09.08.2005 · Der zweitschwerste Brand der Berliner Nachkriegsgeschichte hat neun Menschen, darunter fünf Kindern, das Leben gekostet. Wegen Sprachproblemen verstanden die meisten die Anweisungen der Polizei nicht. „Sie sind in ihr Verderben gerannt.“
Nach dem verheerenden Brand in einem Berliner Wohnhaus mit neun Toten gehen die Ermittler von Brandstiftung aus, schließen aber einen fremdenfeindlichen Hintergrund mit großer Wahrscheinlichkeit aus.
Es spreche nichts dafür, daß es sich um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt habe, sagte Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Dalheimer an diesem Dienstag in Berlin. Dagegen spreche allein schon, daß kein Brandbeschleuniger verwendet worden sei. Alle Anzeichen deuteten vielmehr auf vorsätzliche Brandstiftung hin, erklärten auch Polizei und Feuerwehr übereinstimmend. Die Staatsanwaltschaft Berlin leitete ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung gegen Unbekannt ein.
Kinderwagen im Erdgeschoß angezündet
Bei dem Brand in der Nacht zum Dienstag waren fünf Kinder und Jugendliche sowie vier Erwachsene aus zwei Familien ums Leben gekommen. Bei vier der Todesopfer soll es sich nach Polizeiangaben um Mitglieder einer polnischen Familie handeln. Nach Angaben der Polizei wurden 15 Menschen schwer verletzte. Zwei von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr. Zehn weitere Bewohner erlitten leichtere Verletzungen. Sie waren noch in der Nacht in einem Feuerwehrbus von Notärzten und Sanitätern unter anderem wegen leichter Rauchvergiftungen behandelt worden.
Die Feuerwehr war mit 150 Helfern vor Ort. Der Brand war um 23.07 Uhr am Montag ausgebrochen. Laut Feuerwehr waren die Flammen nach einer guten Viertelstunde gelöscht. Zur Ursache des Brandes sagte Berlins Feuerwehrschef Albrecht Broemme: „Offenbar sind Kinderwagen angezündet worden, die im Erdgeschoß standen.“
„Flucht in den Tod“
Mehrere Mieter seien in Panik geraten und hätten versucht, über das Treppenhaus ins Freie zu entkommen. Diese Flucht sei eine „Flucht in den Tod“ gewesen. Broemme sagte, es habe Sprachprobleme mit den zumeist ausländischen Bewohnern des Hauses gegeben. Für die Einsatzkräfte sei es schwer gewesen, ihre Anweisungen verständlich zu machen. Trotz Warnungen seien Menschen in das brennende und verqualmte Treppenhaus gelaufen. „Die Leute hätten die Nerven behalten und in den Wohnungen ausharren müssen.“
Die Feuerwehr sprach mit Blick auf die Opferzahl vom zweitschwersten Brand in der Hauptstadt seit dem Zweiten Weltkrieg.
Im Treppenhaus und in einer Wohnung wurden den Angaben zufolge zunächst sechs Tote gefunden. Zwei weitere Kinder kamen mit schweren Brandverletzungen und Rauchvergiftungen ins Krankenhaus, wo sie kurz darauf starben. Insgesamt wurden 43 Personen gerettet. Die Überlebenden und Feuerwehrleute seien psychologisch betreut worden. Über die Staatsangehörigkeit der Toten wollten die Ermittler bislang keine weiteren Angaben machen.