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China 5335 Schüler unter den Erdbebenopfern

07.05.2009 ·  Zum ersten Mal seit dem Erdbeben im Mai 2008 hat China amtliche Zahlen über die Opfer veröffentlicht. Das galt als heikel, da Eltern immer wieder Baumängel an den Schulen ihrer verunglückten Kinder kritisiert hatten.

Von Till Fähnders, Peking
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Kurz vor dem ersten Jahrestag des Erdbebens im südwestchinesischen Sichuan hat China zum ersten Mal eine amtliche Zahl der ums Leben gekommenen Schulkinder veröffentlicht. Insgesamt gelten demnach seit dem Beben am 12. Mai vergangenen Jahres 5335 Schülerinnen und Schüler der Provinz offiziell als tot oder vermisst. Die Regierung hatte die Zahl bislang geheim gehalten. Sie wird als politisch heikel angesehen, da einige Eltern schlecht gebaute Schulen und Korruption für den Tod ihrer Kinder mitverantwortlich machen.

Der Leiter des Erziehungsamts der Provinz, Tu Wentao, gab die Zahl am Donnerstag in der Provinzhauptstadt Chengdu bekannt, die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua verbreitete sie in der chinesischen Presse. Die Gesamtzahl der Todesopfer in Sichuan wird mit 68.712 beziffert. 17.921 Menschen werden demnach auch ein Jahr nach dem Erdbeben noch vermisst. Außerdem seien 546 Schüler so schwer verletzt worden, dass sie heute behindert seien.

Ai Weiwei warf Regierung Vertuschung vor

Die Führung in Peking war durch die Versuche von Aktivisten und Angehörigen, die Zahlen auf eigene Faust herauszufinden, sowie die Kritik von Menschenrechtlern zunehmend in Bedrängnis geraten. Vor allem die Recherchen des prominenten Künstlers Ai Weiwei und einiger Helfer, die an Ort und Stelle nach den Namen der umgekommenen Kinder forschten, hatten die Behörden unter Druck gesetzt. Der Künstler, der auch am Bau des Pekinger Nationalstadions beteiligt gewesen war, trug mehr als 5000 Namen zusammen und veröffentlichte sie auf seinem Weblog. Wiederholt waren jedoch Einträge gelöscht worden. Ai Weiwei warf der Regierung deshalb Vertuschung vor.

Die Organisation Human Rights Watch forderte die chinesische Regierung am Donnerstag auf, Klagen von Eltern gegen Bauträger und verantwortliche Funktionäre vor Gericht zuzulassen. Viele Eltern und Aktivisten sind von den Behörden in der Region eingeschüchtert oder auch vorübergehend inhaftiert worden, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Montag in einem ausführlichen Bericht kritisiert hatte. Nach Informationen des Clubs der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) waren auch ausländische Journalisten, die vor dem Jahrestag aus dem Erdbebengebiet berichten wollten, bei ihrer Arbeit behindert worden.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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