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UN-Bericht zu sexuellem Missbrauch : Vatikan verbittet sich Einmischung in Morallehre

  • Aktualisiert am

Hatte bekanntgewordene Missbrauchsfälle als „Schande der Kirche“ bezeichnet: Papst Franziskus Bild: dpa

Die Vereinten Nationen werfen dem Vatikan vor, den sexuellen Missbrauch durch Priester systematisch zu vertuschen. Der Vatikan reagiert scharf auf den Bericht, bezeichnet ihn als verzerrt - und wirft den UN Einmischung in katholische Morallehre vor.

          In ungewöhnlich scharfer Form haben die Vereinten Nationen dem Vatikan systematische Vertuschung sexuellen Missbrauchs durch Priester vorgeworfen und Konsequenzen gefordert. Die Kirche stelle die Sorge um ihr eigenes Ansehen über das Kindeswohl, heißt es in einem am Mittwoch in Genf vorgelegten Bericht des UN-Komitees für Kinderrechte. Überführte oder verdächtigte Priester müssten umgehend aus ihren Ämtern entfernt und den staatlichen Behörden überstellt werden. Der Vatikan wies die Vorwürfe als unfair und ideologisch voreingenommen zurück und hielt der UN Einmischung in die katholische Morallehre vor. Die katholische Kirche sehe sich in der Pflicht, „die Rechte des Kindes zu verteidigen und zu schützen“.

          Die UN-Experten werfen dem Vatikan vor, Auskunft über das genaue Ausmaß von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zu verweigern. Geistliche seien einem Schweigekodex unterworfen worden, damit sie sich nicht an die Polizei wendeten. Zugleich werde mit der Versetzung von Tätern in andere Pfarreien oder andere Länder versucht, Verbrechen zu vertuschen.

          Vatikan wirft UN Einmischung in Morallehre vor

          In seiner beispiellosen Kritik an der Kirchenführung in Rom äußert das Komitee zugleich seine „tiefe Besorgnis“ darüber, dass der Heilige Stuhl das Ausmaß der Verbrechen nicht anerkenne und nicht die erforderlichen Maßnahmen ergreife, um solche Fälle zu verhindern. Stattdessen führten die Richtlinien und Vorgaben dazu, dass der Missbrauch weitergehe und Täter straflos blieben. Der Vatikan verstoße damit gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, sagten UN-Vertreter.

          Der Vatikan-Gesandte bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Silvano Tomasi, bezeichnete den Bericht auf Radio Vatikan als „verzerrt, unfair und ideologisch voreingenommen“. Zugleich sagte der Vatikan in einer Erklärung eine gründliche Auswertung zu. Den Vereinten Nationen warf der Kirchenstaat allerdings Einmischung in die katholische Morallehre vor, da in dem Bericht auch die Positionen zu Homosexualität, Empfängnisverhütung und Abtreibung angeprangert werden.

          Papst Franziskus hat die in den vergangenen Jahren bekanntgewordenen Missbrauchsfälle als „Schande der Kirche“ bezeichnet. Nach Angaben aus der Kurie will er in Kürze einen Ausschuss für den Schutz Minderjähriger einrichten. Dieser müsse alle Fälle untersuchen und aufzeigen, wie die Kirchenführung damit umgegangen sei, verlangt das UN-Komitee. Auch Experten und Opfer müssten eingeladen werden. Zugleich müsse der Vatikan alle Akten mit den Beweisen über den Missbrauch zehntausender Kinder öffentlich machen.

          Eine Delegation des Vatikan hatte sich im Januar erstmals den Fragen der UN-Vertreter zu dem Skandal gestellt. Die Experten verlangten anschließend mehr Transparenz von dem Kirchenstaat.

          UN-Bericht: Auch in Deutschland viele Fälle nicht untersucht

          Die Misshandlungsfälle in zahlreichen Ländern haben die Kirche unter anderem in Deutschland in eine tiefe Krise gestürzt. Medienberichten zufolge hat Franziskus’ Vorgänger, Benedikt XVI., in den Jahren 2011 und 2012 rund 400 Priester wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch entlassen. Benedikt wurde von Kritikern allerdings angelastet, zu den Vorgängen zu lange geschwiegen zu haben.

          Auch in Deutschland sind nach Angaben des UN-Komitees viele Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester bislang nicht untersucht worden. Der Zugang zu Hilfen für die Opfer müsse in Deutschland verbessert werden. Es fehle an einer flächendeckenden Beratung und Behandlung für sexuell misshandelte Kinder, monieren die UN-Experten. Lücken bestünden vor allem in Ostdeutschland und ländlichen Regionen.

          Zugleich sehen die Vereinten Nationen einen großen Nachholbedarf bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland. Kritisiert wird auch die wachsende Armut von Kindern hierzulande.

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