06.10.2006 · Das Flugzeugunglück über dem brasilianischen Dschungel, dem 154 Menschen zum Opfer fielen, ist nicht nur von den Piloten des Privatjets verschuldet worden, der mit der Boeing 737 kollidierte. Auch im Tower von Brasilia ist schlampig gearbeitet worden.
Nach der Kollision eines Passagierflugzeugs mit einem Geschäftsreisejet haben die brasilianischen Justizbehörden den beiden amerikanischen Jetpiloten die Pässe entzogen. Während der mutmaßlich Monate dauernden Ermittlungen dürfen sie Brasilien nicht verlassen und müssen mit einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung rechnen.
Noch immer ist unklar, weshalb sie mit ihrem Flugzeug vom Typ Embraer Legacy-600 auf gleicher Höhe wie die Boeing 737-800 der Gesellschaft Gol flogen, die nach der Kollision in den Amazonas-Regenwald stürzte und 154 Menschen in den Tod riß. Die Fluggesellschaft hatte die Opferzahl nach unten korrigiert, da ein Passagiername irrtümlich doppelt aufgeführt war.
Funkturm informierte Jetpiloten vergeblich
Die Legacy hatte trotz Beschädigungen auf einem Militärflugplatz notlanden können. Das fabrikneue Flugzeug befand sich auf dem Überführungsflug vom Embraer-Werk in São José dos Campos im Bundesstaat São Paulo in die Vereinigten Staaten und hätte beim Einbiegen auf die Luftverkehrsstraße von Brasília nach Manaus die zunächst zugewiesene Flughöhe von 37.000 Fuß verlassen und auf 36.000 Fuß gehen sollen. Das ist jedoch nicht geschehen.
Ein amerikanischer Journalist, der sich an Bord befand, hatte wenige Minuten vor dem Zusammenstoß gesehen, daß der Höhenmesser im Cockpit auf 37.000 Fuß stand, der gleichen Höhe, auf der sich die in der Gegenrichtung von Manaus nach Brasília fliegende Boeing befand. Wie die Überprüfung der Funkverkehrsaufzeichnungen ergab, hat der Kontrollturm in Brasília fünfmal versucht, die Piloten auf den Irrtum aufmerksam zu machen, erhielt jedoch keine Antwort.
Piloten der Boeing 737 nicht gewarnt
Außerdem war der Transponder des Flugzeugs, der exakte Angaben über die Flughöhe übermittelt, aus unerfindlichen Gründen abgeschaltet worden, oder er funktionierte nicht. Schleierhaft ist auch, weshalb die Piloten der Boeing 737 offenbar nicht vor der Kollisionsgefahr gewarnt wurden. Die Bergung der Absturzopfer in dem unwegsamen Urwaldgelände kommt unterdessen nur schleppend voran. Knapp eine Woche nach dem Unglück ist nicht einmal ein Drittel der Leichen geborgen worden. Vor allem tropische Regenfälle behindern immer wieder die Rettungsarbeiten.