09.04.2009 · Die Rettungskräfte haben drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben kaum Hoffnung, unter den Trümmern Begrabene lebend zu finden. Zwischen 20 und 30 Menschen werden nach offiziellen Angaben noch immer vermisst.
Drei Tage nach dem schweren Erdbeben in Italien haben die Rettungskräfte in der Nacht zum Donnerstag in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila zwei weitere Todesopfer geborgen. Damit stieg die Zahl der Toten auf mindestens 274, unter ihnen 16 Kinder. In der Nacht erschütterten erneut starke Nachbeben die Region.
Die beiden Toten lagen unter den Trümmern eines Studentenheims begraben, das am Montag wie ein Kartenhaus eingestürzt war, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete. Nach Polizeiangaben vom Mittwochabend wurden noch 20 bis 30 Menschen vermisst. Insgesamt wurden fast 1200 Menschen verletzt, 179 von ihnen schwer. Beinahe 18.000 Menschen verbrachten die Nacht bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt in Zelten, 3000 fanden vorübergehend Obdach in Hotels oder anderen Unterkünften.
Der Papst will ins Katastrophengebiet fahren
Die Hoffnung, Überlebende des Bebens zu bergen, schwanden von Stunde zu Stunde. Nachbeben erschwerten die Rettungsarbeiten. Besonders das zweite Beben gegen 3 Uhr nachts, das noch in Rom und in weiten Teilen Mittelitaliens zu spüren war, schreckte die Menschen aus dem Schlaf hoch und versetzte viele von ihnen in Angst und Schrecken.
Die ersten beiden Toten wurden am Mittwoch beerdigt. Für Karfreitag, der zum nationalen Trauertag ausgerufen wurde, ist ein staatliches Massenbegräbnis vorgesehen. Die Messe soll der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zelebrieren. Papst Benedikt XVI. will sich nach Ostern in das Katastrophengebiet begeben.
3 Milliarden Euro für Wiederaufbau
Die Popdiva Madonna spendete nach Angaben ihrer Sprecherin der vom Erdbeben zerstörten Ortschaft Pacentro, aus dem ihre Großeltern väterlicherseits stammen, eine beträchtliche Summe. Das Magazin „People“ sprach von 500.000 Dollar (377.000 Euro).
Das schwere Beben der Stärke 6,2 hatte die Region um L'Aquila in der Nacht zum Montag erschüttert. Es war das schwerste Erdbeben in Italien seit drei Jahrzehnten. Die Regierung rechnet mit Kosten von mindestens drei Milliarden Euro für den Wiederaufbau der Region.