20.01.2003 · Aus dem Wrack des ADAC-Rettungshubschraubers, das stundenlang unter Eisschollen im Kanal verschwunden war, bargen Taucher einen Toten.
Beim Absturz eines ADAC-Rettungshubschraubers in den Elbe-Seitenkanal sind am Montag ein 36 Jahre alter Notarzt getötet und zwei weitere Insassen schwer verletzt worden. Taucher konnten die Leiche erst nach Stunden in dem unter Eisschollen verschwundenen Wrack in der Nähe des niedersächsischen Hohnstorf bergen. „Der Pilot und der Sanitäter hatten sich von Scholle zu Scholle selbst ans Ufer retten können“, berichtet Uelzens Polizei- Inspektionsleiter Hans-Jürgen Felgentreu. Die Männer im Alter von 35 und 40 Jahren wurden in ein Krankenhaus gebracht. Die Unglücksursache war am Abend noch unklar.
Niedersachsens Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) reagierte mit Bestürzung auf den Absturz. „Es ist furchtbar - die drei Männer waren im Einsatz, um anderen zu helfen, und sind dabei selbst verunglückt“, sagte Trauernicht nach Ministeriumsangaben. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen des Notarztes, und den beiden Verletzten. ADAC-Präsident Peter Meyer sagte: „Wenn Menschen, die Verunglückten helfen, selbst verunglücken, ist das besonders tragisch.“ Der ADAC sei „bestürzt“ über das Unglück.
Unfallursache unklar
Die am Uelzener Krankenhaus stationierte Maschine „Christoph 19“ aus dem Jahr 1991 hatte am Morgen einen Patienten nach Hamburg gebracht. Auf dem Rückflug stürzte der Hubschrauber in den rund 4,50 Meter tiefen Kanal. Der war wegen der von Eisbrechern aufgebrochenen Eisdecke mit einer fast geschlossenen Schicht von Eisschollen für die Schifffahrt gesperrt. Beobachter sagten, der Pilot habe versucht, unter einer Brücke nahe der Absturzstelle hindurch zu fliegen. Ein Jogger beobachtete den Unfall und alarmierte Anwohner in einem eineinhalb Kilometer entfernten Haus.
Trotz des Einsatzes von rund 200 Einsatzkräften blieben die Maschine und der vermisste Notarzt über Stunden unter dem Eis verborgen. „Das Eis behindert unseren Einsatz, für die Taucher ist es lebensgefährlich“, sagte Kreisbrandmeister Hans-Jürgen Hildebrand. Weder Wärmebilder noch ein Echolot halfen bei der Suche weiter. In der Nähe der Brücke fanden die Einsatzkräfte Teile der Rotorblätter.
Ermittlungen gestartet
Nachdem die Taucher den Toten entdeckten, wurde das Wrack mit einem Kran geborgen. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig nahmen Ermittlungen auf.
Das Unglück ist das dritte mit tödlichem Ausgang in der fast 33- jährigen Geschichte der ADAC-Luftrettung, sagte Sprecher Jürgen Drerup in München. 1971 und 1974 habe es wegen Lande- und Pilotenfehlern Unfälle mit vier Toten gegeben.
Mehr Notfälle als früher
Die Flotte der gelben Luftretter umfasst derzeit 35 Hubschrauber bundesweit, darunter noch sieben ältere BO 105, BK 117, EC 135 und zwei MD 900. In Uelzen unterhält der ADAC seit 1983 eine Station und hat seitdem 17.000 Einsätze geflogen. „Waren es ursprünglich hauptsächlich Verkehrsunfallopfer, so mehren sich die internistischen Notfälle“, sagte Drerup.