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Die Notwasserung auf dem Hudson „Mit Toten war zu rechnen“

16.01.2009 ·  Die Notwasserung eines Flugzeugs überleben normalerweise nur wenige Menschen. Sullenberger und sein Copilot aber hatten keine andere Wahl, als sie zu riskieren.

Von Dieter Vogt
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Bei der Notwasserung eines großen Verkehrsflugzeugs ist mit Überlebenden zu rechnen, lautet eine sarkastische Pilotenweisheit - aber leider auch mit Toten. Das heikle Manöver kann im Simulator entweder gar nicht oder nur sehr unvollkommen geübt werden. Obwohl es während der Flugausbildung eine wichtige Rolle spielt, bleibt es realitätsfern. So zählt der Flug ins Wasser zu den ganz wenigen Erfahrungen, die ein Pilot, wenn es denn nötig ist, zum ersten Mal macht.

Das theoretische Rüstzeug hat er: Aufsetzen mit der geringst möglichen Geschwindigkeit, also in der Regel mit ausgefahrenen Landeklappen und Vorflügeln, die Flugzeugnase angehoben, so daß der hintere Rumpf zuerst das Wasser berührt. Die störenden Räder bleiben drin. (Kleine Flugzeuge mit starrem, nicht einziehbarem Fahrwerk überschlagen sich beim Wassern).

Der Notruf ist überlebenswichtig

Der elektronisch gesteuerte Airbus A320 lässt sich noch extrem langsam fliegen: mit knapp 200 Kilometern in der Stunde. Allerdings darf das Flugzeug seine Mindestfahrt nicht unterschreiten, weil es sonst unkontrolliert ins Wasser stürzt, und das darf auch aus nur fünf Metern Höhe nicht passieren. Aufgesetzt wird gegen den Wind oder auf hohen Wellenbergen, besagt die Lehre, wobei eine unruhige Wasseroberfläche die Gefahr wesentlich erhöht. Überlebenswichtig ist es, vorher einen Notruf abzusetzen, der so schnell wie möglich Schiffe zur Bergung herbeiruft.

Als der Airbus A320 am Donnerstag über New York durch Triebwerkausfall zum Gleitflugzeug wurde, musste Kapitän Sullenberger erkennen, dass es weder zur Rückkehr nach La Guardia noch zu einer Notlandung auf dem Kennedy-Flughafen oder in Newark reichte. Als einzige freie Fläche bot sich der Hudson River an. Sullenberger und sein Copilot hatten keine Wahl, obwohl alle Erfahrung den Erfolg zweifelhaft erschienen ließ. Neben fliegerischem Können war unbestreitbar Glück im Spiel. Ein heikler Moment der Notwasserung ist das Eintauchen der großen, unter den Flügeln hängenden Triebwerkgondeln. Sie müssen bei waagerecht gehaltenen Tragflächen gleichzeitig im Wasser abgebremst werden. Andernfalls treten an einer Gondel und dem dann ins Wasser schneidenden Flügel gewaltige Hebelkräfte auf, die das Flugzeug zerstören können - Kräfte, die in der Fliegerei ansonsten nie vorkommen.

Notwasserungen haben immer wieder Todesopfer gefordert

Wer das Zerstörungwerk überlebt, ist vom Ertrinken bedroht. Halbwegs misslungene Notwasserungen haben immer wieder Todesopfer gefordert. So kamen 125 von 175 Menschen einer entführten Boeing 767 ums Leben, als der Kapitän im November 1996 mit leeren Tanks vor den Komoren notwassern wollte. Von 39 Insassen einer im August 2005 bei Sizilien im Wasser zerbrochenen Turbopropmaschine überlebten nur 25. Dass diesmal die Flugzeugkabine heil und für längere Zeit schwimmfähig blieb, gehört zu den glücklichen Umständen des Unfalls. Dazu gehört auch, dass der Airbus zum Stillstand kam, ohne auf dem belebten Fluss ein Schiff gerammt zu haben. Und dass so viele Schiffe so schnell zur Stelle waren und zum Umsteigen einluden.

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