21.08.2008 · Auf den Flughäfen von Madrid und Gran Canaria harrten Hunderte von Angehörigen stundenlang aus, um Informationen über das Schicksal ihrer Ehepartner, Eltern, Geschwister oder Kinder zu bekommen. „Meine Söhne, meine Tochter“, schluchzte eine Frau.
Am Anfang der Reise in die Katastrophe stand ein Start wie jeder andere. Die Maschine rollte auf dem Madrider Flughafen Barajas zur Startposition und nahm Fahrt auf. Aber dann geschah es. Die McDonnell Douglas MD-82 der Fluggesellschaft Spanair erhob sich nicht in den blauen Himmel über der spanischen Hauptstadt, sondern löste sich nur einige Meter vom Boden, raste über das Ende der Startbahn hinaus und verschwand in einer Senke.
„Ich sah, wie das Flugzeug in mehrere Teile zerrissen wurde“, berichtete ein Autofahrer, der das Unglück von einer Autobahn aus beobachtet hatte. „Dann gab es eine heftige Explosion. Ich hatte zuerst gedacht, die Maschine wäre dabei zu landen. Aber dann neigte sie sich plötzlich zur Seite und bohrte sich mit der rechten Tragfläche in die Erde.“ Mehr als 153 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben.
„Da sah nichts mehr nach einem Flugzeug aus“
An der Unglücksstelle stieg eine große Qualmwolke empor. Die Feuerwehr setzte Hubschrauber ein, um die brennende Maschine und die in Flammen stehenden Grasflächen zu löschen. Den Rettungsmannschaften bot sich ein Bild des Schreckens. „Da sah nichts mehr nach einem Flugzeug aus“, sagte ein Polizist. „So stelle ich mir die Hölle vor.“ Ein Kollege ergänzte: „Es war alles schwarz und verbrannt. Die Leichen waren so heiß, dass wir uns beim Wegtragen die Finger verbrannten.“
Ein Mitglied der Bergungsmannschaften meinte, es sei ein Wunder, dass in dem Inferno überhaupt Menschen überlebt haben. „Die Leichen in den Trümmern waren verkohlt, viele auch verstümmelt.“ Rund 60 Krankenwagen rasten zur Unglücksstelle. Die meisten von ihnen mussten unverrichteter Dinge umkehren, denn nur 20 Passagiere überlebten das Unglück.
„Meine Söhne, meine Tochter“
Die Toten wurden mit Leichenwagen in eine Halle auf dem Madrider Messegelände gebracht. Dies rief bei den Madrilenen Erinnerungen an die schrecklichen Terroranschläge vor gut vier Jahren auf mehrere Pendlerzüge in Erinnerung, bei denen 191 Menschen umgekommen waren. Jetzt nach dem Flugzeugunglück diente dieselbe Messehalle wie damals als Leichenhalle.
Auf den Flughäfen von Madrid und Gran Canaria, dem Ziel des Unglücksflugs, harrten Hunderte von Angehörigen stundenlang aus, um Informationen über das Schicksal ihrer Ehepartner, Eltern, Geschwister oder Kinder zu bekommen. „Meine Söhne, meine Tochter“, schluchzte eine Frau.