichtete Wolfgang Rekowski aus Bad Berleburg telefonisch vom Unfallort.

Der Geschäftsführer des privaten Münchner Rettungsdienstes MKT, Robert Schmitt, bestätigte dies. „Weil sich Notausgänge nicht öffnen ließen, schlugen die Leute mit primitiven Mitteln die Scheiben ein, um rauszukommen“, berichtete Schmitt per Telefon vom Unfallort: „Ob die zugesperrt waren oder durch die verschobene Statik blockiert waren, weiß ich nicht.“

Glück im Unglück?

Gerd Lörch und sein Begleiter fuhren am Sonntag wieder zurück nach Deutschland. Auch ein Taubenzüchter aus dem oberbayerischen Stengelheim machte sich unversehrt auf den Weg nach Hause. „Er hat gestern Abend kurz angerufen und gesagt, das alles in Ordnung ist“, sagte seine Lebensgefährtin am Sonntag.

Nach den Worten von Züchter Gerd Lörch wären weit mehr Menschen ums Leben gekommen, wenn das Dach der Halle zwei Stunden früher eingestürzt wäre. „Da waren 1000 bis 1500 Leute in der Halle.“ Zum Zeitpunkt des Unglücks sei der große Andrang schon vorbei gewesen.

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