Home
http://www.faz.net/-gup-1295o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Abruzzen Zahl der Toten auf 207 gestiegen

07.04.2009 ·  Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben in den Abruzzen ist nach Angaben des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am Dienstag auf 207 gestiegen. Fünfzehn Menschen würden noch vermisst.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (0)

Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben in den Abruzzen ist nach Angaben des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am Dienstag auf 207 gestiegen. Fünfzehn Menschen würden noch vermisst.

Die verzweifelte Suche nach Überlebenden geht unterdessen weiter. Rettungsmannschaften suchten teils mit bloßen Händen und Eimern in den Überresten eines Wohnheimes nach dessen Bewohnern. Die Opferzahl erhöhte sich unterdessen auf 179. Etwa 1500 Menschen wurden verletzt, mehr als 70 werden noch vermisst.

Bei der Suche nach Studenten in einem eingestürzten Wohnheim setzte die Feuerwehr auch Hunde und einen Kran ein. Das Wohnheim gehört zur Universität der Stadt L'Aquila. An anderen Stellen waren die Retter erfolgreich: So konnten eine 21 Jahre alte Frau und ein 22 Jahre alter Mann aus den Trümmern eines fünfstöckigen Wohnhauses gezogen werden.

ADAC: Reiseverkehr an Ostern nicht eingeschränkt

Die Arbeiten wurden immer wieder unterbrochen, um mögliche Lebenszeichen aus zerstörten Gebäuden nicht zu überhören. Zudem gab es am frühen Dienstag mehrere Nachbeben. Nach offiziellen Angaben wurden bei dem Beben 10.000 bis 15.000 Gebäude beschädigt oder zerstört. Nach Worten des Bürgermeisters von L'Aquila, Massimo Cialente, sind etwa 100.000 Menschen ohne Obdach.

Der Oster-Reiseverkehr auf den Nord-Süd-Routen soll nach Angaben des ADAC jedoch nicht eingeschränkt sein. Urlauber könnten das Piemont, die Lombardei, Venetien, Ligurien oder die Toskana problemlos erreichen. Auch die Autobahn A 24 Rom - L'Aquila sei streckenweise wieder befahrbar.

Berlusconi sagt Russlandreise ab

Ministerpräsident Silvio Berlusconi rief unmittelbar nach dem Beben den Notstand aus und sagte eine geplante Reise nach Moskau ab, um ins Katastrophengebiet zu fahren. Von dem Beben sind 26 Ortschaften rund um L'Aquila betroffen. So wurde die Kleinstadt Onno praktisch dem Erdboden gleichgemacht.

Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt sendeten Beileidsbekundungen nach Italien, darunter Kanzlerin Angela Merkel und der amerikanische Präsident Barack Obama. Nach Angaben des Vatikans betete Papst Benedikt XVI. für die Opfer und besonders die Kinder.

Das Hauptbeben hatte laut italienischen Geologen eine Stärke von 5,8, amerikanische Seismologen maßen sogar 6,3. Es riss die Menschen am Montagmorgen um 3.32 Uhr aus dem Schlaf, Tausende rannten panikartig ins Freie. Die Erschütterungen waren im rund 100 Kilometer südwestlich gelegenen Rom noch zu spüren. Dort wurden neue Risse in den Ruinen der Caracalla-Thermen aus dem dritten Jahrhundert registriert.

Zahlreiche historische Gebäude zerstört

Dagegen wurden in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila mit rund 70.000 Einwohnern viele Häuser zerstört. Laut Bürgermeister Cialente sind vor allem moderne Wohnblocks betroffen. Diese sind häufig nicht auf Erdbeben ausgerichtet. Auch der mittelalterliche Stadtkern blieb nicht verschont.

Dem Kulturministerium zufolge stürzten die Außenwand einer Kirche aus dem 13. Jahrhundert sowie der Glockenturm einer Renaissance-Kirche ein. Auch die Kathedrale und das Schloss wurden beschädigt.

Das Beben war das schwerste in Italien seit fast 30 Jahren. Am 23. November 1980 wurden bei einem Erdstoß der Stärke 6,9 im Süden des Landes rund 3000 Menschen in den Tod gerissen. Zuletzt wurde Italien am 31. Oktober 2002 von einem heftigen Beben heimgesucht. Bei dem Erdstoß der Stärke 5,4 wurden 28 Menschen in der Region Molise getötet. 27 von ihnen waren Kinder, deren Schule einstürzte.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen