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Umweltkatastrophe : Viele sprechen von einem „brasilianischen Fukushima“

Braune Brühe: Eine Entenfamilie schwimmt auf einem Seitenarm des Rio Doce Bild: Reuters

Chaos und Streit nach dem Dammbruch eines Rückhaltebeckens in einem brasilianischen Bergwerk: Während manche von der schlimmsten Umweltkatastrophe Brasiliens sprechen, versuchen sich die Behörden in Beschwichtigung.

          Mehr als drei Wochen nach dem Dammbruch eines Rückhaltebeckens in einem Eisenerzbergwerk im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais herrscht weiter Behördenchaos und Streit über die Folgen der Umweltkatastrophe. Die Justizbehörden von Minas Gerais forderten den Bergwerksbetreiber Samarco auf, bis zu diesem Dienstag eine umfassende Risikoanalyse sowie einen Notfallplan für zwei weitere von Dammbrüchen bedrohte Rückhaltebecken vorzulegen. Die vom Betreiber übermittelten Informationen über den Zustand der Dämme stünden im Widerspruch zu Presseberichten und Einschätzungen von Fachleuten, sagte ein Justizsprecher und fügte hinzu: „Wir müssen die Wahrheit erfahren.“

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bei dem Dammbruch vom 5. November waren 60 Millionen Kubikmeter Schlamm aus einem Abraumbecken zu Tal gestürzt und hatten das Dorf Bento Rodrigues unter sich begraben. Bislang wurden 13 Todesopfer geborgen, acht Menschen werden noch vermisst. Inzwischen hat der Schlamm die 800 Kilometer entfernte Mündung des Rio Doce erreicht und die Atlantikküste des Bundesstaates Espírito Santo verschmutzt.

          Der Bergwerksbetreiber Samarco hatte zunächst abgestritten, dass zwei weiter flussabwärts gelegene Rückhaltebecken ebenfalls von Dammbrüchen bedroht seien. Nach dem Bruch des Fundão-Dammes vom 5. November war der Santarém-Damm schwer in Mitleidenschaft gezogen worden und droht durch Erosion ebenfalls zu brechen; auch der noch weiter flussabwärts gelegene Germano-Damm wurde beschädigt.

          Samarco stellt Gehaltszahlungen ein

          Samarco hat 90 Tage für die Notfallreparatur am Santarém-Damm veranschlagt, der Germano-Damm soll in 45 Tagen ausreichend befestigt sein. Die beiden Abraumbecken enthalten gut ein Siebtel jener Menge Schlamm, die beim Unglück vom 5. November freigesetzt wurde. Als Vorsichtsmaßnahme wurde am Wochenende damit begonnen, den Stausee eines flussabwärts gelegenen Kraftwerks abzulassen, um eine mögliche weitere Schlammflut zurückzuhalten.

          Über den Rio Doce gelangt der möglicherweise giftige Schlamm ins Meer. Bilderstrecke
          Über den Rio Doce gelangt der möglicherweise giftige Schlamm ins Meer. :

          Unterdessen kündigte der Bergwerksbetreiber an, von diesem Montag an alle Gehaltszahlungen an Angestellte sowie Zahlungen an Lieferanten einzustellen. Zu der Maßnahme sei man gezwungen, um über genügend Rückstellungen für die angekündigten Strafzahlungen der Behörden in der Bundeshauptstadt Brasília sowie der Bundesstaaten Minas Gerais und Espírito Santo zu verfügen.

          Generalbundesanwalt Luís Inácio Adams will an diesem Montag eine Zivilklage gegen Samarco einreichen mit der Forderung von Schadensersatz in Höhe von umgerechnet fünf Milliarden Euro. Das Geld soll in einen Fonds zur Säuberung des Rio Doce sowie für Entschädigungszahlungen fließen und über eine Dauer von zehn Jahren nach und nach ausgeschüttet werden. Weitere Forderungen auf Schadensersatz können von den betreffenden Bundesstaaten und von einzelnen Gemeinden erhoben werden.

          Wie gefährlich ist der Schlamm?

          Die rotbraunen Fluten der Schlammlawine haben große Zerstörungen am Flusslauf des Rio Doce angerichtet. Rund elf Tonnen verendeter Fische müssen entsorgt werden. Tausende Tiere ertranken in den Schlammfluten. Mehr als 900 Hektar Gelände von Wald und Wiesen wurden von dem Schlick überflutet und sind verwüstet.

          Weiterhin ist umstritten, wie gefährlich der Schlamm aus dem Eisenerzbergwerk ist. Während in Medienberichten vom „brasilianischen Fukushima“ und von der vielleicht schlimmsten Umweltkatastrophe Brasiliens die Rede ist, versuchen der Bergwerksbetreiber und auch einige Behörden zu beschwichtigen. Die Regierung in Brasília teilte zunächst mit, der Schlamm habe zwar den Sauerstoffgehalt des Flusses verringert und damit das Fischsterben herbeigeführt. Bei Messungen sei aber kein erhöhter Gehalt von Schwermetallen festgestellt worden. Der Schlamm sei also nicht giftig, das Flusswasser könne gereinigt und weiter für die Aufarbeitung zu Trinkwasser benutzt werden.

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