28.12.2004 · Die tödliche Flutwelle hat Familien auseinander gerissen. Zahlreiche Kinder wurden zu Waisen. Aber die Hoffnung bleibt, daß Angehörige noch zueinander finden, wie im Fall des zweijährigen Hannes aus Schweden - dank eines Bildes im Internet.
Sophia hat Schnittverletzungen und Blutergüsse im Gesicht - Folgen der todbringenden Flutwelle, die am zweiten Weihnachtsfeiertag über das thailändische Ferienparadies Phuket hereinbrach. Von den Eltern des zehnjährigen Mädchens aus Deutschland, das im Internationalen Krankenhaus von Phuket behandelt wird, gibt es derzeit keine Spur. Die Flut hat zahlreiche Kinder zu Waisen gemacht. Viele Eltern haben ihre Kinder verloren. Und doch gibt es in all dem Elend Geschichten, die Hoffnung machen - wie die des kleinen Hannes.
„Ich habe viele Kinder sterben sehen. Ich habe Eltern gesehen, die versucht haben, ihre Kinder festzuhalten, aber es war unmöglich“, sagt Karl Kalteka aus München. Er liegt mit mehreren Knochenbrüchen auf einer Trage am Flughafen von Phuket. Als die erste Flutwelle aufschlug, war er am Strand in Khao Lak beim Hotel Sofitel. Seine Freundin wird seitdem vermißt. „Wir haben die Welle kommen sehen. Sie war so groß. Wir hatten keine Zeit zum Weglaufen“, sagt er und fügt an: „Es war die Hölle.“
Angehörige in Schweden sahen Bild im Internet
Seit Sonntag wartet auch ein etwa zwei Jahre alter blonder Junge im Krankenhaus von Phuket auf seine Eltern. Dutzende verzweifelte Väter und Mütter kamen ins Hospital in der Hoffnung, daß es sich um ihr vermißtes Kind handelt. Vergeblich. Auch die Nationalität des Kindes, das noch nicht sprechen kann, war zunächst unklar.
Das Krankenhaus stellte ein Bild des Kindes ins Internet, und schließlich meldete sich ein Onkel des Jungen aus der schwedischen Stadt Göteborg. Als er Hannes im Internet sah, habe er sofort ein Flugticket gebucht, um nach Thailand zu gelangen, sagte der Mann dem schwedischen Zeitung „Aftonbladet“. Die Tante von Hannes sagte, sie habe vor Freude laut geschrien, als sie das Bild im Internet gesehen habe: „Wir dachten, er wäre tot.“
Mutter und Großmutter vermißt
Der kleine Hannes war nach Angaben seines Onkels zusammen mit vier Verwandten auf einem einmonatigen Thailandurlaub. Die letzten Urlaubstage wollte die Familie in Khao Lak verbringen. Laut dem Bericht der Zeitung liegen der Vater und der Großvater des Jungen in einem anderen Krankenhaus. Die Mutter und die Großmutter würden vermißt. Zum Zeitpunkt der Flutwelle waren nach Angaben des schwedischen Außenministeriums rund 20.000 Schweden in Thailand, etwa 1.500 werden noch vermißt.
Touristen hatten Hannes allein sitzend auf einer Straße nicht weit entfernt von Khao Lak gefunden - kurz nachdem die tödlichen Wassermassen dort Hunderte Touristen mit sich gerissen hatten. Schnell hatte es erste Hinweise darauf gegeben, daß der blonde Junge aus Schweden stammt. „Er war ganz begeistert, als ein Mann ihn auf Schwedisch ansprach“, sagt Vilad Mumbansao, ein Angestellter des Krankenhauses. Rund 600 Verletzte werden derzeit im Krankenhaus von Phuket behandelt. Etwa 50 bis 70 Patienten sind Ausländer.
„Er sah trostlos aus, als er am Sonntagabend hier eingeliefert wurde mit einigen oberflächlichen Hautabschürfungen im Gesicht und am Körper“, sagt Vilad weiter über den Jungen. Nachdem ihn die Ärzte einen Tag lang an ein Sauerstoff-Gerät angeschlossen hatten, sieht er inzwischen etwas besser aus, wie Vilad sagt. Zuletzt habe der Junge traurig gewirkt, sagt Vilad: „Das Kind sah heute so aus, als ob es begonnen hat, an seine Eltern zu denken.“