Überfahrene Hasen und Rehe und vielleicht das ein oder andere Wildschwein sind auf deutschen Straßen keine Seltenheit. Bei einem Verkehrsunfall auf der A10 bei Berlin hat am Samstag allerdings ein anderes Tier für Erstaunen gesorgt: Ein imposanter, wildlebender Elch wurde von einem Auto und einem Lastwagen angefahren und kam dabei ums Leben. Bei dem Unfall wurde auch der Autofahrer verletzt, die Strecke musste zeitweise gesperrt werden.
Elch ist vermutlich über die Oder aus Polen gekommen
Elche können bis zu drei Meter lang und 800 Kilogramm schwer werden. Woher das Tier stammte, ist bisher unklar. Die Polizei in Bernau vermutet aber, dass der Elch über die Oder aus Polen nach Deutschland gekommen ist. „Anfangs dachten die Beteiligten noch, es handelt sich um einen Hirsch“, so ein Polizeisprecher.
Seit 1990 wurden in Brandenburg etwa 70 bis 100 Elche gesichtet, sagt Diplom-Forstingenieur Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde. Vor allem Jäger in den Gegenden an Oder und Neiße meldeten solche Erlebnisse. „Das ist eine ganz eigenartige, wunderschöne Beobachtung. Man kommt sich vor wie in der größten Wildnis von Skandinavien“, sagt der Experte. In Brandenburg habe es schon immer Elche gegeben: „Er war aber hier nie so richtig heimisch wie in Polen oder noch weiter östlich, sondern zog immer mal durch. Zu DDR-Zeiten wurde er sogar gejagt.“ Seit der Wiedervereinigung wurden acht tote Tiere in Brandenburg gefunden, zu einem Verkehrsunfall kam es zuletzt 2000 im Spreewald. Natürliche Feinde wie Wölfe und Bären gibt es in Deutschland kaum.
„Er gehört zu den einheimischen Tieren“
Die Geschäftsführerin des Wildparks Schorfheide, Imke Heiter, ist wenig verwundert über das zunehmende Auftauchen des Elchs: „Er gehört zu den einheimischen Tieren.“ In ihrem Park gibt es drei Elche. Auch in freier Wildbahn sei die Hirschart seit den 1970er Jahren oft gesehen worden. „Das sind ganz alte Wildwechsel“, erklärt Heiter.