Home
http://www.faz.net/-gup-vyss
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Erdbeben in Nordchile „Ein Wunder, dass ich überlebt habe“

15.11.2007 ·  Der Erdstoß war bis ans andere Ende des Kontinents zu spüren, glücklicherweise ereignete er sich in einer relativ dünn besiedelten Region. Bei dem Beben im Norden Chiles wurden zwei Menschen getötet, rund 150 Verletzt. Tausende Häuser sind zerstört.

Artikel Bilder (5) Video (1) Lesermeinungen (0)

Zwei Tote, mehr als 150 Verletzte und mehrere tausend beschädigte Häuser sind die Bilanz des schweren Erdbebens im Norden Chiles. In der gesamten Region fiel nach dem Erdstoß der Stärke 7,7 der Strom aus, zahlreiche Straßen waren unpassierbar. Die Erschütterungen waren noch in der fast 1300 Kilometer vom Epizentrum entfernten Hauptstadt Santiago und im brasilianischen Sao Paulo auf der anderen Seite des Kontinents zu spüren. Die Regierung versorgte die Betroffenen mit Notunterkünften, Lebensmitteln und Medikamenten.

Das Epizentrum des Bebens lag in der Nähe des Dorfs Quillagua am Fuß der Anden. Dem ersten Erdstoß um 12.40 Uhr (Ortszeit) folgten mehrere Nachbeben. „Ich dachte, meine letzte Stunde hätte geschlagen“, sagte Maria Ines Palete aus Quillagua im staatlichen Fernsehen. In der nahe gelegenen Stadt Tocopilla kamen zwei Frauen beim Einsturz ihres Hauses ums Leben, wie die Behörden mitteilten. 100 Häuser wurden zerstört und weitere 2500 beschädigt. Die betroffenen Bewohner wurden in zwei Schulen untergebracht. Das örtliche Krankenhaus sei zu 80 Prozent zerstört, berichtete ein Arzt.

Maria Elena: Bausubstanz zu 70 Prozent beschädigt

In der Kleinstadt Maria Elena wurden nach Angaben von Regierungssprecher Ricardo Lagos Weber 1200 Häuser beschädigt - das sind 70 Prozent der gesamten Stadt. Das Wasser-, Strom- und Telefonnetz brach zusammen. In der Hafenstadt Antofagasta wurden nach Polizeiangaben mindestens 45 Menschen verletzt, in der gesamten Region seien etwa 170 Verletzte in Krankenhäuser gebracht worden, erklärte Weber.

„Ich war auf der Arbeit, und als ich nach dem Erdbeben nach Hause kam, war es verschwunden“, sagte Julio Lopez aus Maria Elena. Blanca Pizarro berichtete, sie habe sich unter ihrem Küchentisch verkrochen, wenig später sei das Dach ihres Hauses eingestürzt. „Es ist ein Wunder, dass ich überlebt habe.“

Kupferförderung zeitweise eingestellt

In der Erdbebenregion befinden sich die größten Kupferminen Chiles. Wegen der Unterbrechung der Stromversorgung wurde die Kupferförderung zeitweise eingestellt. Chile ist der größte Kupferproduzent der Welt.

Das Beben ereignete sich in einer geologisch besonders aktiven Region, wo die tektonische Platte von Nazca und die südamerikanische Platte aneinander stoßen. Bei dem letzten großen Erdbeben in Chile kamen am 13. Juni 2005 elf Menschen in der Umgebung von Tarapaca ums Leben. In Chile fand 1960 auch das schwerste Erdbeben des 20. Jahrhunderts statt, bei dem ein Wert von 9,5 gemessen wurde. Damals kamen etwa 5.700 Menschen ums Leben. 1939 verloren 28.000 Menschen bei einem Erdbeben in Chile ihr Leben.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen